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Keine Erstattung für Monatskarten

Tarifkonflikt Keine Erstattung für Monatskarten

Keine Einigung im Tarifkonflikt bei den Busfahrern: Auch zu Beginn der nächsten Woche müssen sich die Marburger und viele andere Hessen auf Streik einstellen.

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Die Zeichen stehen auch weiterhin auf Streik: Bis einschließlich Montag bleiben die Busse in den Depots der Stadtwerke stehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Landesverband hessischer Omnibusbetreiber (LHO) hatte Verdi am Freitagmorgen erneut Gespräche angeboten und dabei auch konkrete Terminvorschläge für die kommende Woche gemacht (Mittwoch, 18. Januar bis Freitag, 20. Januar). Bei diesen Gesprächen wolle die Arbeitgeberseite „neue Überlegungen mit an den Verhandlungstisch bringen“, erklärte LHO-Geschäftsführer Volker Tuchan.

Für Verdi war diese Ankündigung jedoch nicht ausreichend. Nach wie vor habe der LHO „kein konkretes, verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt“, sagte die Pressesprecherin des Verdi-Landesverbandes, Ute Fritzel, im OP-Gespräch. Der Vorschlag­ sei unter den Busfahrern „ausgiebig diskutiert worden“, ohne neue Zahlen wolle man die Gespräche aber nicht aufnehmen. „Wir würden uns nur lächerlich machen, wenn sich rausstellt, dass man uns an der Nase herumführt und das Angebot gar nicht verbessert ist“, erklärte Fritzel. Der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, Knut Ringat schlug angesichts der verhärteten Fronten einen Schlichter vor. Aus Sicht der Marburger Fahrer ist die Haltung von Verdi aber richtig.

„Marburg-Zulage“ 
in Höhe von 50 Cent

Das bestätigte Frank Morczinek, Betriebsratsvorsitzender der Marburger Verkehrsbetriebe (MVG), in dem die Busfahrer organisiert sind. „Die Streikbereitschaft ist mindestens so hoch wie am Anfang“, sagte er. Es sei „sinnlos, jetzt abzubrechen“. Die Marburger Fahrer treffen sich jeden Morgen zum gemeinsamen Frühstück „und versuchen dann, die Wartezeit erträglich zu gestalten“, so Morczinek. „Wir würden natürlich auch lieber wieder fahren“.

Morczinek widersprach zudem einer Darstellung der Stadtwerke, nach dem die Fahrer 50 Cent pro Stunde über dem Tarif bezahlt würden. „Es gibt eine Marburg-Zulage“, bestätigte er zwar, diese sei jedoch dafür gedacht, sich entsprechende Arbeitskleidung zu besorgen.

Solidarität mit den Busfahrern hat der Asta Marburg erklärt. Die Forderungen Verdis seien „mehr als berechtigt“, auch wenn der Streik viele Studierende treffe. „Der Stadtbusverkehr in Marburg ist ein wichtiges Rückgrat der studentischen Mobilität in Marburg“, stellen die Asta-Verkehrsreferenten Cornelius Hansen und Alena Fischer fest. Gemeinsam mit der Universitätsleitung ruft der Asta daher dazu auf, Fahrgemeinschaften zu bilden und Studierende auf die Lahnberge mitzunehmen.

Wer dorthin wolle, könne an der Bushaltestelle Erlenring und ein vorgefertigtes Blatt mit der Aufschrift „Nimm mich mit!“ hochhalten. Für den Rückweg könne man an der Bushaltestelle Hans-Meerwein-Straße warten. Autofahrer werden gebeten, gegebenenfalls auch kleine Umwege in Kauf zu nehmen und die Wartenden mitzunehmen.

Uni-Leitung empfiehlt „großzügige Lösungen“

Die Uni habe den Fachbereichen zudem die Empfehlung gegeben, „großzügige Lösungen für die Studierenden zu finden und beispielsweise die Abwesenheit nicht auf das erlaubte Kontingent für Fehlzeiten bei Kursen mit Anwesenheitspflicht anzurechnen, oder wo notwendig Alternativtermine anzubieten“, erklärte Pressesprecherin Andrea Ruppel auf OP-Anfrage.

Ansprüche wegen der Ausfälle der Busse können Fahrgäste bei den Stadtwerken nicht geltend machen, teilte Sprecherin Sarah Möller mit. Mehrere Fahrgäste hatten sich bei der OP gemeldet und sich darüber geärgert, dass sie für eine Monatskarte gezahlt haben, ohne die Busse jetzt nutzen zu können.

„Ich musste mich jetzt trotzdem schon eine­ 
Woche lang drum kümmern, wie ich zur Arbeit komme“, so OP-Leser Gunnar Beck. Den Weg von Cappel in die Marburger Innenstadt habe er teilweise zu Fuß zurückgelegt. „Von mir aus können die Fahrer 365 Tage lang streiken – wenn ich das vorher weiß und mir kein Ticket besorge“, sagte er. Er habe sich zunächst an die Stadtwerke gewandt, sei von diesen aber an Verdi verwiesen worden.

Nachdem ihm dort nicht geholfen werden konnte, habe er erneut die Stadtwerke kontaktiert, sei erst an den RMV und dann an den Regionalen Nahverkehrsverband (RNV) weitergeleitet worden. Dort sei man zwar kulant gewesen und habe ihm die Fahrt mit Überlandbussen gestattet, für seinen Arbeitsweg helfe das aber auch nicht. „Ich möchte das bekommen, für das ich gezahlt habe“. Er hoffe auf eine Verlängerung seiner Monatskarte um die Anzahl der Streiktage.

Die Stadtwerke verweisen jedoch auf den Paragraph 9 der RMV-Beförderungsbedingungen. Fahrkarten werden „weder­ gegen Rückgabe der Fahrkarte­ noch unter sonstigen Umständen erstattet, z.B. bei Streik, ­Naturgewalten oder Suizid“, heißt es dort.

von Peter Gassner

 
 
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Busfahrerstreik wird fortgesetzt

Die Busfahrer in Marburg und anderen hessischen Städten setzen den Streik auch am Freitag fort.

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