Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Job und Familie: „Umdenken hilft allen“

Auszeichnung Job und Familie: „Umdenken hilft allen“

Der in diesem Jahr von der Stadt ins Leben gerufene „Marburger Preis für familienfreundliche Unternehmen“ hat seine ersten Gewinner: CSL Behring und den Finanzdienstleister Finet.

Voriger Artikel
Zoll zerschlägt Schwarzarbeiter-Ring
Nächster Artikel
Die Hintermänner sitzen in Gladenbach

Stephan Löhr (von links), Holger Kison, Oskar Edelmann, Dr. Roland Martin, Sabine Siebel, Meinhard Moog, Professor Elisabeth Schulte, Stephanie Fuchs, Wolfgang Liprecht, Bettina Steuber-Fillsack, Susanne Piringer, Oberbürgermeister Egon Vaupel und Sabine Weigand bei der Preisverleihung.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Oberbürgermeister Egon Vaupel konnte vor etwa 70 Gästen im historischen Rathaussaal gleich zwei Auszeichnungen an Unternehmen überreichen, die ihren Mitarbeitern besonders familienfreundliche Bedingungen bieten.

Insgesamt hatten sich 14 Unternehmen um den neuen „Marburger Preis für familienfreundliche Unternehmen“ beworben, der beim „Marburger Bündnis für Familie“ angesiedelt ist und auf Initiative der Stadtverordnetenversammlung von der Projektgruppe „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ im Frühjahr ausgelobt wurde.

Da die Wettbewerbsteilnehmer völlig unterschiedliche Strukturen und Größen von mehreren Tausend Mitarbeitern bis zum Kleinunternehmen aufwiesen, hatte sich die Jury entschlossen, zwei Preise zu vergeben. Zur Jury gehörten Oskar Edelmann (IHK Kassel-Marburg), Ulrike Eifler (DGB Region Mittelhessen), Bettina Steuber-Fillsack (Einzelhandelsverband Hessen-Nord), Wolfgang Liprecht (Referat für Stadt-, Regional- und Wirtschaftsentwicklung), Meinhard Moog (Kreishandwer-kerschaft Marburg), Susanne Piringer (Verband Deutscher Unternehmerinnen), Professorin Elisabeth Schulte (Philipps-Universität) und Sabine Weigand (Restaurantfachfrau und Fachwirtin im Gastgewerbe).

Engagierte Diskussion

Die Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde in Marburg seit Jahren engagiert geführt, und die Auslobung eines solchen Preises sei nur eine Frage der Zeit gewesen, erklärte Brigitte Bohnke vom Marburger Bündnis für Familie.

Die Universitätsstadt habe als eine der ersten Kommunen in Deutschland im Jahr 2005 ein solches Bündnis gegründet und es habe nach außen und nach innen bereits viel bewirkt, so Bohnke.

Oberbürgermeister Egon Vaupel, der die Bündnisarbeit laut Bohnke von Anfang an zur Chefsache erklärt hatte, erläuterte, das Ziel sei ein gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Familienfreundlichkeit. Viele Unternehmen sähen, dass es sich lohne, die betrieblichen Bedingungen familienfreundlich zu gestalten. „Wenn wir in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein wollen in der Universitätsstadt Marburg, müssen wir uns dieses Themas annehmen.“

Das Pharmaunternehmen CSL Behring hat derzeit 2294 Beschäftigte, davon sind 858 Frauen und 1436 Männer. Bei der FiNet Financial Services Network AG arbeiten 34 Frauen und 22 Männer.

Zu den Kriterien, die die Jury bei CSL Behring überzeugten, gehören unter anderem eine Gleitzeit ohne Kernzeit, Homeoffice, 200 Teilzeit-Modelle mit hoher Zeitsouveränität oder die bezahlte Freistellung bei Krankheit eines Kindes oder schwerer Erkrankung eines Familienmitglieds.

Flexibilität wichtig

Auch die Verlängerung der Pflegezeit über den gesetzlichen Rahmen hinaus, die Ferienbetreuung und Krippenplätze für Mitarbeiterkinder konnten bei der Jury punkten.

Bei Finet gibt es unter anderem Gleitzeitmodelle auf Grundlage von Vertrauensarbeitszeit, die Nutzung des Homeoffice oder das Modell „Führungskräfte in Teilzeit“. Außerdem gibt es bezahlten Sonderurlaub für die kurzfristige Pflege von Familienangehöriger, Eltern-Kind-Arbeitszimmer, Spielzimmer und die Übernahme von Kinderbetreuungskosten.

Personalleiter Holger Kison unterstrich, dass für ihn bei seinem Wechsel zu CSL Behring vor drei Jahren eine große Rolle spielte, Familie und Beruf unter einen Hut bekommen zu können. Die Ansprüche an Leistung und Flexibilität seien sehr hoch und man habe erkannt, dass es ohne familienfreundliche Bedingungen schwierig sei, qualifizierte Mitarbeiter zu halten.

Bevor es an die Preisverleihung ging, hatte Wirtschaftsprofessorin Evelyn Korn von der Philipps-Universität in einem Vortrag dargelegt, dass „Effizienz und Familienfreundlichkeit kein Widerspruch“ seien.

Allerdings sei es für Mütter in Deutschland schwieriger als in vergleichbaren Ländern, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das liege nicht an den institutionellen Parametern oder dem Steuerrecht, auch das Bruttoinlandsprodukt pro Arbeitsstunde, also die Effizienz, liege in Deutschland nicht höher, sogar niedriger als in Frankreich oder den USA. Korn folgerte, die mangelnde Integration von Müttern in den deutschen Arbeitsmarkt sei nicht mit Effizienzerwägungen zu begründen, sondern es liege doch an den herrschenden Überzeugungen. „Ein Umdenken, das gemeinsame Interessen von Familien und Unternehmen in den Vordergrund stellt, hilft allen“, sagte sie.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr