Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Mit altem Handwerk ins Finale

Autosattlerei Mit altem Handwerk ins Finale

Mit seinem Unternehmen „Nähkraft“ ist Jens 
Jesberg beim Hessischen Gründerpreis in der Rubrik „Mutige Gründung“ weit gekommen – der Jungunternehmer steht im Finale.

Voriger Artikel
Arbeitsmarkt startet belebt in den Herbst
Nächster Artikel
Modenschau verwandelt Autohaus in Laufsteg

Jens Jesberg bezieht in seiner Marburger Sattlerei „Nähkraft“ ein Cabrio-Verdeck neu. Rechts: Elisabeth Feldpausch arbeitet an der Nähmaschine – sie ist Anwärterin auf den Titel „Autosattlerin des Jahres“.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Marburger Jens Jesberg hat es geschafft mit der Selbstständigkeit: Er führt eine Autosattlerei und dies auch mit bemerkenswertem Erfolg, dafür, dass das Unternehmen ­gerade mal zwei Jahre alt ist.

Kunden empfinden die Gründung von „Nähkraft“ vor allem als eine Neubelebung von etwas Altbekanntem, denn: „Hier war schon immer eine Sattlerei über die letzten 30 Jahre, Hillgärtner & Pellenat, bei der ich auch 2005 meine Ausbildung begonnen habe“, sagt Jesberg. Diese hat er als einer der Besten bundesweit abgeschlossen, mit der Traumnote 1,0.

Anfang 2015 kam es allerdings zur Insolvenz der Vorgänger-Sattlerei, bei der er noch als Vollzeitkraft angestellt war. ­Jesberg erkannte seine Chance­ und wagte einen Neuanfang. „Es kann nicht sein, dass ein Betrieb, der handwerklich spitze ist, nicht richtig funktioniert, weil es an der Organisation scheitert“, begründet der 36-Jährige seine Entscheidung.

Handwerkliche ­Begabung und Spaß an Autos

„Ich möchte unseren Kunden das bieten, was ich von einem Handwerker erwarte: Termintreue und ordentliche Arbeit“, bemerkte er zur Neubelebung des alten Geschäfts. Und die betreibt er mit modernen Mitteln – unter anderem einer aktiven ­Social-Media-Präsenz, wie auf Facebook oder Instagram, einer neuen Corporate Identity, einer kompletten Werkstattrenovierung und einer erweiterten Produktpalette.

Zum Beruf kam Jesberg eher zufällig: „Als ich mich damals hier in der Sattlerei vorgestellt habe, wusste ich nicht, was ein Autosattler ist. Ich wusste aber: Ich habe die handwerkliche ­Begabung, es macht Spaß und es ist was mit Autos, also bleibe ich dabei.“

Von der Marburger Wirtschaftsförderung erfuhr er vom Hessischen Gründerpreis. Er entschloss sich zur Teilnahme, aber, wie er sagt, „ich dachte nicht, dass ich dort Chancen haben würde, da ich davon ausging, dass man große, innovative Geschäftsideen haben müsste“. Doch beim Gründerpreis gibt es auch die Kategorie „Mutige Gründung“, in der Jens Jesberg mit Nähkraft an den Start ging. Und das mit Erfolg: Die Jury wählte ihn ins Finale, das am 1. November in Wiesbaden stattfindet.

Der eigentliche Ansporn für ihn kam vor allem aus der eher negativen Haltung vieler, die ihm sagten, dass er keine Chance habe: „Sogar meine Mutter hat gelacht und gesagt: ,Du weißt schon, dass du kein Mark Zuckerberg bist, oder?‘ Also dachte ich mir: Ok, das lasse ich nicht auf mir sitzen“. Und bisher hat es sich wohl ausgezahlt. „Ich hätte das Finale nicht erwartet, da meine Konkurrenz doch schon sehr stark war.“

Im Finale trifft Jesberg 
auf starke Konkurrenten

Nun muss er sich noch gegen zwei Konkurrenten durchsetzen, unter anderem den Metzgermeister einer Event-Metzgerei und eine Bestatterin, die auch Sterbebegleitung anbietet. Ist er aufgeregt? „Im Prinzip gar nicht. Wenn ich gewinne, umso besser, wenn nicht, ist es auch ok. Es sind einfach Erfahrungen, die ich gerne mitnehme“.

Unter seinen Mitarbeitern befindet sich neben Facharbeitern mit Berufserfahrung auch die Gesellin Elisabeth Feldpausch. Auch sie ist Quereinsteigerin, hat Reitsportsattlerin gelernt und spezialisiert sich momentan auf die Autosattlerei. „Sie ist nicht nur Jahrgangsbeste, sondern auch Landessiegerin. Mittlerweile ist sie Anwärterin auf den Titel der bundesbesten­ ­Autosattlerin des Jahres. Wir sind froh, sie zu haben“.

Wie es weitergehen soll? Dazu hat Jesberg bereits sehr viele Ideen. Denn bei seinen Kunden stößt die Sattlerei auf viel Zuspruch, die Auftragsbücher sind voll. Das sieht der Jung-Unternehmer mit gemischten Gefühlen – denn er hat den Kopf voller Ideen, kann sie aber aufgrund der Auslastung nicht umsetzen, sucht daher Fachkräfte. „Ich lade jeden, der an Arbeit in diesem Beruf interessiert ist, dazu ein, sich zu bewerben“, ermuntert er daher.

von Daniel Schulze

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr