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Junge Gesellen ernten Früchte ihrer Arbeit

Freisprechungsfeier Junge Gesellen ernten Früchte ihrer Arbeit

Auch wenn sich Oberbürgermeister Egon Vaupel zunächst nicht sicher war: Es gibt ihn noch, den Gesellenbrief. Und den nahmen 117 Ex-Azubis am Donnerstag im Cineplex entgegen. Das Kino war einmal mehr der festliche Rahmen für die Verleihung der Briefe, die gleichzeitig den Glanzpunkt auf die Ausbildung der jungen Handwerker setzte.

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Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk, Schwerpunkt Bäckerei: Tamara Rusch (Zweite von rechts) und Shkurte Veseli mit Obermeister Karl-Friedrich Junk (links) und Michael Wagner.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Frank Kalhöfer, Lehrlingswart der mitveranstaltenden Landbautechnik-Innung Nordhessen, verdeutlichte in seiner Begrüßung, dass nahezu 15 Prozent aller jungen Leute zwischen 20 und 29 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung hätten. Diese Quote müsse dringend gesenkt werden, forderte er und rief den Junggesellen nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung zu: „Bleiben Sie jetzt nicht stehen, sondern schreiten Sie mit Ihrem erworbenen Wissen voran, damit wir alle gemeinsam mit Zuversicht in die Zukunft blicken können.“

Er sei froh, dass die Eltern der Junggesellen „nicht diejenigen waren, die bei den Nachbarn angeben mussten, dass ihr Kind studiert“. Vielmehr hätten sie ihren Kindern ermöglicht, ein Handwerk zu erlernen „und mit Hand und Verstand einen soliden Beruf“ auszuüben.

117 ehemalige Auszubildende haben im Marburger Cineplex ihre Gesellenbriefe entgegengenommen.

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Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) vergewisserte sich zunächst, dass es den Gesellenbrief noch gebe – denn er sei sich sicher: „Wer den Brief in der Hand hält, der hat etwas Außergewöhnliches geleistet.“ Gleichzeitig betonte er, dass das duale Ausbildungssystem eine der Grundlagen für die hervorragende Ausbildung in Deutschland sei.

Vaupel sagte, er sei dankbar, dass die Handwerksbetriebe immer wieder ihrer Verantwortung nachkämen, junge Menschen auszubilden. „Das ist ja nicht unbedingt eine Erleichterung für die Betriebe während der Zeit der Ausbildung – sondern auch eine zusätzliche Aufgabe. Denn ausbilden bedeutet, sich Zeit zu nehmen für die jungen Leute.“ Der jetzt erreichte Abschluss der Gesellen sei das Fundament für den weiteren Lebensweg.

Und dieser sieht laut Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Marburg, sehr gut aus: Der Arbeitsmarkt sehe im Landkreis sehr gut aus. Wenz ist sich sicher: „Sie haben mit Ihrer Berufsausbildung und Ihren Fähigkeiten die besten Chancen.“ Gleichzeitig rief er die jungen Handwerker dazu auf, Werbung für ihren Berufsstand zu machen, denn: „Sie sind die besten Werbeträger für das Handwerk“, so Wenz.

„Festes Fundament für das weitere Leben“

Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher erinnerte daran, dass für die meisten ehemaligen Azubis vor drei Jahren „der heutige Tag wohl eher eine verschwommene Perspektive“ gewesen sei. Doch jetzt hätten sie es geschafft – die verschwommene Perspektive sei zum „festen Fundament für das weitere Leben“ geworden.

Limbacher verdeutlichte aber auch, dass das nun Erreichte nicht das Ende, sondern häufig erst der Anfang der Entwicklung sei: Stetiges Lernen und Weiterbilden gehöre zum Berufsalltag. „Das nötige Rüstzeug dafür haben Sie nun im Werkzeugkasten.“

Das Handwerk stehe nicht nur für Ausbildung, sondern auch für Integration – man schaue nicht auf Hautfarbe, Herkunft oder Religion, sehe daher beispielsweise auch Flüchtlinge als Bereicherung und Chance, „um den Fachkräftemangel abzumildern – eine klassische Win-win-Situation“.

Limbacher bemängelte darüber hinaus, dass das Handwerk vonseiten der Politik „in seiner Stabilität, mit seiner Steuerkraft und vor allem mit seiner Ausbildungsleistung meiner Meinung nach nicht immer genug Anerkennung findet, die es mit Sicherheit mehr als verdient hat“.

von Andreas Schmidt

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