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Kaufpläne mit Dominoeffekt

Neues zum Gutenberg-Center Kaufpläne mit Dominoeffekt

In wenigen Wochen soll die Entscheidung fest­stehen, wie es mit den Plänen für ein neues Einkaufszentrum in der Innenstadt weitergeht. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Land Hessen.

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Das Allianzhaus (Gutenbergcenter) in Marburg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Benötigt Marburg ein neues Einkaufszentrum in der Innenstadt? Diese Frage kam zuletzt im Zuge der Neupositionierung des Kaufhauses Ahrens auf. Christian Großmann, Vorsitzender des Werbekreises Nordstadt und Mitglied im Vorstand des Markt- und Aktionskreises (MAK), erklärte bereits Ende September gegenüber der OP, dass ein Gutenberg-Center, wie es der Investor Tenkhoff plant, vielleicht gar nicht mehr nötig sei. Diese Aussage teilen auch die „Bürger für Marburg“ (BfM), die mit Andrea Suntheim-Pichler einen Sitz in der Marburger Stadtverordnetenversammlung haben.

Die BfM fordert, die Planungen für ein Einkaufszentrum in der Gutenbergstraße/Universitätsstraße einzustellen. Die Stadt sollte prüfen, ob sie das Haus der Allianz Immobilien GmbH abkaufen könne, um dort ein architektonisch ansprechendes Parkhaus für Autos und Fahrräder errichten zu lassen. „Vorstellbar wäre dort auch ein Lebensmittelmarkt wie bisher der Tegut oder eine Markthalle wie Marché“, erklärt Suntheim-Pichler. Das neue Haus wäre ein ideales Eingangstor für die Altstadt, sagt sie. Seit dem Planungsbeginn vor mehr als zwei Jahren habe sich im Allianzhaus nichts getan, wohl aber habe sich die Innenstadt verändert, erklärt Andrea Suntheim-Pichler.

Vaupel: "Planungen laufen auf Hochtouren"

Der Ahrens-Umbau sei nur ein Beispiel, ein weiteres der Baubeginn für den Campus Firmanei. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) widerspricht: Die Planungen laufen, wenn auch im Hintergrund, auf Hochtouren. Er ist zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr die Weichen gestellt werden. Der Vorschlag der „Bürger“ sei „der falsche Weg“. Es könne nicht Aufgabe der Stadt sein, Gebäude zu erstellen und zu vermarkten. „Wenn wir vom Land Hessen in diesem Jahr ein Signal bekommen, sollten diejenigen, die Planungen übernehmen, die Kompetenzen dafür haben“, so Vaupel. Einer, der in ganz Deutschland Einkaufszentren entwickelt hat, ist Joachim Tenkhoff. Er will das Gutenberg-Center errichten. Auf Nachfrage der OP erklärte der Berliner Unternehmer, dass das Projekt in den vergangenen sechs Monaten nicht weiter entwickelt worden sei. Das bedeutet: Nach wie vor sind 60 Prozent der Fläche vermietet worden. Auch er warte nun auf die Entscheidung des Landes, sagt Tenkhoff. Er möchte zudem klären, welche baurechtlichen Rahmen die Stadt setzen wird. Anfang Dezember habe er ein Gespräch mit dem Magistrat vereinbart.

Die Verhandlungslinien scheinen sich abzuzeichnen: Tenkhoff will die beiden Gebäude ­Allianzhaus und Savignyhaus abkaufen und abreißen, um neu zu bauen. Dafür muss er der Allianz das jetzige Center abkaufen und dem Land Hessen das Gebäude der Uni-Juristen. „Eine Sanierung kommt aus wirtschaftlicher Sicht nicht in Frage“, sagt Tenkhoff.

PPP-Modell möglich

Das sieht Vaupel anders: Er erwähnt im Vorfeld der Verhandlungen, dass es auch „mindestens zwei weitere Interessenten“ gibt, die bereits in Marburg tätig sind. Sie wären bereit, das Gebäude zu sanieren und zu vermarkten. Weiterhin berichtet Vaupel von Interessenten, die ein Drei-Sterne-Hotel in dem Center errichten wollen. Somit macht der Rathauschef deutlich, dass die Stadt auch Alternativen zum Tenkhoff-Modell für realisierbar hält. Einig sei sich die Stadt mit Uni und Tenkhoff, dass zunächst die Zukunft des Savignyhauses und Details über ein Ausschreibungsverfahren geklärt werden müssen, sagt Vaupel.

Das bestätigt Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause. In Kürze werde eine Entscheidung getroffen werden, wo der Fachbereich Rechtswissenschaften untergebracht wird. Unter der Federführung des hessischen Finanzministeriums wolle man ein europaweites Vergabeverfahren vorbereiten, um einen Investor für ein Public-Private-Partnership-Projekt (PPP) finden. Einer, der bereits grundsätzliches Interesse an der Unterstützung der Fakultät signalisiert hat, ist nach Informationen der OP der Unternehmer Dr. Reinfried Pohl beziehungsweise eine Pohl-Stiftung.

„Zunächst muss sichergestellt werden, dass dass PPP-Modell wirtschaftlich ist“, so Krause. Dann erst werde ausgeschrieben. Eine Frage dabei sei auch, wieviel Tenkhoff für das Savignyhaus zahlen würde. Zudem müsse geklärt werden, wieviel eine Interims-Lösung kosten würde. Denn das Vergabeverfahren benötige Zeit. Möglich wäre, dass Bibliothek und Räume der Juristen für eine Übergangszeit in Containern untergebracht werden.

Am Donnerstag ab 18 Uhr befasst sich der Bauausschuss, Barfüßerstraße, mit dem Antrag der BfM.

von Anna Ntemiris

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