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Klinikum setzt auf Dialog mit Ärzten

Rhön-Klinikum AG Klinikum setzt auf Dialog mit Ärzten

Die Klinik-Leitung des UKGM in Marburg hat in einer Stellungnahme die Ärzte der Region zum Dialog eingeladen. Man wolle sich an einen Tisch setzen und gemeinsam über Strukturen beraten.

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Die Geschäftsführer des Uni-Klinikums Gießen und Marburg gehen auf die niedergelassenen Ärzte vor Ort zu.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Klinik- und Institutsdirektoren des Marburger Uni-Klinikums weisen in der Pressemitteilung darauf hin, dass „unsere Region in den nächsten 25 Jahren durch einen Bevölkerungsrückgang gekennzeichnet sein wird, wie wir ihn bislang noch nicht erlebt haben“. Diese Herausforderung wolle man gemeinsam mit den Ärzten angehen, denn es sei „ein zentrales Anliegen“, eine optimale Gesundheitsversorgung im Einzugsgebiet des UKGM zu gewährleisten.

Trotz aller Bemühungen sei es in Zukunft nicht möglich, „die für Menschen in der Region so unerlässliche Struktur von Haus- und Facharztpraxen in der gewohnten Dichte aufrechtzuerhalten“. Die Bewältigung dieser Herausforderung benötige neue Lösungsansätze.

Der jüngst abgeschlossene Vertrag mit der Ärztevereinigung Prima zur besseren ambulant-klinischen Versorgung von Menschen mit schwerer Erkrankung spreche dafür, dass man über Sektorengrenzen hinaus das Wohl des Patienten in den Mittelpunkt rücken und kooperieren könne.

Die Weiterentwicklung solle mit den Ärzten der Landkreise Marburg-Biedenkopf, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg diskutiert werden – dazu sehe man sich in der Pflicht, so die Stellungnahme, die stellvertretend für die Direktoren von ihren Sprechern Professor Hinnerk Wulf und Professor Harald Renz sowie dem Ärztlichen Direktor und Geschäftsführer Jochen Werner unterschrieben ist.

Initiative kritisiert „Renditenorientierung“

Die Veröffentlichung eines internen Protokolls aus einer Aufsichtsratssitzung des Rhön-Konzerns vergangene Woche in der OP hatte für Diskussionen gesorgt. Rhön-Aufsichtsratschef Eugen Münch hatte darin Pläne geäußert, die ambulante Versorgung des Marburger Umlandes am UKGM zentrieren zu wollen und damit scharfe Kritik seitens der niedergelassenen Ärzte hervorgerufen. Die im Anschluss geführte Debatte müsse nun Mahnung genug sein, die weitere Entwicklung im nördlichen Mittelhessen „nicht dem Zufall zu überlassen“, so die Erklärung der Klinikdirektoren.

Auch die Bürgerinitiative „Notruf 113“ schließt sich in dieser Kritik nun in einer eigenen Mitteilung an. Das Bündnis aus niedergelassenen und angestellten Ärzten, Pflegekräften, interessierten Bürgern und Juristen hatte sich 2009 als Reaktion auf sich häufende Beschwerden über die Versorgung am UKGM gegründet.

Notruf 113 verweist darauf, dass es im Einzugsgebiet der Uni-Klinik Marburg nur wenige andere Krankenhäuser gibt und dieses somit „anders als die meisten anderen Uni-Kliniken einen umfassenderen Versorgungsauftrag“ habe. Der Ausbau eines Netzwerks zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzten würde demnach die Versorgung verbessern, jedoch bestehe ein „natürlicher Gegensatz“ zwischen der Klinik und den niedergelassenen Ärzten.Denn diese stellten „durch ihr Einweisungsverhalten den tatsächlichen Versorgungsbedarf fest“.

Gesprächstermin in den nächsten zwei Wochen

Die „unausweichliche Renditeorientierung einer normalen AG“ frage aber nicht danach, was die Kranken brauchten, sondern nur, was ihnen „unter kommerziellen Gesichtspunkten“ angeboten werden könne. Münch verstehe „Krankenhäuser als Fabriken, die die Patienten ein- und durchschleusen“. Die Hilflosigkeit und das Elend von Kranken seien ihm gleichgültig. Wenn es ihm gelänge, auch die niedergelassenen Ärzte „in seine Zwangsjacke zu stecken“, wäre die Versorgung „vom tatsächlichen Bedarf vollends abgekoppelt“, so die Initiative.

Rückendeckung erhält die örtliche Leitung des Marburger Standorts aber erneut von der Ärztevereinigung Prima. Vorstand Dr. Hartmut Hesse verweist darauf, dass man „zwischen Konzernleitung und den Entscheidern vor Ort unterscheiden muss“. Auf lokaler Ebene sei die Zusammenarbeit sehr gut und ein Dialog über die Verzahnung von ambulanter und stationärer Behandlung bereits längst im Gange.

„Die da oben auf den Lahnbergen tun mir fast schon leid, weil sie sich wegen dieser Aussagen nun rechtfertigen müssen“, so Hesse. Die beiden Geschäftsführer des UKGM Dr. Gunther Weiß und Professor Jochen Werner hätten Prima bereits angeboten, den Medizinern aus dem Umland auf einem eigens dafür einberufenen Termin im Hörsaal auf den Lahnbergen Rede und Antwort zu stehen. Der Termin soll innerhalb der nächsten zwei Wochen stattfinden.

von Peter Gassner

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