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Idealist wirbt für das Handwerk

Theaterstück von Zimmermann Richard Betz Idealist wirbt für das Handwerk

Mit einem Theaterstück ist Zimmermann Richard Betz auf Tour – er zeigt, dass ein Studium nicht alles ist und macht so auch Werbung für das Handwerk.

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Der „schauspielernde Zimmermann“ Richard Betz baute in seinem Theaterstück eine Brücke nach Plänen von Leonardo da Vinci und zeigte die Leistungsfähigkeit des Handwerks.

Quelle: Alexander Graf

Marburg. Die hessischen Kreishandwerkerschaften organisierten dieses Jahr eine Theatertour, die vom Ort des letztes Hessentages, Bensheim, zum diesjährigen Austragungsort, Hofgeismar, führt.

Zimmermann Richard Betz erklärt Schülern in seinem Stück „Mit Herz und Hand – Ein Zimmermann erzählt seine Geschichte – wahr und erfunden zugleich“, wie attraktiv und erfüllend ein Handwerksberuf sein kann. Einer der Aufführungsorte war das Bildungszentrum der Bauwirtschaft in Marburg.

„Wer nicht studiert, der hat schon verloren – was für ein Quatsch!“ Paul Ballmer ist ein Mann der klaren Worte. Der Zimmermann Betz ist in die Rolle des Paul Ballmer geschlüpft und erzählt den anwesenden Schülern seine Lebensgeschichte. Diese beginnt damit, wie er, der Handwerksmeister, einen Lehrling sucht. Eine junge Frau offenbart ihm daraufhin in ihrer Bewerbung, dass sie seine Tochter sei und Ballmer rekonstruiert daraufhin sein bisheriges Leben und reüssiert, warum er von dieser bisher nichts wusste.

Nach dem Abitur studierte er Mathematik und Wirtschaft, arbeitete im Investment-Banking, verdiente irrsinnig viel Geld, betrog, wurde von seiner Frau verlassen, ging dafür ein Jahr ins Gefängnis und kam als gebrochener Mann wieder heraus – so weit die Kurzfassung. Die Quintessenz, die Ballmer den Schülern näherbringen möchte: Etwas nur für Geld zu machen, reicht nicht aus.

Eigene Vita fließt in das Theaterstück mit ein

Im zweiten Teil des Theaterstücks ging es darum, wie Ballmer mithilfe seines neuen Berufs wieder auf die Beine kommt, wieder einen Sinn in seinem Leben sieht. Welche Teile dieser Geschichte aus dem wahren Leben des Zimmermanns Richard Betz und welche für die Figur Paul Ballmer erfunden wurden, lüftete der schauspielernde Zimmermann erst ganz zum Schluss.

Zwei Punkte illustrierten dabei besonders die Intention des Theaterstückes. Die Geschichte seiner Frau, sowohl im wahren Leben als auch im Stück, die trotz eines Einser-Abiturs und der Missbilligung ihrer Eltern eine Lehre zur Schneiderin machte und mit dieser Wahl sowohl erfolgreich als auch glücklich ist.

Und als Zweites die Hauptperson selbst. Betz hat Architektur studiert, arbeitete parallel als Zimmerer und beschränkte sich schlussendlich auf die Zimmerei. „Es machte mir einfach mehr Spaß. Vor allem zu sehen, wie unbeholfen ein Lehrling am ersten Arbeitstag noch ist und dann zu sehen, wie viel er in zwei Jahren gelernt hat – das erinnert mich immer etwas an mich selbst“, so Betz. Insgesamt habe er bereits 25 Lehrlinge ausgebildet – er wisse also, von was er rede.

Der stellvertretende Kreishandwerksmeister Hartmut Pfeiffer lobte Betz für seine Darbietung und sein Engagement. Ziel sei es, den Jugendlichen das Handwerk näherzubringen, und das bliebe oft an Idealisten wie Betz hängen. „Ein Studium ist nicht alles und das Leben ist mehr als nur viel Geld. Betz hat das heute sehr gut rübergebracht.“

von Alexander Graf

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