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Kleinaktionärin thematisiert ethische Frage

Rhön AG Kleinaktionärin thematisiert ethische Frage

Sie erhielt Aufmerksamkeit, aber keine Zustimmung: Cordula von Brandis-Stiehl forderte, dass die Rhön AG, die das UKGM betreibt, einen Teil der Dividende für die ­Erforschung der Arbeitsbedingungen verwende.

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Cordula von Brandis-Stiehl besitzt fünf Aktien, um Rederecht auf der Rhön-Hauptversammlung zu haben.

Quelle: Thorsten Richter

Frankfurt. Cordula von Brandis-Stiehl strahlt. Sie hat ihr Ziel erreicht: In der Hauptversammlung der Rhön-Klinikum AG stand sie neben dem Vorstand und vor den Aktionären, um ihr Anliegen vorzubringen. Dass über ihren Antrag nicht abgestimmt wurde, ist für sie zweitrangig.

Die niedergelassene Ärztin und Psychotherapeutin aus Marburg besitzt fünf Rhön-Aktien, um Stimmrecht zu haben (die OP berichtete). „Ich bin gesetzlich versichert, wenn ich Patientin im Universitätsklinikum Gießen und Marburg werde, trägt mein Krankenkassenbeitrag zur Erhöhung der Dividende bei“, sagt sie vor den Aktionären.

Und erklärt weiter, dass unter ihren Patienten Mitarbeiter des Marburger Universitäts-Klinikums sind, die sich ausgebrannt fühlen und unter einer hohen Arbeitsbelastung leiden. Sie fordert, dass die Dividende an die Aktionäre reduziert wird, damit Geld für Forschung frei wird – für die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Wohlbefinden der Mitarbeiter und dem Genesungsprozess der Patienten.

Marburgerin ist zufrieden: Aussagen werden zitiert

Die Aktionäre hören Cordula von Brandis-Stiehl zu, einer von ihnen greift ihr Thema gar später in seiner Rede auf. Auch der Vorstandsvorsitzende Dr. Dr. Martin Siebert zitiert später aus ihrem Antrag – auch das wertet die Marburgerin als positiv. Allerdings erklärt der Vorstand, dass nur über den weitergehenden Antrag abgestimmt werden soll. Das ist in dem Fall der Beschlussvorschlag des Vorstands: An die Aktionäre soll eine Dividende von 80 Cent je Stückaktie ausgeschüttet werden.

Die von Brandis-Stiehl geforderte Reduzierung kommt also nicht zur Abstimmung. In der weiteren Debatte greift ein weiterer Redner ihre Aussage auf – das Wohl der Mitarbeiter und Patienten sei wichtig, heißt es.
Ob nun Lippenbekenntnisse oder nicht: Cordula von Brandis-Stiehl sind kleine Schritte wichtig, um auf ein großes Thema hinzuweisen: Ethische Grundsätze in der Medizin. Brandis-Stiehl will nun ihre eigene Dividende – und ein wenig mehr – spenden: Den ehrenamtlich Tätigen im ambulanten Hospizdienst der Johanniter.

„Strukturelle Wirtschaftlichkeitsvorteile“

Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger fragt, wie sich die Personalkosten beim UKGM entwickeln werden und warum Marburgs Klinikum wirtschaftlich schlechter da stehe als das Gießener Klinikum. Ihm leuchte allerdings ein, dass das Marburger Klinikum im Durchschnitt höhere Personalkosten als andere Krankenhäuser habe, weil dort Spitzenmedizin betrieben werde, so Schmidt. Siebert erklärt, er werde keine Angaben über künftige Tarifverhandlungen machen können.

Die Personalkostenquote liege bei 63 Prozent und mittelfristig werde es dabei bleiben. Die Gehälter werden 2015 eine Herausforderung für das Unternehmen, ergänzt er. Die bessere wirtschaftliche Entwicklung in Gießen sei damit zu erklären, dass dort mehr Patienten mit schweren Erkrankungen behandelt werden und für deren Behandlung somit mehr Geld eingenommen wird.

Als Beispiel nennt Siebert das Herzzentrum, die Kindermedizin und die Pneumologie. Dort werden hochkomplexe Fälle behandelt. Gießen habe „strukturelle Wirtschaftlichkeitsvorteile“, heißt es. In Marburg gehe man davon aus, dass das Partikeltherapiezentrum, das Ende des Jahres eröffnet werden soll, viele Patienten anziehen wird.

von Anna Ntemiris

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Sie besitzt fünf von insgesamt 73.481.860 Rhön-Aktien und möchte ihr Stimmrecht auf der Aktionärsversammlung geltend machen: Die Marburger Ärztin Cordula von Brandis-Stiehl sorgt sich um das Wohl der Klinik-Mitarbeiter.

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