Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Investor soll Biogas-Anlage retten

Insolvenz Investor soll Biogas-Anlage retten

Die Betreibergesellschaft der Biogas-Anlage Ebsdorfergrund hat Insolvenz angemeldet – ein neuer Investor steht aber wohl schon in den Startlöchern.

Voriger Artikel
UKGM-Chef: Pflegejobs in Bad Berka
Nächster Artikel
Die Faszination von Metall und Feuer

Die Sonne steht tief hinter der Biogas-Anlage in Heskem. Deren Betreiber haben Insolvenz angemeldet – nach OP-Informationen gibt es aber bereits einen neuen Investor.

Quelle: Thorsten Richter

Heskem. Vor gut vier Wochen hat die „Biogas Ebsdorfergrund GmbH & Co. KG“ Insolvenz angemeldet – beim Amtsgericht in Mainz, wo das Unternehmen seinen Geschäftssitz hat. Im Sommer 2012 hatte die Anlage als größte ihrer Art in Mittelhessen ihren Betrieb aufgenommen. Doch schon früh gab es Streit – und das, obwohl die Anlage „ein Leuchtturmprojekt für die Region“ ist, wie Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) im Gespräch mit der OP berichtet.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Helmut Lorentz aus Mainz bestellt. Seine Kollegin Dr. Barbara Klein sagt zu den Gründen der Insolvenz: „Es sind viele Punkte zwischen den Gesellschaftern streitig. Unterm Strich kann man jedoch sagen, dass es sich bis jetzt noch nicht gerechnet hat, weil die Anlage keine Volllast fährt. Über die Gründe, warum das so ist, herrscht zwischen den Gesellschaftern absolut Streit“, so Klein.

Klein: „Da hängen ja ganze Familien dran“

Die gegenseitigen Vorwürfe lauteten, dass die Anlage falsch geplant sei, dass sie falsch betrieben werde oder dass man sich nicht darum gekümmert habe, dass die Rohstoffe passend hereinkämen. „Das ist für uns allerdings nicht wichtig – wichtig ist, dass die Anlage weiterläuft, wenn auch mit gebremstem Schaum, wie man so schön sagt – damit sie kurzfristig an einen Dritten übergeben werden kann“, so Klein in der vergangenen Woche gegenüber der OP.

Es habe schon frühzeitig Gespräche mit potenziellen Interessenten gegeben, „und das ist auch wichtig. Die Landwirte wollen wissen, was sie denn demnächst aussäen und wie sie ihre Äcker bestellen. Da hängen ja ganze Familien dran“, verdeutlicht Klein. Derzeit sei die Versorgung der Anlage gesichert, sie könne mit dem vorhandenen Material noch mehrere Monate laufen. Und bis auf einen Landwirt seien ihrer Kenntnis nach auch alle Lieferanten bezahlt worden. „Es geht jetzt auch für die Landwirte wieder nach vorne“, ist sich Barbara Klein sicher.

Schnell gab es Gerüchte, wer denn der neue Investor sein könne – auch die Stadtwerke Marburg wurden der OP als Übernahme-Kandidat genannt. Rainer Kühne, Geschäftsführer der Stadtwerke, winkt jedoch verbal ab: „Wir haben damals unter anderem dafür Sorge getragen, dass die Konditionierung des Biogases und die Einspeisung in unser Netz funktionieren“, sagt Kühne. Mit den derzeit laufenden Projekten seien die Stadtwerke außerdem ausgelastet.

Stadtwerke Marburg haben kein Interesse

Bis zu 500 Kubikmeter Gas könne die Anlage liefern, die Stadtwerke nähmen davon 400 ab – vorher wird das Biogas von einer Anlage der Stadtwerke auf Erdgas-Qualität konditioniert. Denn nur so könne eine Verbrennung sichergestellt werden, bei denen es in den Endgeräten der Kunden nicht zu einer Grenzwertüberschreitung kommen könne.

Das Investment der Stadtwerke gibt Kühne mit einer Million Euro an – „daher haben wir ein großes Interesse daran, dass der Insolvenzverwalter einen Weiterbetrieb hinbekommt“, verdeutlicht Kühne. Er könne bestätigen, dass der Betrieb derzeit normal laufe, „die Leistung wird ausgeschöpft“, bestätigt Kühne.

Jüngst konkretisierte der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Helmut Lorentz dann die Gespräche mit dem potenziellen Investor. Laut OP-Informationen wird die Firma Weltec Biopower aus Vechta – Mitgesellschafter und auch ehemaliger Errichter der Anlage – die Biogas-Anlage übernehmen.

Lorentz wollte den Namen nicht konkret bestätigen, dementierte ihn aber auch nicht. „Derzeit läuft die Anlage, die dafür notwendigen Mittel werden von der Landesbank Bremen zur Verfügung gestellt“, sagt er.

Anlage als „zusätzliches Standbein für Landwirte“

Um die Anlage weiterzubetreiben hätte es weiterer finanzieller Mittel bedurft. „Das war in der jetzigen Form von den bisherigen Gesellschaftern nicht mehr tragbar, sodass eine Insolvenz unumgänglich war“, sagt er. „Es müssen noch einige Modalitäten geklärt werden, wir bemühen uns, dass eine schnellstmögliche Lösung gefunden wird.“ Auch mit den Landwirten, die die Anlage beliefern, habe es bereits Gespräche gegeben. „Die werden wohl bei der Stange bleiben“, so Lorentz, es gäbe allerdings noch Klärungsbedarf.

Bürgermeister Andreas Schulz sei mit dieser Lösung „sehr zufrieden“, wie er im OP-Gespräch sagt. „Die Biogas-Anlage ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Ziels, bis 2020 energieautark zu sein“, betonte er. Daher habe er sich auch damals für den Bau der Anlage eingesetzt. „Es ist ein gutes Signal, dass der Betrieb dieser guten Anlage jetzt dauerhaft gesichert ist“, so Schulz.

Er sieht die Anlage auch als „zusätzliches Standbein für die Landwirtschaft, es sind Arbeitsplätze in der Gemeinde, die daran hängen“. Er wisse, dass es bereits eine Versammlung mit den Lieferanten gegeben habe, „da herrschte allenthalben Erleichterung, dass es weitergeht“. Dass es bei den Landwirten eine Unzufriedenheit gebe, sei ihm bekannt.

Schulz: Es bleibt Unzufriedenheit

Es habe eine „nicht zufriedenstellende Zusammenarbeit“ mit den damaligen Projektentwicklern gegeben – beispielsweise, weil durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der Bau erst später erfolgte, als ursprünglich geplant. „Es wurden zu Beginn Zusagen getroffen, die dann nicht eingehalten wurden – das hat gleich zu Beginn zu Missverständnissen geführt“, verdeutlicht der Bürgermeister.

Auch habe die zweite Biogas-Anlage, die von Landwirten in Mölln errichtet wurde, „zu einer Konkurrenzsituation der Lieferanten“ geführt. „Objektiv sind das alles nachvollziehbare Gründe, aber für den Einzelnen hat es dann zu einem holprigen Start geführt“, so Schulz.

„Wo Erwartungen enttäuscht werden, bleibt Unzufriedenheit zurück. Ich hoffe aber, dass durch den alleinigen Anlagenbetreiber – denn es wird wohl nur noch einen geben, der den Hut aufhat – und mit dem Personal, das seine Arbeit gut gemacht hat, jetzt auch wieder Vertrauen, Zutrauen und Zuversicht wachsen.“

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr