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Jugendliche können Handwerksberufe testen

Aktionswoche Handwerk Jugendliche können Handwerksberufe testen

Mit der „Aktionswoche Handwerk“ am 20. und 21. September wollen die heimischen Innungen ­Jugendliche für das Handwerk begeistern und so potenzielle Fachkräfte von morgen gewinnen.

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Werben gemeinsam für die Aktionswoche Handwerk: Volker Breustedt (von links), Andrea Martin, Hartmut Pfeiffer, Ulrich Müller, Mounia Kiefer, Meinhard Moog und Rolph Limbacher.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Zum 15. Mal findet die Aktionswoche dieses Jahr statt. Am Dienstag und Mittwoch, 20. und 21. September, können Jugendliche auf dem Gelände der Kreishandwerker
schaft (KH) und des Berufsbildungszentrums (BBZ) Handwerksberufe hautnah kennenlernen und ausprobieren.

Für Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher ist klar: „Unsere Vorgänger haben eine weise Entscheidung getroffen, indem sie die Aktionswoche ins Leben gerufen haben.“ Denn es sei im Handwerk wichtig, Nachwuchs zu finden – zu häufig würden die Schüler ein Studium der Ausbildung vorziehen.

„Wir haben zwar im Kammerbezirk im vergangenen Jahr ein leichtes Plus von 7,8 Prozent an Ausbildungsverträgen gehabt. Das stimmt uns zwar ein bisschen fröhlich, deckt aber noch lange nicht ab, was wir im Handwerk brauchen“, betont Limbacher.

Das verdeutlicht er mit einem Beispiel: So wisse er von einem Friseur-Kollegen mit drei Salons – „einen davon schließt er nun, um die Mitarbeiter aus drei Salons in zwei zu nehmen, damit wenigstens diese beiden weiter existieren können“.

Der Azubi-Mangel nehme „zum Teil schon dramatische, existenzbedrohende Züge an“. Er selbst hätte in diesem Jahr „durchaus noch zehn Auszubildende mehr eingestellt“.

Auch sei durch die Flüchtlinge noch nicht die erhoffte Entspannung eingetreten. „Wir haben immer gesagt, das können die Fachkräfte von morgen sein – mittlerweile sprechen wir aber eher von übermorgen. Umso wichtiger ist es, die Aktionswoche wieder anzubieten.“ Erfreulich sei, dass sich alle Innungen der KH Marburg an der Aktion beteiligten, die in dieser Form wohl einzigartig in Hessen sei.

Mehr als 20 Berufe zentral an einem Ort gebündelt

Für Meinhard Moog, den Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, ist die Aktionswoche Handwerk „bereits eine Institution“, die immer wieder an die Bedürfnisse angepasst werde. So sei es eine sehr gute Entscheidung gewesen, die Veranstaltung nun auf dem Gelände von KH und BBZ zu konzentrieren.

„So haben wir alle Innungen mit mehr als 20 Ausbildungsberufen zentral an einem Ort versammelt – gebündelt an zwei Tagen, an denen sich das komplette Programm erleben lässt“, so Moog. Zusätzlich zu den Berufen wird es auch Informationsstände der Arbeitsagentur Marburg und des Kreisjobcenters sowie der Handwerkskammer Kassel und des „Senior Experten Service“ geben.

Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg, sagt, dass es noch 445 unbesetzte Ausbildungsstellen im Landkreis gebe, „das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr“. Zudem gebe es 4 Prozent weniger gemeldete Bewerber bei gleichzeitig 1,4 Prozent mehr Ausbildungsstellen. „Daher bin ich froh, dass es die Aktionswoche Handwerk gibt – sonst müsste man sie erfinden“, meint Breustedt. Denn: Am ehesten könne man junge Leute für einen Beruf begeistern, „wenn diese sich ein Bild machen können“.

Dies sei bei der Aktionswoche möglich, die Jugendlichen könnten selbst mit anpacken und nach Herzenslust und Neigung ausprobieren. „Außerdem kommt man direkt mit Betrieben, mit Auszubildenden und ehemaligen Azubis in Kontakt – besser geht es nicht“, erläutert Breustedt.

Für Limbacher ist indes klar: „Letztendlich ist es ein Kreislauf. Gibt es keine Auszubildenden, bleiben die Schulen leer und es gibt Diskussionen um die Schulstandorte. Wenn Berufe aussterben und keine Dreizügigkeit in der Schule mehr gewährleistet ist, dann ist das der Anfang vom Ende.“ Man sei es also auch der Region schuldig, wieder mehr Auszubildende zu gewinnen.

Müller: „Nicht nur das Abitur macht glücklich“

Dass es wichtig für die Jugendlichen sei, sich ein Bild von Berufen zu machen, weiß auch Andrea Martin, Leiterin des Kreisjobcenters. „Den Wert einer Ausbildung im Handwerk kann man nicht hoch genug ansetzen“, sagt sie. Denn zu sehen, was man selbst hergestellt habe, schaffe Erfolgserlebnisse. „Und das ist gerade für Jugendliche mit einer nicht so positiv verlaufenen Schulgeschichte eine positive Weichenstellung für eine spätere berufliche Karriere.“

Für Ulrich Müller vom Staatlichen Schulamt Marburg ist klar: „Nicht nur das Abitur macht glücklich.“ Zwar würden von der Politik – und auch von vielen Eltern – hohe Bildungsabschlüsse gefordert.

„Doch es gibt auch alternative Wege – und dafür bietet das Handwerk eine riesige Bandbreite.“ Eine praktische Annäherung, wie sie bei der Aktionswoche geboten wird, sei „eine tolle Möglichkeit, sich tatsächlich einen Überblick zu verschaffen“.

Müller sei mit vielen Schülern im ausbildungsfähigen Alter in Kontakt, die ihm sagten, sie wüssten noch gar nicht, was sie machen sollten. „Wenn man denen die Praxismöglichkeiten aufzeigt, eröffnen sich für beide Seiten Chancen“, so Müller. Ähnlich sieht es Mounia Kiefer vom Kreiselternbeirat: „Ich begrüße es sehr, dass Jugendliche zunächst eine Ausbildung absolvieren und so Lebenserfahrung sammeln“, sagt sie. Danach könnten sie immer noch studieren.

  • Anmeldung und weitere Informationen per 
Telefon unter 06421/95090 oder im Internet unter www.handwerk-mr.de.

von Andreas Schmidt

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