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Kammern blicken positiv in Zukunft

IHK-Konjunkturprognose Kammern blicken positiv in Zukunft

Niedriger Ölpreis, schwacher Euro und Niedrigzinspolitik: Das sind die Rahmenbedingungen für die Konjunkturprognosen von IHK Kassel-Marburg und Handwerkskammer Kassel.

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Die Verbraucher sind in Einkaufslaune – das macht sich auch in den Konjunkturprognosen von IHK und Handwerkskammer bemerkbar.

Quelle: Bodo Marks

Kassel. Der Start ins neue Jahr könne aus Sicht eines Ökonomen „gar nicht spannender sein“, sagt Thomas Rudolff von der Geschäftsführung der IHK Kassel-Marburg. Der stark gesunkene Ölpreis habe das Niveau von 2008/2009 erreicht, was für immense Entlastungen sorge. Parallel dazu ist der Euro-Kurs stark gesunken. „Und schon sind wir mittendrin im Sorgenfall europäische Konjunktur“, so Rudolff.

Denn Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank hat am 22. Januar ein Füllhorn zum Kauf von Staatsanleihen angekündigt. Das sei ein „klassisches Instrumentarium einer Notenbank. Dies lernen VWL-Studenten spätestens im vierten Semester“, so Rudolff. „Die Frage nach dem Zeitpunkt bleibt aber legitim! Hat Draghi sein Pulver zu früh verschossen oder kam der Zeitpunkt genau richtig? Spätestens 2016 wird Bilanz gezogen“, meint Rudolff.

Internationale Krisen bremsen Konjunktur

Dementsprechend starte die Wirtschaft in Marburg und Nordhessen „verhalten optimistisch“ in das neue Jahr. Der IHK-Klimaindex stehe bei 111,5 Punkten, was auf eine solide Basis hindeute. „Die Eintrübungen aus dem Herbst 2014 sind aktuell kein Thema. Eine starke Inlandsnachfrage korrespondiert mit einem sinkenden Ölpreis, und der schwächelnde Euro stützt die exportorientierte Industrienation. Im Prinzip stehen die Signale auf Grün“, verdeutlicht Thomas Rudolff.

Die internationalen Krisen wie der Ukrainekonflikt und der Terror verhinderten jedoch einen einfachen Selbstlauf der Konjunktur. „Wir gehen von einem moderaten Wirtschaftswachstum von gut einem Prozent für 2015 aus“, so der Wirtschafts-Experte.

Laut dem Konjunkturbericht beurteilen 36,3 Prozent aller befragten Unternehmer in der Region ihre gegenwärtige Lage als gut, im Vorjahr waren es nur 32,3 Prozent. 50,9 Prozent sehen die Lage als befriedigend – im Gegensatz zu 56,3 Prozent in 2014. Und 12,8 Prozent der Unternehmer stufen die gegenwärtige Lage als schlecht ein. Der Wert lag im Vorjahr bei 11,4 Prozent.

18,8 Prozent der befragten Unternehmen blicken positiv in die Zukunft (Vorjahr 22,1 Prozent), 63,1 Prozent erwarten, dass sich nichts ändern wird (Vorjahr 61,2 Prozent) und 18,1 Prozent sehen eine eher ungünstige Geschäftslage – im Gegensatz zu 16,7 Prozent im Jahr zuvor.

Rudolff: Brauchen nicht nur Ingenieure

Gastronomie und Handel schätzen laut der Konjunktur-Umfrage ihre derzeitige Lage als gut ein. „Die zukünftigen Aussichten sind da etwas schlechter. Der Onlinehandel setzt den heimischen Händlern schon kräftig zu. Die Lebens- und Liebenswürdigkeit einer vitalen Innenstadt darf von Verbrauchern und Kommunalpolitikern kein bloßes Lippenbekenntnis mehr sein“, fordert Rudolff.

Zur positiven Grundstimmung trage auch die Situation auf dem heimischen Arbeitsmarkt bei. Vor allem bestehe aber auch weiterhin ein sehr hoher Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften. Thomas Rudolff präzisiert: „Damit meine ich nicht nur den Ingenieur von der Universität, sondern auch den gut ausgebildeten Facharbeiter. Ohne Ausbildung und permanenter Bereitschaft zum Lernen wird es natürlich eng.“

„Wir sehen schon ein paar Risiken im Laufe des Jahres. Das fängt bei der Ukraine an und hört sicher nicht bei Griechenland auf.“ Das Handwerk in Nord-, Ost- und Mittelhessen blickt auf ein gutes Jahr 2014 zurück und schaut zuversichtlich voraus.

„Im abgelaufenen Jahr betrugen die Erlöse in unseren Betrieben knapp 8,4 Milliarden Euro, das war eine Steigerung um zwei Prozent, dabei wurden rund 500 neue Stellen geschaffen“, so der Präsident der HWK Kassel, Heinrich Gringel. Die Betriebe profitieren demnach insbesondere von der anhaltend guten Konsumlaune der Verbraucher und den guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die durch niedrige Zinsen und eine geringe Teuerungsrate unterstützt werde.

Ziel: Mehr Jugendliche für Handwerk begeistern

„Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen prognostizieren wir auch für 2015 ein Umsatzplus von 1,5 Prozent. Bei den Beschäftigten erwarten wir auf alle Fälle Stabilität, aber auch eine leichte Steigerung erscheint uns möglich, wenn die Betriebe die benötigten Fachkräfte finden.“ Im Jahresverlauf waren die neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse um 3,2 Prozent rückläufig. Damit konnten insgesamt 2 695 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden, bei vielen offenen Lehrstellen.

„Diese Negativentwicklung muss dringend gestoppt werden, da uns hier die Fachkräfte von morgen verloren gehen. Daher hat die Kammer umfangreiche Projekte und Gegenmaßnahmen eingeleitet, um leistungsstarke Jugendliche stärker für das Handwerk zu gewinnen. Aktuell arbeiten 7202 Auszubildende in unseren Betrieben, diese Zahl müssen wir wieder erhöhen“, so Gringel weiter.

Die von der Bundesregierung beschlossene steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung wird von der HWK Kassel ausdrücklich begrüßt und kann den Betrieben im Baugewerbe weitere konjunkturelle Impulse geben.

Von diesen neuen Förderprogrammen sei ein deutlicher Schub zu erwarten, um die bisher verfehlten Energieziele doch noch zu erreichen. Allerdings dürfe im Gegenzug nicht der „Handwerkerbonus“ gekürzt werden: „Das ist wirtschaftspolitischer Unfug und wird die Schwarzarbeit wieder weiter antreiben.“

von Andreas Schmidt

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