Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
„Im Mittelstand steckt das Potenzial“

Europaabgeordnete in Marburg „Im Mittelstand steckt das Potenzial“

Die Europaabgeordnete Martina Werner kam zum „Antrittsbesuch“ in den Landkreis, um sich ein Bild der wirtschaftlichen Situation zu machen.

Voriger Artikel
Aufbau läuft auf Hochtouren
Nächster Artikel
Couchbox verwandelt sich in Sitzmöbel

Landrätin Kirsten Fründt (links) und die neue Europaabgeordnete Martina Werner (beide SPD) auf der Terrasse des Landratsamts.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Seit Mai sitzt Martina Werner für die Sozialdemokraten im Europaparlament. Ihr Wahlkreisbüro hat sie in Kassel, der Wahlkreis ist jedoch immens groß: Er reicht von Nordhessen bis an die südliche Spitze des Landkreises Fulda, in ihm leben gut eine Million Menschen. Landrätin Kirsten Fründt (SPD) erläuterte, dass ihre Parteigenossin im Europaparlament „neben dem Thema Energie auch das Wirtschaftsthema besetzt“.

Sie betonte, dass hinter den mittelständischen Unternehmen im Landkreis, die häufig noch familiengeführt seien, „eine enorme Innovationskraft“ stecke. „Diese Unternehmen gehen viel Risiko bei ihrer Geschäftsausweitung ein. Aber damit sind sie in den unterschiedlichsten Feldern äußerst erfolgreich“, sagte Fründt. Das sei auch ein Kernmerkmal des Landkreises, „dass wir viele mittelständische Unternehmen haben, die weltweit tätig sind“, so die Landrätin. Dabei sprach sie von den „Hidden Champions“ der Region.

Drei Unternehmen standen auf der „Besuchsliste“ der Europaabgeordneten, die gemeinsam mit der Landrätin und dem heimischen Bundestagsabgeordneten Sören Bartol (SPD) unterwegs war: Zunächst DRG Diagnostics in Marburg, danach ging es weiter nach Fronhausen, wo sich das Trio sowohl bei Seidel als auch bei der Firma Schneider informierte. „Obwohl DRG ein kleines Unternehmen ist, ist es sehr von den Entwicklungen auf dem Weltmarkt abhängig“, sagte Fründt.

Abgeordnete sieht sich als direkte Ansprechpartnerin

Die Landrätin ist überzeugt, dass der Besuch der Europaabgeordneten den Unternehmen direkt zugutekomme: „Sie können direkt ihre Vorstellungen und Wünsche an die Abgeordnete weitergeben.“ Martina Werner betonte, dass ihr der Kontakt in den Wahlkreis wichtig sei – allerdings könne sie aufgrund der Sitzungswochen im Europaparlament „immer nur einen Tag pro Woche im Wahlkreis verbringen“. Die Sorgen und Nöte der Unternehmer seien ihr aber wichtig, da sie lange Zeit in der Wirtschaftsförderung gearbeitet habe. „Viele Mittelständler expandieren in alle Welt – und da ist europäische Politik entscheidend. Dafür ist es wichtig, Ansprechpartner vor Ort zu sein. Das möchte ich gerne leisten“, erläuterte Werner.

Auch von europäischer Seite aus wolle man den Mittelstand weiter fördern – etwa durch den so genannten „Small Business Act“, mit dem Mittelständler problemloser wachsen können sollen. Die Voraussetzungen für Wachstum seien in Deutschland durchaus gegeben – vor allem, weil die Finanzierung gesichert sei, und das dank der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. „Das ist woanders nicht der Fall – daher müssen wir uns das bewahren und ausbauen“, so die Abgeordnete.

Auf ihrer Reise erfuhr sie, dass häufig die europäischen Verordnungen Probleme schafften. „Dort kann ich versuchen, Kontakte zu vermitteln“, so Werner. Viele Firmen scheuten den Kontakt etwa zur Europäischen Kommission. „Brüssel ist weit weg, und in vielen Firmen gibt es Hemmungen, sich an die EU zu wenden. Ich sehe mich als eine Art Katalysator, indem ich Menschen zusammenbringe und natürlich dann auch die Interessen der Region unterstütze“, sagt Werner.

Freihandel: Ja mit dickem Aber

Für den Landkreis sieht Martina Werner „ein riesiges Potenzial, was Innovationen betrifft“ – vor allem durch die Nähe „zu so einer starken Universität“. Diese sei ein wichtiger Standortfaktor – ebenso, wie der starke Mittelstand, in dem „das größte Potenzial“ stecke. „Es gibt ja einen Zusammenhang zwischen Beschäftigung und Innovation – und da sind die mittelständischen Firmen besonders stark“, ist Werner überzeugt.

Eine klare Position bezieht die Abgeordnete auch zum Thema des Freihandelsabkommens „TTIP“: „Wir begrüßen den Freihandel, denn davon lebt unsere Wirtschaft“, sagt sie. Gerade die Bundesrepublik lebe vom Export. „Aber – und das ist ein ganz dickes Aber – wir haben unsere roten Linien, die werden wir nicht überschreiten.“ So wolle man keine Absenkung der Standards – „ob beim Umwelt- oder Verbraucherschutz, bei Lebensmitteln oder allem, was damit zusammenhängt“.

Auch dem Investitionsschutz, bei dem quasi hinter verschlossenen Türen Klagen von Firmen verhandelt würden, erteilte Werner eine Absage. „Wir leben Gott sei Dank in gefestigten Rechtsstaaten – da müssen sich alle an die geltenden Gesetze halten.“ Allerdings sei ihr daran gelegen, „das Thema auf der sachlichen und nicht auf der emotionalen Ebene“ zu diskutieren.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr