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Insolvenzverwalter muss entscheiden

Wagner & CO Solartechnik GmbH Insolvenzverwalter muss entscheiden

Mitarbeiter der insolventen Wagner & Co Solartechnik GmbH haben eine Genossenschaft gegründet, um das Geschäft fortzuführen. Gestern stellte sie ihre Zukunftspläne vor.

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Helgo Schütze (von links) und Fabian Schröer bilden mit der fehlenden Lydia Bamberger den Aufsichtsrat der Genossenschaft, Andreas Fischer und Alexander Sasse den Vorstand.Foto: Schmidt

Cölbe. Aus einer Mitarbeiterinitiative heraus ist die „Wagner Solar eG“ gegründet worden, um das Geschäft des insolventen Solarpioniers fortzuführen. Allerdings sei sie noch nicht im Register eingetragen. „Das liegt nicht so ganz in unserer Hand, denn die Eintragung erfolgt durch die Rechtspfleger“, erläutert Alexander Sasse, Vorstand der Genossenschaft. Doch die „Voraussetzungen sind geschaffen“, betont er.

Anfang Juli will die Genossenschaft dem Insolvenzverwalter ein Angebot unterbreiten. Geplant ist laut Sasse, wesentliche Geschäftsbereiche und den größten Teil der knapp 120 Mitarbeiter zu übernehmen. „Wir planen keinen großen Job-Kahlschlag“, betont der Vorstand. Denn das Know-how der Mitarbeiter sei entscheidend, darauf müsse man auch weiterhin zurückgreifen.

Auch einige Gebäude will die Genossenschaft übernehmen, „aber nicht alle“, wie Sasse erläutert. Allerdings wollte er gestern noch nicht zu sehr ins Detail gehen, denn: „Wir wissen, dass es noch weitere Interessenten gibt.“ Von daher wolle man mit detaillierten Angaben die eigenen Marktchancen „nicht schwächen“. Es habe mit dem Insolvenzverwalter bereits konstruktive Gespräche gegeben, man stehe in Kontakt. „Mal schauen, wer letztendlich das Rennen macht“, so Sasse.

Man plane allerdings die Übernahme von „allen wesentlichen Geschäftsbereichen - obwohl der politische Gegenwind in der Solarstromtechnik so heftig ist.“ Die Genossenschaft sei davon überzeugt, dass es auch weiterhin langfristig einen Markt für Solarstrom geben werde, „nämlich dann, wenn sich bei der Bevölkerung die Erkenntnis durchsetzt, dass der Solarstrom billiger ist als Strom aus der Steckdose.“

Genossenschaft verurteilt geplante „Sonnensteuer“

Die Genossenschaft verurteilt die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplante Einführung der soge­nannten „Sonnensteuer“ auf die Eigenstromproduktion scharf, da sie die Energiewende stark behindern werde. „Wir haben jetzt bereits den geplanten Ausbaukorridor verlassen und werden ihn auch mit dem bestehenden Energiegesetz nicht erreichen“, sagt Alexander Sasse. Auch ohne „Sonnensteuer“ müsse die Bundesregierung bereits handeln, „um überhaupt noch 2,5 bis 3,5 Gigawatt zu erreichen. Wir gehen eher von derzeit unter zwei Gigawatt aus, die mit den Vorgaben noch zu erreichen sind“, so Sasse. „Es wäre schade, die Vormachtstellung, die Deutschland bei der Solarstromtechnik hatte, einer kurzfristigen Energiepolitik zu opfern“, erklärt der Vorstand. Wagner & Co Solartechnik war laut Sasse für eine Marktgröße von sieben bis acht Gigawatt ausgelegt. „Wenn der Markt jetzt politisch gewollt auf eine Größe von unter zwei Gigawatt gedrückt wird, dann können wir nicht alle Gebäude übernehmen, die für einen geplanten Markt von acht Gigawatt vorgesehen war“, erläutert Sasse.

Wichtig für die Energiewende sei aber auch die Solarwärme, denn, so Sasse, „zwei Drittel der benötigten Energie im Haus fließt in die Wärmeerzeugung. Da liegt ein gigantisches Potenzial.“ Doch die öffentliche Wahrnehmung liege aufgrund der aktuellen Diskussionen um das Erneuerbare-Energien-Gesetz nahezu ausschließlich auf Solarstrom.

Dabei sei die Solarthermie „ein sehr stabiler Markt. Daher ist dies einer der wesentlichen Punkte, auf den sich die Solar Wagner eG zukünftig konzentrieren will“, führt Sasse aus.

Weitere Mitglieder für Angebot benötigt

„Eine weitere Frage ist: Wie befestigt man die Solarmodule auf dem Dach“, erläutert Sasse. Auch dafür habe Wagner das entsprechende Know-how, „das wollen wir auch weiterführen“.

Sasse versichert, dass die Genossenschaft „auf einem guten Weg sei.“ Doch man benötige weitere Mitglieder - auch, um dem Insolvenzverwalter ein gutes Angebot unterbreiten zu können. Dabei spiele Eigenkapitalbasis eine zentrale Rolle.

Mittlerweile haben die Genossen schon zahlreiche prominente Erstzeichner: Landrätin Kirsten Fründt (SPD) und der Hessische Wirtschaftsminister Tarek al Wazir (Grüne) haben „als Privatpersonen und nicht in ihrer politischen Funktion“, wie Sasse betont, Anteile gezeichnet, wie gestern auch Cölbes Bürgermeister Volker Carle. Er weiß: „Wir haben ja hier schon mit dem Dachdeckereinkauf als Genossenschaft beste Erfahrungen gemacht.“

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wir-wenden-weiter.de

von Andreas Schmidt

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