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„Ich habe mich nicht strafbar gemacht“

Aus dem Gericht „Ich habe mich nicht strafbar gemacht“

Unrechtmäßig soll ein 
Geschäftsmann aus 
Luxemburg im Namen 
einer Marburger Firma Waren bestellt, diese nicht bezahlt, aber mit Gewinn weiterverkauft haben. Ein Schaden von 120.000 Euro steht im Raum.

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Der externe Mitarbeiter einer Marburger Firma soll 560 Photovoltaikmodule des Unternehmens im eigenen Namen verkauft haben – bezahlt habe er diese jedoch nicht.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Mitte Juli 2011 bestellte der Angeklagte bei einer Marburger Firma 560 Photovoltaikmodule im Wert von 120.000 Euro, verkaufte die Waren durch sein eigenes Unternehmen gewinnbringend an Dritte weiter. Eine Berechtigung für den Deal soll er nicht gehabt haben, die Marburger Staatsanwaltschaft wirft dem Kaufmann aus Luxemburg Unterschlagung vor.

Den Großauftrag tätigte der 47-Jährige im Namen der Gesellschaft aus Marburg, für die er als Berater tätig war. Als Auftraggeber nannte er wiederum seine eigene Firma mit Sitz in Luxemburg. Angeblich erstellte er weder eine Rechnung noch bezahlte er die Waren.

Gegen den Strafbefehl wegen Unterschlagung samt Geldstrafe von 120 Tagessätzen legte der Angeklagte Einspruch ein, das Ganze landete vor dem Marburger Strafgericht. Das musste die Verwicklungen innerhalb der Kooperation beider Firmen erst einmal entflechten.

Externer Mitarbeiter durfte Geschäfte für Firma tätigen

Demnach war der Geschäftsmann als selbstständiger Berater der Marburger Firma beschäftigt, wickelte daneben jedoch ebenfalls komplette Aufträge ab. Darunter die umstrittene Bestellung, die er wie üblich im Auftragssystem der Firma ablegte.

Beschränkungen seiner Befugnisse habe es für solche Geschäfte seiner Meinung nach nicht gegeben – auch als Berater war er berechtigt, „ohne Einschränkungen oder weiterer Zustimmung“ Aufträge abzuwickeln, erklärte Verteidiger Carsten Fasold. Dies galt auch für Geschäfte mit seiner eigenen Firma, „da brauchte ich keine Erlaubnis“, ergänzte der Angeklagte.

Allerdings wurde diese Befugnis nirgends schriftlich festgehalten, eine Vollmacht gibt es nicht – „das kommt mir schon komisch vor“, verwies Staatsanwalt Jonathan Poppe auf einen fehlenden Passus im Vertrag des Mannes und auf einen möglichen Interessenskonflikt. Dass der Angeklagte scheinbar ohne weitere Kontrolle Waren im Namen der an sich fremden Firma für sein eigenes Unternehmen bestellen durfte, quasi ein „Insichgeschäft“ tätigte, konnte auch das Gericht nicht so ganz glauben.

Doch dies sei üblich gewesen, habe sich „aus dem Tagesgeschäft ergeben“, nicht zuletzt aus einem Personalmangel heraus, so die Antwort. Generell hatte der externe Mitarbeiter tatsächlich die Befugnis, Geschäfte im Namen der Firma zu tätigen, „das war so gewollt“, bestätigte ein Vorstandsmitglied vor Gericht. Jedoch nur in einer gewissen Größenordnung, nämlich bis 50.000 Euro.

„Nie hat sich einer beschwert“

Für die Abwicklung für eine volle Containerladung Photovoltaikmodule hätte er die Zustimmung des Aufsichtsrats einholen müssen, dafür gab es keine Freigabe, so der Zeuge. Dies sei ihm nicht bewusst gewesen, schoss der Angeklagte zurück. Die Geschäftsordnung habe er nicht gekannt. „Für mich war das ein ganz normaler Vorgang, ein normales Geschäft“, erklärte er mehrfach. Bestellungen dieser Art habe er regelmäßig an Land gezogen, „nie hat sich einer beschwert“.

Die georderte Ware verkaufte er für über 130.000 Euro weiter, eine Rechnung erstellte er zuvor nicht. Als Grund, warum er die Waren nicht bezahlte, nannte er noch offene Provisionen seiner Beratertätigkeit. Darüber hinaus hatte er dem Unternehmen bereits zuvor größere Geldmengen überwiesen, die für ein anderes Projekt gedacht waren. Mit dem war er jedoch unzufrieden.

Die Differenz legte er daher einfach auf den umstrittenen Auftrag um, ging davon aus, dass seine noch offenen Forderungen damit „gedeckt“ waren. Dies sieht die vermeintlich geprellte Firma anders, geht parallel zivilrechtlich gegen den ehemaligen Partner vor.

Mehrfach riet der Staatsanwalt dem Beschuldigten, seinen Einspruch gegen den „bereits milden Strafbefehl“ zurückzuziehen, nicht zuletzt, da auch eine mögliche Untreue im Raum steht. Dies lehnt der Mann ab, ist von seiner Unschuld überzeugt, „ich habe mich nicht strafbar gemacht“.

Um weitere Zeugen zur Sache zu hören, vertagte das Gericht die Verhandlung. Der Prozess wird am Mittwoch, 12. Oktober, fortgesetzt.

von Ina Tannert

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