Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
„Jede Dienstleistung kostet Geld“

Neuer Sparkassenvorstand „Jede Dienstleistung kostet Geld“

Auch ein regionales Unternehmen muss technische Innovationen umsetzen, sagt das neue Vorstandsmitglied der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, Harald Schick.

Voriger Artikel
„Kein Anlass, Entscheidung zu überdenken“
Nächster Artikel
Das Los entscheidet über die Zuteilung

Die Neustrukturierung des Filialnetzes sei transparent und biete Chancen, sagt Harald Schick, neues Mitglied im Vorstand der Sparkasse.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Marburg. In seinem 44. Berufsjahr hat Harald Schick seinen nächsten Karrieresprung gemacht: Der 60-Jährige ist seit 
Juli Mitglied im dreiköpfigen Vorstand der Sparkasse Marburg-Biedenkopf und Nachfolger von Rolf Zährl ( die OP berichtete). Neben Jochen Schönleber sowie Vorstandsvorsitzendem Andreas Bartsch steht er an der Spitze des Unternehmens, das derzeit vor allem wegen der Filialschließungen im öffentlichen Gespräch ist.

So hat auch Harald Schick in den letzten Tagen viele Gespräche mit mehr oder weniger aufgebrachten Kunden geführt. Umstrukturierungen sind für ihn nicht neu. Er, der nach seiner Ausbildung bei der damaligen Kreissparkasse seine Laufbahn als Leiter verschiedener Geschäftsstellen begann, hat schon so manche Veränderung mitgetragen und gestaltet: So etwa 1991 die Fusionen der Kreissparkassen Marburg und Biedenkopf mit der Stadtsparkasse Marburg.

Damals gab es noch rund 130 Filialen im Landkreis – mehr als doppelt so 
viele wie jetzt. Veränderung sollte nicht negativ betrachtet werden, so ein Grundsatz von Harald Schick. Ein weiterer: „Der Mensch steht immer im Mittelpunkt. Das ist für mich kein Lippenbekenntnis, sondern gelebtes Leitmotiv. Ich möchte Mitarbeiter motivieren“, sagt er. Im Lauf seines Berufslebens hat er mit vielen Kollegen zusammengearbeitet, sich ein großes Netzwerk im Unternehmen aufgebaut – und viele Kunden persönlich betreut.

Zuletzt war er Marktbereichsdirektor in Marburg, saß direkt neben dem Kundencenter im Erdgeschoss des Hauptsitzes in der Universitätsstraße. Der tagtägliche Kontakt zu den Kunden fehle ihm jetzt ein wenig, sagt Schick. Nun hat er sein Büro in der ersten Etage und ist mehr für Organisation als für Kunden zuständig – um es ganz grob zusammenzufassen.

Schick: Veränderungen transparent gemacht

Im Vorstand ist Harald Schick „für alle Marktfolgeeinheiten zuständig“, erklärt die Sparkasse. Dazu zählt beispielsweise die EDV-Organisation. Somit wird Schick in den nächsten Jahren auch ein Augenmerk auf die Weiterentwicklung von Technik und Systemen in der Sparkasse haben. „Es ist wichtig, dass wir – auch als regionale Sparkasse – technische Innovationen umsetzen, um damit aktuelle und zukünftige Kundenbedürfnisse zu bedienen und interne Prozesse zu verschlanken“, sagt Schick.

Der Vater von zwei Kindern, der mit seiner Ehefrau in Ebsdorf lebt, ist schon immer ein Technik-Fan gewesen, sagt er. Er war einer der ersten, die sich einen Computer, ein Handy, später ein Smartphone kauften. „Ich könnte mir ein Leben ohne Smartphone gar nicht mehr vorstellen“, sagt er. Online-Banking? „Ja, natürlich. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal eine Überweisung geschrieben habe.“

Das Leben sei viel einfacher durch das Internet geworden. Auch da setzt er auf das Positive im Wandel. Dass sich nun viele Kunden über die Gebühren für Online-Banking ärgern, die ab Januar verlangt werden, kann er nicht ganz nachvollziehen. „Jede Dienstleistung kostet Geld“, erklärt er. 3,50 Euro pro Monat sei in Relation betrachtet nicht viel.

Dass die Gebühren-Ankündigungen den Kunden ins Haus flatterten, nachdem die Sparkasse just mitgeteilt hatte, dass sie Filialen im Kreis schließt, sei weder Zufall noch unklug, weist Schick Vorwürfe zurück. „Wir haben das bewusst gemacht. Wir hätten dies ja auch scheibchenweise mitteilen können. Aber das wäre nicht transparent.“

„Keine betriebsbedingten Kündigungen bei uns“

Dass die Sparkasse die Gebühren-Erhöhung nicht in der Pressemitteilung zur Neustrukturierung des Filialnetzes mitgeteilt habe, habe einen Grund: „Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun.“ Er frage sich, warum Bürger sich über Schließungen von Bankfilialen aufregen, aber nicht oder weniger über den Wegzug des Einzelhandels aus dem ländlichen Raum.

Der Sparkasse geht es wirtschaftlich gut, aber die Regulatorik aus Brüssel und die fortschreitende Digitalisierung erfordere Weitsicht. „Es geht auch um die junge Generation, die in zehn Jahren ihre Arbeitsplätze erhalten haben möchte“, sagt er. „Schauen Sie, was gerade bei der Deutschen Bank oder Commerzbank passiert. So etwas wollen wir nicht, bei uns wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, betont er.

Die Neustrukturierung der Filialnetze biete auch „jede Menge Chancen für junge Menschen. Wir wollen sechs Standorte als Beratungscenter stärken. Dafür suchen wir Leiter. Bisher mussten junge Mitarbeiter warten, bis einer in den Ruhestand geht, um in eine höhere Position zu gelangen“, erklärt Schick. Noch stehe nicht fest, wer sein Nachfolger als stellvertretendes Vorstandsmitglied wird. Nach Informationen der OP gibt es mehrere Interessenten aus dem Unternehmen.

Smartphone-Fan Schick kann übrigens auch mal ganz ohne Kommunikation und Technik auskommen: „Gartenarbeit ist für mich Erholung.“ Radfahren, Reisen und Wandern zählen ebenfalls zu seinen Hobbys.

von Anna Ntemiris

Zur Person

Warum er Bankkaufmann werden wollte, weiß Harald Schick ( Foto: Sparkasse) heute nicht mehr. „Ich habe es jedenfalls nie bereut. Im Gegenteil: Ich konnte mir keinen passenderen Beruf aussuchen.“ Drei Bewerbungen schickte der Schüler aus Schröck 1972 ab, drei Zusagen erhielt er. Er ging zur Kreissparkasse. Schwerpunkt in den ersten Jahren war die Privatkundenberatung. 1984 wechselte 
Harald Schick in die Kreditabteilung der Sparkasse. 1987 wurde er Leiter der zentralen Wertpapierabteilung, 1991 dann Leiter des Geschäfts- und Gewerbekundenbereichs. Anschließend wurde er mit der Steuerung und Durchführung eines zentralen Projektes zur Produktivitätssteigerung betraut, um dann in 1996 die Aufgabe als Abteilungsdirektor und ab 1999 als Bereichsdirektor für den Regionalmarkt Marburg zu übernehmen. Seit 2003 war er stellvertretendes Vorstandsmitglied.

Ein Kurzinterview mit Harald Schick lesen Sie hier.

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Gebühr und Schließungen in der Kritik

Aufregung bei denen, die ihre Geschäftsstelle verlieren und bei denen, die nun bald für das Onlinebanking Gebühren zahlen müssen.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr