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Kleingeld wird für Händler teurer

Sparkasse erhebt Gebühr für Münzrollen Kleingeld wird für Händler teurer

Nun sind kostenlose Münzgeldrollen für 
Geschäftskunden auch bei der Sparkasse passé: Seit 1. April fällt pro Rolle eine Gebühr von 40 Cent an.

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Die Zeiten, in denen Händler bei den heimischen Banken kostenlos Münzgeld bekamen, sind vorbei: Auch bei der Sparkasse ist nun 
eine Gebühr für die Rollen fällig.

Quelle: Sven Hoppe

Marburg. Ulrich Hansmann ist sauer. Er ist Inhaber der „Apotheke im Wohratal“ in Wohra. Und musste Ende März erfahren, dass er künftig bei „seiner“ Bank – der Sparkasse Marburg-Biedenkopf – nicht mehr kostenlos Kleingeld abholen kann. Er wurde von einer Mitarbeiterin in einer Filiale auf einen Aushang aufmerksam gemacht – auf dem stand, dass ab dem 1. April 40 Cent Gebühr je Rolle Münzgeld fällig seien.

„Vor allem bei den kleinen Münzen fallen die 40 Cent Gebühr ins Gewicht“, sagt er. Denn eine Rolle mit Cent-Stücken habe den Wert von 50 Cent – hinzu kommen die Gebühren, die Rolle wird fast doppelt so teuer. Seiner Meinung nach habe die Sparkasse einen öffentlichen Auftrag – „und zu den gesellschaftlichen Aufgaben gehört meiner Meinung nach auch, dass die Bevölkerung mit Wechselgeld versorgt wird“, sagt er.

In kleineren Orten falle diese Aufgabe fast automatisch den Geschäftsleuten zu – in Wohra also Hansmann mit seiner Apotheke und einer ortsansässigen Bäckerei. „Dann fühle ich mich bestraft, wenn ich dafür auch noch Geld bezahlen muss“, sagt der Apotheker. Ohne Wechselgeld gehe es natürlich nicht, „ich werde wohl in den sauren Apfel beißen müssen“, sagt er. Eine mögliche Konsequenz sei, dass er auf die Cent-Beträge verzichten werde.

Sparkasse hat in eigene Maschinen investiert

Im vergangenen Sommer hatte bereits die Volksbank Mittelhessen Gebühren für das Münzgeld eingeführt – sogar in Höhe von 50 Cent je Rolle. Damals hatte die Sparkasse noch auf Anfrage geantwortet, dass dies für ihr Haus nicht geplant sei.

Doch nun die Kehrtwende. Wie kommt es dazu? „Neue gesetzliche Vorgaben, nach denen Kreditinstitute Münzgeld an Kunden nur noch herausgeben dürfen, wenn dieses durch spezielle, zertifizierte Maschinen verarbeitet wurde, haben zu hohen Investitionskosten bei allen Finanzinstituten geführt – so auch bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf“, teilt Sparkassen-Marketingleiter Michael Frantz auf Anfrage mit. Die Sparkasse habe dazu eigene Maschinen angeschafft. Diese müssen von der Bundesbank zertifiziert werden – die Kosten pro Maschine belaufen sich nach Branchenangaben auf etwa 200.000 Euro.

„In unserem Geschäftsgebiet kommt hinzu, dass sich durch die Schließung der Filiale der Landeszentralbank in Gießen inzwischen auch die Logistikkosten für den Transport von Bargeld deutlich erhöht haben“, so Frantz.
Teilweise würden die Mitbewerber einen Münzbargeldservice überhaupt nicht mehr anbieten. Man selbst wolle den „Kunden diese Leistungen aber auch in der Zukunft weiterhin zur Verfügung stellen“, heißt es vonseiten der Sparkasse.

Einlieferung von Münzgeld weiterhin kostenlos

Daher habe man die Gebühr zum 1. April eingeführt – es sei „eine verursachungsgerechte Bepreisung für die Bearbeitung von Hartgeld für Geschäftskunden“, erläutert Michael Frantz. Für eigene Privatkunden bleibe das Münzgeld auch zukünftig kostenlos – allerdings wird die Gebühr auch für Vereine fällig.

Einen Trost haben Kunden jedoch: Das Münzgeld könne weiterhin wie bisher eingeliefert werden. Im Gegensatz zu anderen Banken arbeitet die Sparkasse noch nicht mit sogenannten „Safebags“ – spezielle Taschen, mit denen Münzen und Scheine eingeliefert werden können. Die Gebühren liegen dafür bei anderen Kreditinstituten zwischen fünf und zehn Euro.

Wie viele Münzen im Jahr bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf umgesetzt werden, sagte Michael Frantz nicht. „Wir erfassen die Gesamtheit der Einzahlungen. Diese schwanken im Jahresverlauf. Genaue Zahlen sind intern“, erläuterte er.

Kurz vor der Einführung der Gebühr hat Apotheker Ulrich Hansmann noch einmal reagiert. „Ich habe für 600 Euro Kleingeld geholt“, sagt er. Wie lange das reicht weiß er nicht – doch auf lange Sicht wird auch er nicht um die Gebühr herumkommen.

von Andreas Schmidt

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