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Kampf um Auszubildende wird härter

Kampf um Auszubildende wird härter

Die Agentur für Arbeit meldet gute Chancen für Jugendliche - im Landkreis gibt es noch 636 freie Ausbildungsstellen. Denen stehen jedoch auch 788 nicht versorgte Bewerber gegenüber.

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Die Auszubildenden Anita Kostka und Patricia Lemp stehen mit den Betreuerinnen Katharina Strotzki, Franziska Fett und Manuela Müller vor dem „Ausbildungsflitzer“.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. 1365 Bewerber für eine Ausbildungsstelle waren zum Monatswechsel bei der Agentur für Arbeit gemeldet. „Das ist eine relativ konstante Zahl, es sind zwei mehr als im Vorjahr“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit. Er verbindet diese Zahl gleich mit einer Mahnung an alle Arbeitgeber: „Es ist das letzte Jahr, in dem wir diese Zahlen haben.“ Ab dem kommenden Jahr müssten alle Betriebe, die nicht beizeiten damit begonnen hätten, auszubilden, „wachwerden. Denn es wird eng. Ab dem nächsten Jahr wird der Kampf um Auszubildende stärker einsetzen“, ist sich Breustedt sicher.

Die geburtenstarken Jahrgänge wären dann vorbei, die „Schulentlasszahlen gehen runter, gepaart mit der demografischen Entwicklung in den Betrieben, wo die Menschen immer älter werden“, so Breustedt.

Schon auf den jüngsten Ausbildungsmessen im Marburger Cineplex und in der Dautphetaler Hinterlandhalle habe man „bereits ein Gerangel gespürt. Und das wird weiter so sein“, macht der Agenturleiter klar. Denn: „Die hohe Zahl haben wir nur zustande bekommen, weil wir auch den letzten aus der Schule herausgeholt haben.“

Abiturienten finden problemlos eine Stelle

Breustedt konkretisiert: „Wir haben dezidiert den Auftrag, uns um die jungen Leute zu kümmern, die keinen oder nur einen Hauptschulabschluss haben. Eine Stelle für einen guten Abiturienten zu finden ist kein Problem.“ Doch den passenden Ausbildungsplatz für die vorgenannte Gruppe zu finden sei eine Herausforderung. 788 nicht versorgten Bewerbern stehen derzeit 636 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. „Die machen uns aber keine allzu großen Sorgen, es gibt täglich noch viel Bewegung“, sagt Breustedt.

1244 betriebliche Ausbildungsstellen seien bei der Arbeitsagentur gemeldet worden, was einem Plus von 36 Stellen entspräche. Das sei auch ein Zeichen dafür, dass die Personaler nicht am Schreibtisch säßen „und warten, dass sie Stapel von Bewerbungsunterlagen bekommen, aus denen sie nur die Besten heraussuchen müssen“, meint Breustedt. „Unsere Berufsberatung und Ausbildungsstellenvermittlung fokussiert sich auf den nahtlosen Übergang Jugendlicher von der Schule in den Beruf“, sagt der Agenturleiter. Man wolle die Potenziale auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes nutzen und setze alles daran, „ausbildungsbereite Betriebe und geeignete Ausbildungsinteressierte zusammenzubringen“, sagt Volker Breustedt.

Als Beispiel wie begehrt und umworben Auszubildende mittlerweile sind, stellte Breustedt die Zahlen bei „Schäfers Backstuben“ in Biedenkopf vor. Das Unternehmen mit seinen gut 50 Filialen verdeutlichte die Ideen, wie die jungen Leute in den Betrieb integriert würden.

„Wir haben die Zahl der Auszubildenden in der Vergangenheit deutlich steigern können - sowohl im Verkauf als auch in der Backstube“, erläutert Kay Gehrmann, Verkaufsleiter bei „Schäfers“. Vor allem sei man stolz darauf, dass viele Bewerber aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda kämen. Im vergangenen Jahr habe man 15 neue Azubis gewinnen können, „und die wollen wir auch wirklich ausbilden und nicht als billige Putzkräfte nutzen“, so der Verkaufsleiter.

Dafür leistet sich das Unternehmen beispielsweise drei Azubi-Betreuerinnen, die sich ebenfalls kontinuierlich fortbilden. Die Azubis werden im Kleinen wie im Großen in den Betrieb eingebunden. So gestalten sie beispielsweise ihre eigenen T-Shirts für das „Wir-Gefühl“. Die Betreuerinnen stellen ihnen jeweils eine Monats-Aufgabe, die eng mit der Ausbildung zusammenhängt. Und wer diese am besten löst, kann einen firmeneigenen Kleinwagen für ein Wochenende nutzen. Wer noch keinen Führerschein hat, erhält stattdessen einen Kino-Besuch für zwei - inklusive Getränken und Popcorn - „als Motivation“, so die Betreuerinnen.

Als Ansprechpartner stehe man jederzeit zur Verfügung, „auch bei privaten Problemen und natürlich ganz intensiv vor Prüfungen“, erläutert Franziska Fett. Man besuche gemeinsam Messen, um Anregungen zu bekommen. Und derzeit arbeiten die Azubis an einem eigenen Produkt, das bald in die Filialen kommt: Von der Kalkulation über die Rezeptur bis hin zur Serienfertigung und den Verkauf.

von Andreas Schmidt

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