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Insolvenzen: Kreis kontert Bundestrend

Firmenpleiten Insolvenzen: Kreis kontert Bundestrend

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist bundesweit auf den niedrigsten Stand seit Einführung der neuen Insolvenzordnung im Jahr 1999 gefallen – im Landkreis liegt sie jedoch auf dem Niveau des Vorjahres.

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Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im ersten Halbjahr auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen. Im Landkreis bewegen sich die Insolvenzen indes auf dem Vorjahresniveau.

Quelle: Martin Gerten

Marburg. Wie die „Creditreform“ mitteilt, waren bundesweit im ersten Halbjahr 12100 Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Das waren 9,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum – damals hatten 13310 Firmen Insolvenz angemeldet.

Als Ursache für den Rückgang sieht die Creditreform neben der anhaltend guten Konjunktur auch die günstigen Finanzierungsbedingungen aufgrund des niedrigen Zinsniveaus. Auch eine geringere Zahl an Folgeinsolvenzen habe einen positiven Einfluss auf den Rückgang gehabt, teilte das Unternehmen mit.

Insolvenzen im Landkreis auf Vorjahresniveau

Namhafte Firmen meldeten auch im Landkreis Insolvenz an. So beispielsweise im Januar das Druckhaus Marburg, das mittlerweile den Betrieb einstellen musste. Auch Wagner & Co Solartechnik hat Insolvenzantrag gestellt, noch in diesem Monat wollen Mitarbeiter des heimischen Solar-Pioniers dem Insolvenzverwalter ein Angebot machen, um Firmenteile zu übernehmen und den Betrieb in einer Genossenschaft fortzuführen (die OP berichtete). Auch kleinere Firmen mit Tradition sind in die Insolvenz gegangen – so beispielsweise IWM Fotografie in Biedenkopf.

Die Zahlen stellen sich im Landkreis nicht freundlicher dar als im vergangenen Jahr: Bis zum Stichtag 30. Juni meldeten 92 Unternehmen Insolvenz an, davon wurden 48 Verfahren eröffnet. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2013 gingen 218 Firmen den Weg in die Insolvenz, wie Marité Dilling-Friedel, Sprecherin des Marburger Amtsgerichts, auf Anfrage der OP mitteilte. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr befände man sich also auf einem ähnlichen Niveau.

Ähnliches gilt für die Zahl der Verbraucherinsolvenzen: Deren Zahl sank bundesweit im ersten Halbjahr auf 43800, das sind laut Creditreform 4,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum mit 45810 Personen.

Im Landkreis haben in der ersten Jahreshälfte 183 Privatpersonen Insolvenz angemeldet, im gesamten vergangenen Jahr 344. Würde man die aktuelle Zahl auf das Jahr hochrechnen, käme man für 2014 auf 366 Privatpersonen, die nicht mehr zahlungsfähig wären – das würde eine Steigerung bedeuten.

Durch Reform könnte Zahl noch ansteigen

Zudem gehen die Experten der Creditreform davon aus, dass die Zahl der Privatinsolvenzen in der zweiten Jahreshälfte ansteigen wird: Denn zum 1. Juli ist die Reform des Verbraucherinsolvenzrechts in Kraft getreten. Diese umfasst einige Erleichterungen für die Entschuldung von Privatpersonen wie eine Verkürzung der Wohlverhaltensphase. Vor diesem Hintergrund sei ein Rückgang im Vorfeld der Reform zu erwarten gewesen.

Überschuldete Verbraucher haben nach der Reform bereits nach drei statt bisher sechs Jahren die Möglichkeit für einen Neustart, indem ihnen die Restschuld erlassen wird. Voraussetzung: Sie bezahlen in dieser Zeit mindestens 35 Prozent der Gläubigerforderungen sowie die Gerichtskosten und den Insolvenzverwalter. Nach fünf Jahren kann das Verfahren um ein Jahr verkürzt werden, wenn der Betroffene in der Zeit Kosten für Gericht und Insolvenzverwalter decken kann.

In der zweiten Jahreshälfte könnte sich die positive Entwicklung bei den Verbraucher-insolvenzen also umkehren: Aufgrund der besseren Voraussetzungen gehe man davon aus, dass viele Verbraucher mit dem Anmelden der Privatinsolvenz bis nach dem 1. Juli gewartet hätten.

Durchschnittlicher Schaden je Fall: 736000 Euro

Die angemeldeten Forderungen der Insolvenzgläubiger belaufen sich auf insgesamt 12,3 Milliarden Euro nach 14,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr vergangenen Jahres. Für private Insolvenzgläubiger wie Lieferanten und Kreditgeber beträgt die durchschnittliche Schadenssumme je Insolvenzfall 736000 Euro, im Vorjahr waren es noch 804000 Euro. Infolge der Insolvenzen sind laut Creditreform 96000 Arbeitsplätze gefährdet oder schon abgebaut worden. Im Vorjahreszeitraum waren 116000 Stellen betroffen – ein Minus von 17,2 Prozent.

von Andreas Schmidt

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