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„Klares Signal für Standort Marburg“

GSK investiert 172 Millionen „Klares Signal für Standort Marburg“

Vergangenes Jahr hatte der Mutterkonzern bereits beschlossen, dass in Marburg investiert werden soll – nun ist es Fakt: Insgesamt fließt ein dreistelliger Millionenbetrag in die Impfstoffproduktion in Marburg.

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Übersicht des Mars-Campus mit der neu geplanten Meningokokken-B-Impfstoffproduktionsanlage (Gebäude unten rechts) sowie dem Mitarbeiterrestaurant (ganz links).

Quelle: GSK

Marburg. Am Donnerstag hat Glaxo-SmithKline (GSK) bekanntgegeben, dass insgesamt 172 Millionen Euro in den Mars-Campus am Standort Görzhausen fließen werden.

Mit dem größten Teil der Investitionen – 162 Millionen Euro – wird eine neue Produktionsanlage für Impfstoffe gebaut. Dort sollen künftig Anti‑
gene für den Meningokokken-B-Impfstoff „Bexsero“ hergestellt werden. Mit weiteren zehn Millionen Euro wird eine vorhandene Produktionsstätte ausgebaut, um Bestandteile für einen Mumps-Impfstoff zu produzieren.

„Wir freuen uns über diese weiteren bedeutenden Investitionen von GSK in den Standort Marburg“, sagt Jochen Reutter, Geschäftsführer und Standortleiter GSK Vaccines Marburg, und sprach von einem „klaren Signal“ für den Standort Marburg. Die neuen Anlagen würden helfen, den erhöhten Bedarf an Mumps- und Meningitis-Impfstoffantigenen in Zukunft abzudecken. „Wir leisten auf diese Weise einen wichtigen Beitrag im weltweiten GSK-Produktionsnetzwerk. Für uns bedeutet diese Entscheidung eine effiziente Auslastung unserer Produktionskapazitäten und eine Fortsetzung der Neuausrichtung des Standortes“, so Reutter.

Mark Ruppersberg, Projektleiter für die Meningokokken-B-Anlage, ergänzt: „Unser Standortvorteil bei beiden Projekten ist, dass wir auf dem Mars-Campus die bereits vorhandene Infrastruktur durch direkten Anbau und Anschluss optimal nutzen und auslasten können.“

Produktionsgebäude mit 3000 Quadratmetern

In Marburg sollen künftig drei der insgesamt vier aktiven Komponenten des Impfstoffs hergestellt werden – und somit in den Konzern zurückkehren. Denn derzeit werden die Bestandteile als Auftragsherstellung von einem externen Unternehmen in Österreich hergestellt.

Reutter verdeutlichte, dass die Investition keine Auswirkungen auf den im vergangenen Dezember angekündigten Personalabbau von 270 Mitarbeitern habe – denn dieser sei mittlerweile abgeschlossen. Und zwar, wie Reutter betonte, „ohne betriebsbedingte Kündigungen“. Dabei habe man sehr konstruktiv mit dem Betriebsrat zusammengearbeitet.

Für die neue Investition würden in den kommenden Jahren rund 100 Mitarbeiter aufgebaut. Doch werden dies wohl keine zusätzlichen Stellen sein. Denn: Der geplante Transfer der Produktion von bakteriellen Antigenen für Diphterie- und Tetanus-Impfstoffe von Marburg an den Schwesterstandort Gödöllö nach Ungarn wurde nun konkretisiert. „Wir haben gesichert, dass wir bis 2021 weiterproduzieren werden“, sagte Reutter. Denn so lange werde es dauern, die Produktion in Ungarn aufzubauen.

In diesem Zusammenhang würden etwa 100 Stellen wegfallen. „Insofern ist der Aufbau netto eine Kompensation des Abbaus“, konkretisierte Reutter. Dabei wolle man gerne auch auf die vorhandenen Mitarbeiter setzen, „es gibt Initiativen, diese weiterzuqualifizieren, um die neuen Produktionen weitestgehend mit unseren Mitarbeitern zu betreiben“, sagt der Standortleiter.

Das neue Produktionsgebäude wird eine Fläche von rund 3000 Quadratmetern besitzen und an die bestehende Infrastruktur angeschlossen. Im Frühjahr soll mit dem Bau begonnen werden, „geplanter Produktionsbeginn ist Mitte 2020“, sagt Reutter. Entstehen werden zwei Fermentationslinien – eine mit 1000 Litern Volumen, die zweite mit 3000 Litern.

Neubau wird „Gesicht des Mars-Campus verändern“

Den Impfstoff „Bexsero“ bezeichnet Reutter als „den Blockbuster im Portfolio im Moment“, er habe eine Zuwachsrate von etwa 20 Prozent erzielt. Vor diesem Hintergrund sei es sehr wichtig, „diese Produktion nach Marburg zu bekommen“.

In der Netzwerk-Strategie von GSK sei Marburg eine „Primary Site“, „unsere Aufgabe ist es, Antigene, also das Rohprodukt, zu produzieren – und nicht Formulierung, Abfüllung und Verpackung, was Secondary wäre“, erläutert Reutter.

Doch GSK betreibt in Marburg im Hauptwerk auch eine Abfüll- und Gefriertrocknungsanlage. „In diese investieren wir zurzeit 13 Millionen Euro, obwohl wir wissen, dass wir sie irgendwann verlieren werden“, erläutert der Geschäftsführer. Es sei beabsichtigt, diesen Teil bis 2025 „und vielleicht auch noch ein wenig länger“ zu betreiben.

Die Investition zur Herstellung des Mumps-Impfstoffs wird indes bereits früher Früchte tragen: Da eine bestehende Anlage umgebaut wird, seien Validierungsläufe für September kommenden Jahres geplant.

„Alle diese Investitionen zeigen das Vertrauen in die Expertise vor Ort und die wichtige Rolle, die der Standort Marburg auch in Zukunft im GSK-Netzwerk einnehmen wird“, so Jochen Reutter.

Der Mars-Campus werde mit dem Neubau sein Gesicht verändern, „und er passt auch hervorragend in unsere Pläne. Wir haben mit dem GSK-Management Einverständnis darüber, wie sich der Campus weiterentwickeln soll. Das heißt nicht, dass jede einzelne Investition bereits genehmigt ist – aber es können und sollen weitere Investitionen kommen“, bekräftigt der Standortleiter.

Marburg besitze im GSK-Netzwerk einen hohen Stellenwert, der Standort sei „die größte Site im Primary-Netzwerk des Konzerns“, lediglich Belgien als Zentrale sei größer.

von Andreas Schmidt

GSK-Standortleiter Jochen Reutter vor dem Mitarbeiterrestaurant, das am 
4. Oktober eröffnet wurde. Foto: Andreas Schmidt
 
 
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