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Kekse backen im großen Stil

OP-Ausbildungsserie: Lebensmitteltechniker Kekse backen im großen Stil

Vom Mehl bis zum fertigen Keks – von der Waage bis zum 100 Meter langen Hightech-Ofen: Lebensmitteltechniker sind die Herren von Backstraße und Produktionshalle sowie Techniker in einem.

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Kekse backen im Großformat: Der angehende Lebensmitteltechniker Philipp Böhme (von links), Veronika Galinger von der Dr. Schär Deutschland GmbH und Peter Steitz von der Arbeitsagentur Marburg stehen an der überdimensionalen Rührmaschine – nur einer von vielen Aufgabenbereichen der Lebensmitteltechniker.

Quelle: Ina Tannert

Dreihausen. Eine riesige, mollig warme Produktionshalle, fast überall riecht es nach frisch gebackenen Keksen, die permanent auf langen Transportbändern kreuz und quer durch die Halle fahren – 10.000 Kekse pro Stunde. Um den Arbeitsort von Azubi Philipp Böhme werden ihn wohl viele beneiden.

Er ist Auszubildender zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik im ersten Jahr bei der Dr. Schär Deutschland GmbH in Dreihausen und einer von 164 Mitarbeitern, die vor Ort eine breite Palette an glutenfreien Gebäckwaren produzieren.

Die international vertretene Gruppe stellt diätetische Lebensmittel für eine glutenfreie Ernährung her und ist nach eigener Aussage Marktführer auf diesem Gebiet. „Lebensmitteltechniker sind mit allem vertraut, was mit Lebensmitteln zu tun hat – sie behalten im Betrieb den Überblick über den gesamten Produktionsablauf“, erklärt Philipp.

Schon die Anlieferung muss überwacht werden

Während der Ausbildung lernen die angehenden Fachkräfte daher Schritt für Schritt jede einzelne Station kennen – von der Warenannahme über die Abwiegestation und die große Produktionshalle bis hin zum Labor und zur Verpackung.

Unter anderem sind Lebensmitteltechniker in Betrieben der Fisch-, Fleisch-, Obst- oder Gemüseverarbeitung, in industriellen Großbäckereien oder Molkereibetrieben tätig. Arbeitsbereiche sind Produktionshallen, Lager- oder Kühlräume sowie Qualitätskontrolle. Mithilfe automatisierter, computer­gesteuerter Maschinen stellen sie die unterschiedlichsten Nahrungsmittel, Feinkost oder Getränke aus den verschiedensten Rohstoffen her.

Sie programmieren die Computer, sind an sämtlichen Fertigungsschritten, vom Eingang der Rohwaren bis zum fertig verpackten Produkt, am Herstellungsprozess beteiligt.

Bei der Anlieferung prüfen sie die Rohstoffe oder Zutaten, leiten diese an das Lager oder in die Verarbeitung weiter und bereiten die nötigen Ingredienzien vor. Die Fachkräfte richten die Produktionsanlagen ein, fügen streng nach Vorgabe die einzelnen Zutaten in die Maschinen.

Gluten ist hier verboten

„Ich beschäftige mich neben der Technik viel mit Inhalts­stoffen und Rezepten“, erklärt Philipp. Die vorgeschriebene Menge von Mehl, Schokolade, Wasser oder Eipulver muss genau eingehalten werden.

Ein besonderer Anspruch an die hergestellten Lebensmittel, etwa eine glutenfreie Produktion wie im Werk in Dreihausen, stellt die Fachkräfte vor weitere Herausforderungen. Wo in normalen Backwaren das Gluten „wie ein Klebstoff für Fluffigkeit des Brotes“ dient, darf das Protein in Dr.-Schär-Produkten nicht vorkommen, erklärt Personalleiterin Gabriele Ries.

Für Philipp bedeutet dies die Einhaltung einer lückenlosen Dokumentation der Produktionskette, angefangen bei der strengen Auswahl der Anbau-Felder. Daneben sind Lebensmitteltechniker für Überwachung und Kontrolle der größtenteils automatisierten Produktion zuständig, greifen bei Störungen umgehend ein.

Naturwissenschaften sind im Job wichtig

Dafür benötigen sie eine umfangreiche Übersicht über die einzelnen Produktionsschritte sowie technisches Verständnis, um die verschiedenen Maschinen warten zu können. Daher findet die Ausbildung während der ersten beiden Jahren parallel mit dem Ausbildungsbereich Maschinenbau statt.

Nicht zuletzt ist im Fall der Fälle eine schnelle Reaktion und Entscheidungsfähigkeit gefragt. Tritt etwa in der Großbäckerei ein Problem auf, muss Philipp die Störung in dem riesigen Backofen samt Transportband-System schnell finden und beseitigen, um den reibungslosen Ablauf der Produktion wieder herzustellen. „So eine Backstraße von über 100 Metern muss man im Auge behalten“, weiß der Auszubildende.

Gute Kenntnisse in Mathematik zur Berechnung von Volumen- und Mischverhältnissen sowie in Chemie zur Verarbeitung der Roh- und Hilfsstoffe sind für diesen Beruf gleichfalls wichtig. Ebenso wie biologisches Wissen, etwa für die Verarbeitung und Konservierung von Lebensmitteln.

Während der dreijährigen dualen Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik steht demnach ein breites Spektrum an verschiedenen Wissensgebieten auf dem Lehrplan. „Es ist eine abwechslungsreiche Arbeit zwischen Theorie und Praxis“, findet Philipp. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben.

Steitz: Beruf ist wenig bekannt

Wie in der Branche üblich, muss sich ein Lebensmitteltechniker auch darauf einstellen, in Schichten zu arbeiten. „Die Maschinen laufen Tag und Nacht, die Bereitschaft zur Schichtarbeit muss vorhanden sein“, erklärt die Personalleiterin. Die Dr. Schär Deutschland GmbH verfügt derzeit noch über jeweils eine offene Stelle in den Bereichen Betriebs- und Lebensmitteltechnik.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es nur wenige Firmen und Fachkräfte in diesem Bereich, der Beruf ist wenig bekannt. „Das Berufsbild ist eigentlich unpopulär, vielen ist die abwechslungsreiche technische Seite unbekannt“, erklärt Peter Steitz von der Marburger Arbeitsagentur.

Dabei biete die breit gefächerte Ausbildung mit einer sinnvollen Kombination aus Technik- und Lebensmittel-Wissen sehr gute Möglichkeiten am Arbeitsmarkt – „die Chancen sind super, auch im Ausland“, betont der Arbeitsvermittler im Gespräch mit der OP.

  • Für alle Fragen rund um Ausbildung und Beruf steht die Arbeitsagentur zur Verfügung. Interessenten, die noch Bewerber oder einen Ausbildungsplatz für 2015 suchen, können direkt beim Arbeitgeberservice nachfragen. Kontakt unter Telefon 06421/605-212.

von Ina Tannert

 
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 Quelle: Agentur für Arbeit Marburg

 
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