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Keine Angst vor der Arbeit am Kunden

OP-Ausbildungsserie, Teil 5 Keine Angst vor der Arbeit am Kunden

Kreativität, Augenmaß und eine gewisse Standhaftigkeit bestimmen den Alltag im Friseurhandwerk. Das Geschäft wächst zunehmend – so wie der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs.

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Auszubildende Elisa Wege stylt ihre Kundin Eileen Schmidt. In ihrem Beruf mit und nah am Menschen hat die angehende Friseurin ihren Wunschberuf gefunden.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Ein Beruf für und über die Schönheit, dabei nah am Menschen und auf Augenhöhe mit den Kunden – das macht das Friseurhandwerk bis heute aus. Neben dem handwerklichen Geschick sind dabei gute Nerven gefragt.

Der Arbeitsalltag dreht sich stets um die aktuellsten Trends, klassische wie innovative Techniken und jede Menge Kreativität, so auch im Friseursalon Oehler in Marburg. Das Unternehmen legt Wert auf eine direkte und offene Beratung der Kunden – eben dazu sollte ein Friseur generell imstande sein, erklärt Inhaber Michael Oehler. „Man sollte die Wünsche des Kunden bestmöglich umsetzen, falsche Wünsche aber auch ablehnen können – wir sagen offen, wenn wir etwas nicht möchten“, so der Chef.

Dabei hilft ein freundlicher, lockerer Umgang mit den Kunden, der Vertrauen schafft. „Freundlichkeit und Offenheit sind das A und O in diesem Beruf.“ Friseure arbeiten nicht nur nah am Kopf, sondern einfach nah am Menschen – und das erfordert am Anfang etwas Überwindung.

Das hat auch die Auszubildende Elisa Wege gelernt: Die 19-Jährige befindet sich im zweiten Lehrjahr, ist längst mit dem Alltag im Salon vertraut und fühlt sich sichtlich wohl in ihrem Wunschberuf. „Es ist kein einfacher Job, aber er macht einfach Spaß“, schwärmt die angehende Friseurin. Mit Menschen zu arbeiten, hat ihr schon immer gefallen, die körperliche wie manchmal auch emotionale Nähe zu den Kunden fiel ihr dabei nicht schwer. „Man muss einfach seine erste Hemmschwelle überwinden und starten“, weiß Elisa.

Interesse an pflanzlichen Produkten steigt

Neben der traditionellen Haarpflege, dem Waschen, Schneiden, Färben und Frisieren ihrer Kunden, lernt sie kosmetische Behandlungen in der Haut-, Hand- und Nagelpflege. Die künstlerische Vielfalt in ihrem Beruf ist groß: das Repertoire reicht von einfachen Basis-Haarschnitten, Spitzen und Stufen schneiden über Freihand-Färbetechniken, Dauerwelle oder Bob-Schnitt bis zur Königsklasse wie dem besonders akkuraten Kurzhaar-Herrenschnitt.

Zu Beginn ihrer Ausbildung standen vor allem Farblehre und der korrekte Umgang mit den Färbemitteln im Mittelpunkt: „Die Farbe steht an erster Stelle, später kommen die Schnitt-Techniken“, erklärt die 19-Jährige. Neben der Handarbeit steht während der Ausbildung auch einiges an Fachtheorie auf dem Lehrplan.

Elisa beschäftigt sich ebenso mit Kundenbetreuung und Hygienebestimmungen wie mit den Eigenschaften verschiedener Kosmetika oder dem Aufbau von Haut und Haar. „Das ist interessant und wird jeden Tag genutzt“, erzählt sie. Ein Schwerpunkt des Salons Oehler ist zudem der Natursektor, auch die immer stärker gefragte Behandlung mit weitestgehend natürlichen, pflanzlichen Produkten müssen die Auszubildenden büffeln.

Entgegen der allgemeinen Annahme, dass der Nachwuchs im ersten Jahr ausschließlich eher unbeliebte Arbeiten wie Putzen, Kaffee holen oder Haarewaschen übernimmt, ist der Ausbildungsplan der Lehrlinge auch in der Praxis deutlich flexibler.

Der Einsatz an Schere oder Farbtube richtet sich mehr nach dem individuellen handwerklichen Geschick: Ist der Azubi etwa bereits im ersten Jahr in der Lage, die Wunschfrisur korrekt zu schneiden, kann er unter der Anleitung erfahrener Kollegen loslegen. Hapert es noch in diesem oder jenem Bereich, wird dort erst einmal mehr geübt. „Jeder macht das, was er kann“, erklärt der Chef.

Neben dem handwerklichen Geschick und einem guten 
Augenmaß ist nicht zuletzt ein dickes Fell im Arbeitsalltag angebracht. Gerade im Friseurhandwerk kann es durchaus auch emotional zugehen, und das auf beiden Seiten. Der Umgang auch mit kritischen oder unzufriedenen Kunden im hektischen Salonalltag will erst einmal gelernt sein, auch Elisa 
nahm sich anfangs viele Erlebnisse sehr zu Herzen.

Es gibt noch jede 
Menge freie Stellen

„Aber man darf nicht zögerlich werden und sollte sich ein selbstsicheres Auftreten aneignen“, weiß sie heute. „Mutig, taff und ein Menschenfreund – das sollte man sein. 40 Prozent im Beruf machen gute Nerven aus, das Handwerk kommt danach“, fasst Oehler zusammen.

Auf dem Ausbildungsmarkt ist das Friseurhandwerk stark vertreten, es hapert jedoch am Nachwuchs, und der ist zunehmend gefragt. „Wir haben jede 
Menge freie Stellen, viele Salons suchen händeringend nach Auszubildenden“, weiß Arbeitsvermittlerin Silke Wagenknecht. Auch noch für einen Ausbildungsstart in diesem Jahr. Ein Grund für viele unbesetzte Plätze sind die Arbeitszeiten samt einer mittelmäßigen Bezahlung, „nur die Guten verdienen auch gut“.

Zudem ist die Arbeit anstrengend, erfordert wortwörtlich Stehvermögen und eine gute 
körperliche Kondition. Die Lehrlingszahlen werden langfristig nicht reichen, um den hohen Bedarf am Markt für die Zukunft zu decken. Im Umkehrschluss wird auf lange Sicht ein Mangel herrschen „und die Preise werden steigen“, prophezeit der Friseurmeister.

Rund um das Thema und speziell die Vermittlung freier Ausbildungsstellen informiert die Agentur zudem am kommenden „BiZ-Tag“ am Donnerstag, 23. Juni, zwischen 14 und 19 Uhr im Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur Marburg, Afföllerstraße 25.

von Ina Tannert

 
 Top 10 Freie Ausbildungsstellen

Kaufleute Einzelhandel (48)

Gesundheits- und Krankenpfleger (46)

Verkäufer (20)

Friseure (14)

Kfz-Mechatroniker 
– Pkw-Technik (8)

Augenoptiker (8)

Industriemechaniker (6)

Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker (5)

Medizinische Fachangestellte (5)

Sport- und Fitnesskaufleute (3)

Stand: 13. Juni, Quelle: Agentur für Arbeit

 
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