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Ist es erlaubt, bei der Arbeit Fußball zu gucken?

WM am Arbeitsplatz: Das müssen Sie beachten Ist es erlaubt, bei der Arbeit Fußball zu gucken?

Heute startet die Fußball-Weltmeisterschaft. Ein Höhepunkt für jeden Fan ist das Spiel der eigenen Mannschaft. Wer ausgerechnet dann arbeiten muss, hat Pech oder etwa nicht? Ist Fernsehschauen am Arbeitsplatz erlaubt?

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Schwarz-Rot-Gold im Büro: Bevor Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz schmücken oder gar ein Spiel im Stream verfolgen, sollten sie das mit dem Chef abklären. Foto: Andrea Warnecke

Quelle: Andrea Warnecke

Marburg. Jupp ist Fan. Ein großer sogar. Um Özil, Müller und Podolski bei der WM in Brasilien dribbeln zu sehen, würde er fast alles geben. Blöd nur, dass Jupp während des Turniers arbeiten muss. In diesem Jahr hat er Pech gehabt und keinen Urlaub von seinem Arbeitgeber genehmigt bekommen. Wenigstens die Deutschlandspiele möchte er aber dennoch sehen. Nun fragt sich Jupp: Ist Fußballschauen am Arbeitsplatz eigentlich gestattet? Ein TV-Gerät wäre schließlich schnell organisiert.

Die Antwort gibt Arbeitsrechtsexperte Manuel Benz, Arbeitsrechtsexperte der Industrie und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg: „Während der Arbeitszeit muss der Arbeitnehmer grundsätzlich seine Arbeitsleistung ordnungsgemäß verrichten, das heißt konzentriert und sorgfältig arbeiten“. Laut Beschluss des Bundesarbeitsgerichts darf die Arbeit nicht unterbrochen werden, um privaten Interessen nachzugehen, erklärt Benz weiter. Solche ablenkenden Einflüsse, die seine eigene oder die ordnungsgemäße Arbeitsleistung der Kollegen beeinträchtigen, muss der Arbeiter vermeiden, sagt IHK-Mitarbeiter Benz. „Arbeitnehmer sollten im Grundsatz davon ausgehen, dass am Arbeitsplatz kein Fernsehen geschaut werden darf, wenn der Arbeitgeber dies nicht ausdrücklich gestattet hat“, sagt Benz.

Gleiches gelte auch für den Arbeitscomputer, wenn dieser für einen Live-Stream genutzt wird. Auch hier ist das Einverständnis des Arbeitgebers erforderlich, „da ein Betriebsmittel des Arbeitgebers privat genutzt wird“, betont Benz.

Der Experte rät - um Unstimmigkeiten zu vermeiden - den Wunsch, beispielsweise die Radio-Übertragung neben der Arbeit zu verfolgen, mit dem Arbeitgeber abzustimmen.

Zugegeben, für viele Arbeitnehmer liegen die Anstoßzeiten der deutschen Elf recht günstig. Zwei Vorrundenspiele sind um 18 Uhr und eines ist an einem Samstag um 22 Uhr. Eigentlich arbeitnehmerfreundlich. Es gibt aber auch Berufsgruppen, die an diesen Tagen und zu diesen Uhrzeiten ihrer Tätigkeit nachgehen müssen. Polizisten etwa oder Klinikpersonal, aber auch Arbeitnehmer in heimischen Produktionsbetrieben.

Die Schichtarbeiter der Stadtallendorfer Gießerei Winter, die die Spiele der Nationalelf sehen möchten, können dies auf Leinwand in der Firmenkantine tun. „Die Mitarbeiter müssen diese Zeit jedoch nacharbeiten“, sagt Personaler Sebastian Höhn. Von den insgesamt 3700 Mitarbeitern sind etwa 3000 im Schichtdienst beschäftigt.Also 1000 in einer der drei Schichten. Wie viele Fußballinteressierte darunter sind, weiß Höhn nicht einzuschätzen, jedoch könne man schon von einem „Betriebs-Public-Viewing“ sprechen, sagt Höhn.

Beim Thema WM gibt sich die in Dautphetal ansässige Firma Johnson Controls weitaus zurückhaltender. „Wir haben uns dazu noch keine Gedanken gemacht“, heißt es lediglich von Seiten der Geschäftsführung.

Und was machen unsere Ordnungshüter während den WM-Spielen? Auf der Station gibt es zwar Fernseher, aber wenn das Telefon klingelt, „geht die Arbeit natürlich vor“, sagt Polizeisprecher Jürgen Schlick. Sowieso habe man mit den Public-Viewing-Veranstaltungen im Kreis an diesen Tagen genügend Arbeit.

„Wir werden die Spiele in unseren Häusern nicht öffentlich zugänglich präsentieren“, sagt Frank Steibli, Pressesprecher des Uniklinikums Gießen und Marburg (UKGM). Auch hier gehe die Arbeit vor. Auf den Fernsehbildschirmen in den Patientenzimmern liefen sicherlich die Spiele, aber einen größeren Ort für das gemeinsame Fußballerlebnis sei nicht angedacht. „Für unsere Mitarbeiter/innen stehen grundsätzlich keine Fernsehgeräte zu diesem Zweck zur Verfügung“, heißt es in einer öffentlichen Stellungnahme.

von Dennis Siepmann

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