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Inklusionsbetrieb „am Puls der Zeit“

Marburger Copy-Shop Inklusionsbetrieb „am Puls der Zeit“

Menschen mit Behinderung so nahe wie möglich am ersten Arbeitsmarkt zu beschäftigen: Das ist die Aufgabe von Integrationsbetrieben. 
In Marburg hat sich die ­digitale Kopierstube Copy Print am Markt etabliert.

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In der Kopierstube Copy Print am Pilgrimstein arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung ­zusammen.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Vom 14. bis 25. September hatte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsfirmen die „Woche der Integrationsfirmen“ ausgerufen. Der Marburger Kopierladen Copy Print ist eine von etwa 800 dieser Firmen in Deutschland, die Einbindung von Menschen mit Behinderung praktizieren. Copy Print gehört zu 100 Prozent dem freien Träger Arbeit und Bildung.

„Die digitale Kopierstube am Pilgrimstein ist eine der ersten Integrationsfirmen in Hessen überhaupt“, betont Geschäftsführer Reiner Dolle nicht ohne Stolz. Angefangen habe alles 1996 als „Zweckbetrieb und Modellfirma“. Im Jahr 2000 sei dann ­eine GmbH gegründet worden.

Zwölf Menschen arbeiten bei Copy Print

Wie Dolle erläutert, sei das Ziel der Integrationsbetriebe, die Lücke zwischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung und dem ersten Arbeitsmarkt zu schließen. Behinderte, zwischen 25 und 50 Prozent, arbeiteten mit Nichtbehinderten zusammen, „damit das Normalitätsprinzip gewahrt bleibt“. In Deutschland arbeiteten so bei 23 000 Mitarbeitern insgesamt etwa 10 000 Menschen mit Behinderung in den Betrieben.

Copy Print beschäftigt derzeit zwölf Mitarbeiter, davon zwei Auszubildende. Das sei in anderen Firmen nicht so selbstverständlich, so Dolle. „Daneben beschäftigen und integrieren wir Arbeitssuchende aus dem Arbeitslosengeld-II-Bereich“.

„Seit Gründung der GmbH im Jahr 2000 sind insgesamt 97 Menschen bei uns beschäftigt gewesen“, sagt Dolle. Das Verständnis als Integrationsbetrieb beinhalte nach wie vor die Vermittlung ehemaliger Beschäftigter in den ersten Arbeitsmarkt oder vergleichbare sinnvolle Ausbildungen oder Umschulungen.

Zuschüsse reichen nicht aus

Die Bedeutung der Integrationsfirmen habe durch die UN-Behindertenrechts-Charta noch mehr Gewicht bekommen, so Dolle weiter. Die Öffentlichkeit schaue noch mehr auf die Umsetzung der Inklusion, die in seinem Betrieb gelebt werde. Leider sei die finanzielle Unterstützung aber nur sehr gering, bemängelt der Geschäftsführer.

Mit der Lizenz als Integrationsbetrieb sei zwar die Anerkennung durch den Landeswohlfahrtsverband (LWV) verbunden, dieser zahle jedoch nur den Zuschuss, den jeder Arbeitgeber bei der Einstellung behinderter Menschen erhalte, sowie eine Pauschale, die aber nicht ausreiche. Unter dem Dach von Neue Arbeit Marburg, wie die Gesellschaft jetzt heißt, um weitere Betriebe zu gründen, habe Arbeit und Bildung mehrere Integrationsfirmen gehabt, erinnerte Dolle.

Unter anderem darunter den Dorfladen Michelbach, eine Malerwerkstatt oder Relektro, wo alte Elektrogeräte aufgearbeitet wurden, sowie PC Revival zum Verkauf gebrauchter Computer. Alle seien jedoch finanziell nicht darstellbar gewesen, und deshalb verkauft oder geschlossen worden. Ein Problem bestehe auch immer darin, dass aus der Geschäftswelt Klagen über eine vermeintliche Konkurrenzsituation gekommen seien, bedauert Dolle.

Dolle: Zahlen normale Löhne

Copy Print dagegen arbeite wirtschaftlich, hebt er hervor. „Weil wir gut sind“, ist sich Projektleiterin Susan Gilders­leeve sicher. „Wir sind immer bemüht, am Puls der Zeit zu sein.“ Dolle sieht durchaus eine Marktführerschaft in Marburg, denn die Angebote von Copy­ Print gebe es sonst so in der Universitätsstadt nicht. Zum Angebot gehören laut Gildersleeve neben einfachen Kopien auch Digitaldrucke und die Arbeit als Gestaltungs- und Werbeagentur.

Für größere Kunden arbeite die Firma von der Konzeption bis zur Umsetzung. Und obwohl Copy Print in ganz normaler Konkurrenz auf dem Markt stehe und „normale“ Löhne zahle, ist sich Dolle sicher, dass noch viele Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen hier eine Arbeit finden.

von Heiko Krause

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