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IHK fordert Rückkehr zur alten Regelung

Verkehrsführung im Nordviertel IHK fordert Rückkehr zur alten Regelung

Mit einer Resolution 
fordert nun auch der 
Regionalausschuss 
Marburg der IHK die Stadt auf, in der Nordstadt zur vorherigen Verkehrsregelung zurückzukehren.

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Seit der Umstellung in der Robert-Koch-Straße sind lange Staus in der Bahnhofstraße stadteinwärts an der Tagesordnung.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Mit Unverständnis und Sorge“ nehme der Regionalausschuss die Diskussion über die Verkehrsführung im Marburger Nordviertel zur Kenntnis, heißt es in der Resolution, die der OP vorliegt. Das Ziel, die Aufenthaltsqualität im Quartier sowie Verbesserungen in der Erreichbarkeit für die Verkehre zu erreichen, werde „ad absurdum geführt“.

„Der begonnene Versuch schadet im Gegenteil der Aufenthaltsqualität sowie der Erreichbarkeit und schadet den Geschäftsleuten in der Nordstadt“, heißt es weiter. Die jetzige Verkehrssituation sei nicht nur von zahlreichen Staus gekennzeichnet, sondern auch von einem großen Parkplatzverlust.

Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg, weiß, „dass die Parkplatzdiskussion in Marburg sehr emotional geführt wird. Aber das ist auch richtig, denn die Existenz der Geschäftsleute – nicht nur in der Nordstadt – hängt daran“. Laut Angaben der Stadt seien durch die Neuregelung im Nordviertel 16 Parkplätze verloren gegangen. Zudem biete das Parkhaus in der Furthstraße genügend Kapazität.

Edelmann stellt indes eine andere Rechnung auf: „Es sind ja nicht nur jetzt Parkplätze weggefallen“, sagt er. In den vergangenen Jahren sei ein Großteil der Parkflächen – angefangen vom Schlachthofgelände über die Lahnwiesen und das Brauereigelände bis hin zum Pilgrimstein – weggefallen.

Der Regionalausschuss habe den Eindruck, die politischen Kräfte in Marburg setzten „nach wie vor nur auf junge und bewegliche Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Einkaufen unterwegs sind“. Vernachlässigt würden „die Bedürfnisse älterer Menschen, die mit dem Auto zum Einkaufen fahren, insbesondere auch aus dem Marburger Umland, und die darauf angewiesen sind, in unmittelbarer Nähe ihrer Geschäftspartner in Marburg parken zu können“, heißt es in der Resolution.

„Verkehrsplanung muss zurückgedreht werden“

Für die Interessenvertreter der heimischen Wirtschaft ist klar: „Wer Gewerbesteuer vereinnahmen will, muss den Gewerbetreibenden, auch denen des Handels- und Dienstleistungsgewerbes sowie der Hotellerie und Gastronomie im Marburger Nordviertel, gute Rahmenbedingungen gewähren – eine Grundvoraussetzung für renta-
bles Arbeiten.“

Dies scheine allerdings mehr und mehr in den Hintergrund der kommunalpolitischen Betrachtung geraten zu sein – „mit Auswirkungen, die für Handel und Gewerbe im Nordviertel nur negativ sein können“, so der Regionalausschuss.
Die Forderung der Wirtschaftsvertreter: „Es ist daher höchste Zeit, die Verkehrsplanung im Nordviertel zurückzudrehen und die verloren gegangenen Parkplätze, die für die Bahnhofstraße und Elisabethstraße, aber auch für die Robert-Koch-Straße so existenziell wichtig sind, wieder auszuweisen.“

Oft genug reiche der Parkraum im Nordviertel nicht aus, um die Bedürfnisse der Einkäufer zu decken. „Anstatt Parkplätze hier zurückzudrängen, wäre eine Erhöhung der Anzahl der Parkplätze direkt in den Einkaufsbereichen angezeigt gewesen“, heißt es in der Resolution.

Auch erinnert die IHK in ihrer Erklärung daran, dass sich die Marburger bei einem Bürgerbegehren gegen eine Sektorierung der Marburger Innenstadt ausgesprochen hätten. Die nun allerdings wieder erhobene Forderung nach einer Sperrung der Elisabethstraße könne jedoch „nur als erster Einstieg in die von der Bevölkerung ungeliebte Sektorierung aufgefasst werden“. Daher solle man „an bestehenden und bewährten Verkehrssituationen nicht drehen und experimentieren“.

OP-Leser sehen neue Regelung ebenfalls kritisch

Der Regionalausschuss fordert daher von der Stadt Marburg „eine Rückbesinnung auf bewährte Strukturen im Nordviertel und sofortiges Handeln, damit der entstandene Schaden für die Geschäftsleute nicht größer wird“. Und für Oskar Edelmann ist klar: „Wenn der Verkehrsversuch beibehalten wird, sind die Kunden für die Geschäftsleute dauerhaft verloren – es 
stehen Existenzen auf dem Spiel.“

Auch bei vielen OP-Lesern stößt die Änderung der Einbahnstraßenregelung in der Robert-Koch-Straße nach wie vor auf harsche Kritik, wie zahlreiche Zuschriften und Anrufe beweisen.

„Ich fordere eine Rückkehr zur alten Regelung. So, wie es jetzt auf der Robert-Koch-Straße ist, traue ich mich nicht mehr zum Bahnhof mit dem Auto. Ständig kommt etwas Neues dazu. Man traut sich ja bald nichts mehr, weil ständig alles umgebaut wird. Alte Leute können sich nicht ständig umstellen. OB Vaupel hat das einfach so an einem Tisch beschlossen, ohne die Leute vorher zu fragen. Das finde ich gemein“, sagt beispielsweise Elisabeth Tiber (81) aus Wehrda im OP-Gespräch.

„Also, die Robert-Koch-Straße/Bunsenstraße innerorts reinfahren zu können ist prima. Besser, als sich über die Elisabethstraße zu quetschen. Ich frage mich nur, warum das kaum jemand tut?“, schreibt Benjamin Klement auf dem Facebook-Kanal der OP.

Und Susanne Keßler hat für sich bereits einen anderen Weg gefunden: „Dann fahre ich halt täglich vom Bahnhof in die Ketzerbach über den Wehrdaer Weg – die Anwohner wird‘s bestimmt freuen, wenn bald viele auf den Trichter kommen“, schreibt sie.

von Andreas Schmidt 
und Björn Wisker

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