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Kaiser-Konzert „war Nummer zu groß für Sie“

Betrugsprozess Kaiser-Konzert „war Nummer zu groß für Sie“

Er wollte Roland Kaiser nach Wetzlar holen, stopfte mit den Ticket-Einnahmen seine Finanzlöcher - und wurde gestern wegen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Roland Kaiser sollte im Januar in Wetzlar auftreten – das Konzert wurde jedoch abgesagt.

Quelle: Andreas Lander

Marburg. Die Staatsanwaltschaft warf dem 47-jährigen ehemaligen Konzertveranstalter, der damals in Stadtallendorf lebte, vor, 370-fachen Betrug begangen zu haben. Er habe mit dem Management von Roland Kaiser einen Vertrag geschlossen, laut dem der Künstler im Oktober 2012 in der Rittal-Arena in Wetzlar auftreten sollte. Das Konzert sei schließlich auf Januar 2013 verschoben und danach abgesagt worden. Die eingenommenen Gelder aus dem Ticketvorverkauf - gut 30000 Euro - habe der Mann jedoch nicht an die Ticketkäufer zurück erstattet, sondern vielmehr vorhandene Schulden und seine Spielsucht damit finanziert.

Zu Beginn des Prozesses fand ein Rechtsgespräch zwischen dem Klägervertreter, dem Staatsanwalt und Richterin Nadine Bernshausen statt. Demnach könne sich die Staatsanwaltschaft eine Strafe zwischen eineinhalb und zwei Jahren zur Bewährung vorstellen, wenn der Angeklagte ein vollumfängliches Geständnis ablege und somit ein Rechtshilfegesuchen im Ausland abgewendet werden könne.

Also sagte der Angeklagte aus. Er gab zu, die eingenommenen Gelder für andere Konzerte und Veranstaltungen verwendet zu haben. „Wenn man ein bisschen mehr auf dem Konto hat, gibt man auch ein bisschen mehr aus“, sagte er - und zum Teil habe er das Geld auch bei Sportwetten verspielt.

Konzert sollte der Sanierung dienen

Problematisch sei für ihn gewesen, dass einige Konzerte, die er organisiert hatte, sich als Minusgeschäft erwiesen hatten.

In dem Konzert mit Roland Kaiser habe er eine Chance gesehen, seine finanzielle Schieflage wieder zu begradigen. Ende März 2012 habe er mit dem Management von Roland Kaiser den Vertrag abgeschlossen. In diesem sei vorgesehen, dass die erste Tranche der Gage, 18000 Euro, mit Abschluss fällig würden. „Ich habe mich dann mit dem Management geeinigt, dass erst Geld fließt, wenn der Kartenvorverkauf läuft“, so der Angeklagte. Also habe er das Konzert von Oktober auf Januar verschoben, „um das Weihnachtsgeschäft noch mitzunehmen“, sagte er.

Doch der Vorverkauf lief nur sehr schleppend. „Der Karten-Run blieb aus, letztendlich musste ich das Konzert absagen“, erläuterte der 47-Jährige. 691 Karten seien verkauft worden. Einige Käufer hätten ihr Geld direkt von Verkaufsstellen zurückbekommen, von seiner Seite her seien noch 24700 Euro für 538 Tickets offen. Denn das eingenommene Geld habe er verwendet, um weitere Konzerte zu sichern.

„Sie haben versucht, ein Loch mit dem anderen zu stopfen“, hielt die Richterin ihm vor.

Das gab der Angeklagte zu, er habe einige erfolgreiche Veranstaltungen gehabt, sagte er: Mit Rüdiger Nehberg oder Ausbilder Schmidt, Thomas Huber oder Saga. Allerdings habe er mit „Melodien für‘s Herz“, einer Schlager-Veranstaltung, gut 11000 Euro Verlust eingefahren.

1800 Zuschauer hätten wohl gereicht

Richterin Bernshausen trug aus dem Vertrag mit dem Kaiser-Management vor, dass die Gage für den Sänger 55640 Euro betragen sollte. Darüber hinaus habe sich der Angeklagte verpflichtet, für den Sänger eine Suite und für die Crew 27 Einzelzimmer zu buchen. Zudem war er für die Werbung, Aufbauhelfer und viele weitere Details verantwortlich. „Diese Verpflichtungen einzugehen, wenn man schon Schulden hat - das konnte nur gutgehen, wenn man viel Glück hat und im Lotto gewinnt“, so die Richterin.

Der Angeklagte argumentierte, dass er für alle Verbindlichkeiten eine Summe von etwa 80000 Euro hätte aufbringen müssen - was rund 1800 zahlenden Zuschauern entspreche. Doch es habe nicht geklappt. „Sich darauf zu verlassen, wenn man schon so viele Schulden hat, das war“, hob Nadine Bernshausen an - „schon naiv“, vollendete der Angeklagte den Satz.

Die Richterin führte auch die mangelnde Zahlungsmoral des Angeklagten an. So sei er seinen Unterhaltszahlungen in Höhe von 900 Euro nur äußerst schleppend nachgekommen, habe immer wieder Aufschub bekommen und sogar ein Gnadengesuch für die Ersatzhaft gestellt. „Immer wieder war es ein Epos, warum Sie nicht zahlen können“, so Bernshausen, „auch deswegen sitzen Sie heute hier.“

Spielsucht "im Griff"

inzu komme, dass der 47-Jährige auch viel gezockt habe. So gab er an, stellenweise „etwa 4000 oder 5000 Euro“ im Monat verspielt zu haben. Mittlerweile habe er seine Spielsucht jedoch „im Griff“, wette mal „10 oder 20 Euro. Ich habe ja nix mehr“, sagte er. Hoffnung setzte er in seinen neuen Job als Busfahrer, den er Anfang Juli angetreten habe.

In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte, dass er wünschte, er können den Schaden rückgängig machen. „Wenn ich es irgendwann irgendwie wieder gut machen kann, werde ich es tun“, sagte er.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten wie in der Absprache zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, zudem muss er „nach besten Kräften“ Schadenswiedergutmachung betreiben und sich wegen seiner Spielsucht beraten lassen. „In Ihrem Fall kann man nur sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Das war eine Nummer zu groß für Sie“, so die Richterin.

von Andreas Schmidt

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