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Hohe Geldstrafe für Tapetenfabrik

Preisabsprache Hohe Geldstrafe für Tapetenfabrik

Die Vorwürfe sind gravierend, die Strafen hoch: Die deutschen Wettbewerbshüter erklären, die Heimwerker haben zu viel für Tapeten gezahlt. Jetzt greift das Bundeskartellamt in die Kassen der führenden Firmen.

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Das Kartellamt verhängt gegen vier Tapetenfabrikanten hohe Bußgelder wegen verbotener Preisabsprachen.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Seit Oktober 2010, als das Kartellamt in den Räumen der Marburger Tapetenfabrik eine Hausdurchsuchung vornahm, stand die Führungsspitze des Kirchhainer Unternehmens unter Druck. „Das Verfahren schwebte über uns, es belastete uns“, erklärte am Dienstag Ullrich Eitel, Geschäftsführer und Inhaber des Kirchhainer Unternehmens, im Gespräch mit der OP.

Das Bundeskartellamt erhebt schwere Vorwürfe gegen die Marburger Tapetenfabrik sowie weitere deutsche Tapetenhersteller. Zwischen 2005 und 2008 hätten die Firmen zu Lasten ihrer Kunden auf Verbandstagungen Preiserhöhungen abgesprochen, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Die Wettbewerbshüter verhängten daher Bußgelder gegen die Marburger Tapetenfabrik Schaefer, A.S. Creation Tapeten (Gummersbach), Erismann (Breisach), Pickhardt + Siebert (Gummersbach) und den Verband Deutscher Tapetenfabriken. Insgesamt sollen die Unternehmen 17 Millionen Euro zahlen. Auf Marktführer A.S. Creation Tapeten entfällt allein eine Summe von 10,5 Millionen Euro, wie das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung an die Börse meldete.

Eitel: Preisabsprachen? Unsinn!

Die Tapetenfabrik Rasch, die den Fall als Kronzeuge ins Rollen gebracht hatte, kam in den Genuss der Bonusregelung und damit ohne Strafe davon. „Die Behauptungen stünden auf wackligen Füßen, sagt Eitel. Stichhaltige Vorhaltungen des Kronzeugen lägen nicht vor. „Umso unverständlicher ist für uns der ganze Vorgang“, so Eitel.

Die Marburger Tapetenfabrik bestreite die Darstellung des Sachverhalts, betonte er. „So hochwertige Tapeten wie in Deutschland gibt es sonst nirgends“, sagte Eitel. Dass die Produkte verteuert angeboten worden seien, sei „Unsinn“. Er werde mit allen rechtlichen Schritten dagegen vorgehen und Einspruch erheben.

Zur Höhe der Strafe machte der Fabrikchef keine Angaben. Auch gegen ihn selbst sowie seinen früheren Verkaufsleiter sei ein Bußgeld verhängt worden, sagte Eitel. Die Tapetenfabrik habe in der Branche einen Marktanteil von 20Prozent in Deutschland.

Schon jetzt seien die Anwaltskosten hoch, erklärte er. Das Kartellamt schade einem mittelständischen Unternehmen wie der Marburger Tapetenfabrik. Dabei habe die Branche derzeit ohnehin Absatzschwierigkeiten. Der Markt in Russland sei umkämpft, die Ukraine sei als Exportland verschwunden.

„Wir wollen das nicht akzeptieren“

„Das Kartellamt macht die Wirtschaft kaputt“, sagte Eitel. Die Produktion in Kirchhain werde wie bisher weitergehen, geplante Investitionen stünden aber auf der Kippe. Sollte die Marburger Tapetenfabrik die hohe Geldstrafe letztendlich zahlen müssen, stünden Arbeitsplätze in Gefahr. „Aber wir wollen das nicht akzeptieren. Das wird ein schwieriger Weg“, so Eitel.

Vor einem Jahr hatte ein Brandstifter hohe Schäden in Höhe von 20 Millionen Euro am Unternehmen verursacht. Der Umsatzausfall habe in dieser Zeit bei drei bis fünf Millionen Euro gelegen, so Eitel. Das Kartellamt habe während der Zeit nach dem Großbrand keine Rücksicht auf die Ausnahmesituation der Firma genommen und von heute auf morgen Stellungnahmen und Dokumente verlangt, kritisiert Eitel.

Das Familienunternehmen besteht seit 1845: Damals eröffnete Johann Bertram Schaefer in Marburg ein Fachgeschäft für Innenausstattung. Fünf Generationen danach gehört das Unternehmen zu den führenden Tapetenherstellern. Für einen hohen Bekanntheitsgrad sorgte zuletzt Harald Glööckler: Der prominente und pompöse Modedesigner entwirft Tapeten-Kollektionen für das heimische Unternehmen.

von Anna Ntemiris

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Preisabsprachen unter Tapetenherstellern
Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, erklärt, die führenden deutschen Tapetenhersteller sprachen zwischen 2005 und 2008 Preiserhöhungen ab. Foto: Bundeskartellamt

Das Bundeskartellamt hat Geldstrafen in Höhe von 17 Millionen Euro gegen Tapetenhersteller, darunter die Marburger Tapetenfabrik, verhängt. Andreas Mundt, der Präsident der Wettbewerbs-Behörde, erklärt im OP-Gespräch Hintergründe.

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