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„Ich wollte auf dieses Treppchen“

Bester Metallbauer „Ich wollte auf dieses Treppchen“

Jonas Wiedemann ist Deutschlands bester Metallbauer in der Konstruk­tionstechnik. Das Handwerk, die Werkstattarbeit im Team und Metalle aller Art machen für den ­Michelbacher die Leidenschaft für seinen Beruf aus.

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Metall ist sein Element: Jonas Wiedemann aus Michelbach wurde Bundessieger im Leistungswettbewerb der Handwerksjugend im Metallbauer-Handwerk.

Quelle: Ina Tannert

Ernsthausen. Brütend heiß und grell strahlt das Licht des Schweißgeräts in der Hand von Jonas Wiedemann, der in der Werkstatt mit zahlreichen Rohren aus Edelstahl hantiert. Konzentriert schweißt der Metallbauer eine Befestigungsplatte an einen Metallpfosten, der einmal Teil eines Geländers werden soll. Der Mann hinter dem dicken Schutzhelm ist erst 21 Jahre alt und hat sich bereits bundesweit einen Namen im Metallhandwerk gemacht.

Mitte November räumte der gebürtige Michelbacher den ersten Preis im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks der Metallbauer auf Bundesebene ab – in der Konstruktionstechnik, seinem Fachgebiet. „Ich mag es einfach, mit Metall zu arbeiten und etwas mit meinen eigenen Händen herzustellen – man ist stolz, wenn man ein Stück vollendet hat“, schwärmt der junge Geselle.

Er arbeitet bei dem Metallbau-Unternehmen „Kahl & Schlichterle oHG“ in Burgwald-Ernsthausen, in dem er bereits die zweite Hälfte seiner Ausbildung absolvierte. Der Betrieb ist in zwei Abteilungen gegliedert, Maschinen- und Metallbau. Derzeit fertigt der 21-Jährige in der Metallbauabteilung des Unternehmens allerhand stabile Alltagsgegenstände an.

„Wir bauen und montieren Treppen aller Art und Geländer in allen Facetten, vom Treppengeländer bis zur Zellentür“, berichtet Robert Klambauer, technischer Leiter Metallbau. Er ist stolz auf seinen Gesellen, „das ist der krönende Abschluss seiner Ausbildung und Jonas ist hoffentlich ein Ansporn für andere Jugendliche“, lobt der Meister.

Die alltägliche gemeinsame Arbeit läuft Hand in Hand. Während der Meister den Auftrag mit den Kunden plant, nachmisst und vor Ort agiert, berechnet sein Geselle Anzahl, Bauart und Aufbau des gewünschten Produkts. „Dann beginnt das Konstruieren – Schweißen, Schleifen Bohren, die Arbeit ist abwechslungsreich“, erzählt Jonas Wiedemann. Er kennt sich aus an Kreissäge, Bohrmaschine und Beizgerät und fügt alle Einzelteile mit geschickter Hand aneinander.

Das war nicht immer so. Einen ersten Kontakt zum Handwerk knüpfte er durch seinen Opa, einen Tischler. „Schon mit 13 Jahren bin ich in seiner Werkstatt herumgelaufen und habe mitgearbeitet“, erzählt der 21-Jährige. Während seiner Abiturzeit wechselte seine Begeisterung schließlich von Holz zu Metall. Da ließ die Familie gerade ein Geländer bauen – die Konstruktion weckte eine ganz neue Faszination in ihm.

„Ich habe mit angepackt und beim Bau geholfen und seitdem wollte ich etwas Handwerkliches machen“, erzählt er. Die schicksalhafte Begegnung spornte den jungen Mann auch in der Schule an. „Vorher hatte ich eher mäßige Noten und gar kein Ziel vor Augen – bis ich auf das Handwerk gestoßen bin“, freut er sich noch heute.

„Die Arbeitsatmosphäre ist klasse“

Seine Ausbildung schloss der Metallbauer im Sommer ab, beim Landesentscheid Ende Oktober sicherte er sich den ersten Platz mit seinem Gesellenstück – einem dekorativen Schiebetor aus Baustahl im Mini-Format. Auf Bundesebene trat er gegen die acht Besten aus der Republik an, musste seine Fachkenntnis in verschiedenen Bereichen beweisen.

Zur Prüfung im niedersächsischen Northeim galt es, verschiedene Schweißnähte zu beurteilen, selber herzustellen, eine Wickelvorrichtung anzufertigen oder eine druckluftbetriebene Türschaltung korrekt anzubringen. „Es war eine Herausforderung und ich habe mich gefreut, als mein Name genannt wurde, ich wollte auf dieses Treppchen“, erzählt Jonas Wiedemann lachend. Anfang Dezember wird er in Berlin nochmals feierlich vom Zentralverband des Deutschen Handwerks geehrt werden.

Die Arbeit in der Werkstatt liegt ihm, „die Arbeitsatmosphäre ist klasse, das selbstständige Arbeiten macht Spaß und man sieht, was man den Tag über geschafft hat“, lobt er. Doch für seine Zukunft will er höher hinaus, „ich kann noch mehr machen“, ist er überzeugt. Demnächst will er ein Studium im Maschinenbau beginnen, sieht seine berufliche Zukunft vielleicht als Projektmanager auf internationaler Ebene. „Ich übernehme gerne Verantwortung, das könnte mir liegen. Oder ich gehe in die Forschung und Entwicklung“, plant er bereits voraus.

Dem Bundessieger stehen alle Wege offen, wohin es ihn nach dem Studium verschlägt, weiß er noch nicht genau. Der Firma Kahl & Schlichterle geht der prämierte Metallbauer zumindest für einige Zeit verloren. „Das ist die andere Seite der Medaille, aber die ganze Firma ist sehr stolz auf ihn, er ist uns immer willkommen“, sagt Geschäftsführer Bernd Schlichterle.

von Ina Tannert

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