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Innovatives für Biker – made in Rauschenberg

Produktion bei SW-Motech Innovatives für Biker – made in Rauschenberg

Was vor 17 Jahren im Viehstall begann, ist 
eine Erfolgsgeschichte: SW-Motech aus Rauschenberg exportiert seine Zubehörteile für Motorräder in 65 Länder und rüstet nahezu alle Hersteller aus.

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Bevor ein neues Zubehörteil entwickelt wird, werden die Motorrad-Modelle per 3D-Laserscan 
detailliert erfasst.

Quelle: Vit Madr

Rauschenberg. Jürgen Swora wollte sich 1993 für den Abschluss seines Maschinenbau-Studiums belohnen und einmal mit dem Motorrad rund ums Mittelmeer fahren.

Sein künftiger Arbeitgeber machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung, gewährte dem Ingenieur nur sechs Wochen Urlaub. Also stand für Swora fest: „Den Rest der Tour hole ich nach.“

Dieser Rest führte ihn und seinen Kumpel Jörg Diehl ein Jahr später nach Libyen. „Dort gibt es zwar viel Benzin, aber wenige Tankstellen“, erinnert sich Swora. Kein Problem für einen findigen Ingenieur: Er entwickelte für die beiden Motorräder einen Hecktank. Ein Jahr später wollte er die Tanks in einer Annonce verkaufen.

Bevor ein neues Zubehörteil entwickelt wird, werden die Motorrad-Modelle per 3D-Laserscan 
detailliert erfasst.

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„Die Zeitung war kaum erschienen, da hatte ich die ersten zehn Anrufe – alle wollten wissen, wo es solche Tanks zu kaufen gäbe“, sagt Swora. Ein Münchener Händler überzeugte Swora schlussendlich, zehn dieser Tanks zu bauen – der Grundstein für SW-Motech war gelegt. „Damals habe ich unter anderem Tresorräume für Staatsbanken gebaut – da konnte ich nicht einfach so ein Nebengeschäft tätigen.“

Der Chef genehmigte die Nebentätigkeit, Swora meldete ein Gewerbe an und wollte es „Swora-Motorradtechnik“ nennen. „Die Mitarbeiterin des Ordnungsamts fand den Namen viel zu lang und schlug SW-Motech vor – so ist der Name entstanden“, schmunzelt Swora.

1999 entschieden die drei Freunde Jürgen Swora, Kai Jockel und Jörg Diehl, das Geschäft auszubauen. „Wir haben ein großes Potenzial im Zubehör-Markt für Motorräder gesehen“, sagt Swora – und in einem ehemaligen Bauernhof bauten die Männer das Unternehmen auf.

Sie entwickelten zunächst einen Motorschutz und einen Hauptständer, gingen damit bei Händlern hausieren. „Im Gegensatz zum Mitbewerber hatten unsere Produkte einen Vorteil: sie passten“, sagt Swora. Denn für jeden Motorrad-Typ wurden die Teile individuell entwickelt – das wurde von den Kunden goutiert.

Produkte wecken bei den Fahrern Begehrlichkeiten

„Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war, dass wir alle aus dem Bereich Motorrad kamen und Ideen hatten – bauten letztendlich Produkte, die es so nicht gab.“ Mit diesen Produkten habe man bei Motorradfahrern Begehrlichkeiten geweckt.

Der große Durchbruch kam mit einem Kofferträger. „Bis dahin mussten die Träger am Motorrad bleiben, auch dann, wenn die Koffer nicht montiert waren“, sagt Swora. SW-Motech produzierte den „Quick-Lock“-Träger, der sich mit wenigen Handgriffen abnehmen ließ – eine Revolution.

„Vom ehemaligen Viehstall bis heute mit 250 Mitarbeitern war es ein weiter Weg“, sagt Swora. Mittlerweile hat SW-Motech 2500 Produkte im Angebot, was sich durch die Motorrad-Vielfalt auf etwa 25.000 unterschiedliche Teile summiert. Entwickelt und produziert wird in Rauschenberg, zudem hat SW-Motech eine moderne Fabrik im tschechischen Brünn.

Von der Spiegelverbreiterung und der Lenker-Erhöhung bis hin zum Komplett-Gepäcksystem reicht die Palette. Denn 2006 stieß der Frankenberger Hersteller Bags Connection mit dem Geschäftsführer Achim Kessler zum Unternehmen hinzu, ein Hersteller von hochwertigen Taschen. „Wir haben eng zusammengearbeitet und die Marken 2014 dann unter einem Dach zusammengeführt.“

Expansion bringt auch Nachteile

Die Qualität kommt auch bei Motorrad-Herstellern gut an: SW-Motech ist Partner für die Entwicklung und Fertigung von Originalzubehörteilen für viele große Motorrad-Hersteller, „außer Harley-Davidson“, wie Swora sagt. „Das heißt: Wenn Sie zu Suzuki gehen und ein Zubehörteil aus Metall kaufen, dann steht zwar Suzuki drauf – aber es kommt mit größter Wahrscheinlichkeit aus Rauschenberg.“

Der Bauernhof ist lange Geschichte, mittlerweile besteht SW-Motech aus mehreren großen Hallen. Zudem wird noch dieses Jahr der Spatenstich für ein Logistik-Zentrum erfolgen.

Doch die Expansion bringe auch Nachteile mit sich: „Die Größe ist schon ein Stück weit ein Innovations-Killer. Die Kunst ist es, die Balance zu finden zwischen Innovation, freiem Künstlertum und Organisationsstruktur“, erläutert Swora. „Auch die Mitarbeiter wollen wissen, wo die Reise hingeht.“

Und wohin geht sie? „Die Motorradfahrer werden älter und wollen individuelle, hochwertige Produkte“, sagt Swora. Dieses Bedürfnis wolle man erfüllen. Dafür suche man zuverlässige und engagierte Mitarbeiter, um die Zukunft zu gestalten – nicht leicht beim Fachkräftemangel. Außerdem erschließe man neue Märkte – neben Osteuropa beispielsweise China. „Auch den Cruiser-Markt wollen wir künftig bedienen. Und die E-Mobilität wird ebenfalls große Chancen bieten.“

von Andreas Schmidt

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