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Hoffnung auf das Handwerk

Ministerpräsident traf Flüchtlinge Hoffnung auf das Handwerk

Rund 30 Teilnehmer des Integrations-Projekts „Voice“ besichtigten die Schreinerei Fus, um einen Einblick in einen deutschen Handwerks-Betrieb zu bekommen. Weiterer Gast war Volker Bouffier.

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Ministerpräsident Volker Bouffier besichtigte am Donnerstag mit Flüchtlingen die Schreinerei Fus in Großseelheim. Die Firma beteiligt sich an dem Projekt „Voice“ des Landkreises und der Agentur für Arbeit.

Quelle: Tobias Hirsch

„Wir im Handwerk stehen bereit, zu helfen“, sagt Reinhard Nau von der Firma Fus + Sohn GmbH in Großseelheim zu rund 30 Flüchtlingen aus verschiedenen Herkunftsländern. Sie sind am Donnerstag zu Gast in seinem Betrieb, um im Zuge des Integrations-Projekts „Voice“, das der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Arbeitsagentur ins Leben gerufen haben, Einblick in ein heimisches Unternehmen zu bekommen.

Tischlermeister Nau ist auch Präsident des hessischen Fachverbands Leben, Raum, Gestaltung und kennt die Sorgen und Wünsche seiner Kollegen. Fachkräfte werden benötigt, sagt er. Daher könne das Handwerk möglichst kurzfristig Flüchtlingen die Chance für ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Das sieht auch der Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) so, der sich in Großseelheim über das Projekt „Voice“ informierte.

Bei „Voice“ stehen der Spracherwerb und die Arbeitsmarkterkundung im Mittelpunkt (die OP berichtete). Es geht um erste Qualifizierungsangebote und Kontakte in die deutsche Arbeitswelt. In den nächsten Monaten stehen 20 Besichtigungs-Termine in Firmen des Landkreises an, erklärte Dr. Frank Hüttemann von der Wirtschaftsförderung des Landkreises.

Flüchtlinge wie Wail Albirouti aus Syrien sind dankbar für solche Chancen, auch wenn sie in ihren Heimatländern bereits gut ausgebildet wurden. Albirouti ist IT-Ingenieur und kann sich mit Bouffier auf Englisch unterhalten. In seiner Ansprache sagt Bouffier auf Englisch zu den Flüchtlingen: „Sie müssen Deutsch lernen. Sonst sind Sie immer ein Fremder.“

Arbeitsagentur bietet Einstieg an

Die Flüchtlinge stimmen ihm zu. Ja, sie wollen Deutsch lernen und alles, was ihnen angeboten wird, erklären sie. Das ist auch der Eindruck, den die Agentur für Arbeit habe, sagt Bereichsleiter Gerhard Wenz. Das Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge und Migranten habe derzeit rund ein Dutzend Flüchtlinge in Unternehmen untergebracht. Dort erhalten diese erste Einblicke in verschiedene Berufe.

Die Marburger Frisör-Kette Domino, die von Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher betrieben wird, bietet zum Beispiel einem Eritreer die Möglichkeit, den Frisör-Beruf kennenzulernen. Der Mann nutze ein Angebot der Agentur für Arbeit, die so genannte Einstiegsqualifizierung. Eine Ausbildung sei rechtlich erst nächstes Jahr möglich, so Wenz. Aber das Angebot habe das Asylverfahren beschleunigt: Der Eritreer sei asylberechtigt und hat damit auch Anspruch auf einen Sprachkurs.

Nau könnte sich vorstellen, in seinem Betrieb Flüchtlinge einzustellen. Vor mehreren Jahren sei er gefragt worden, ob er kurzfristig Russlanddeutschen eine Chance geben könne, einen Einblick in die Arbeit zu geben. Die drei Männer seien heute unverzichtbare Kollegen, die sich mit ihren Familien in der Region wohl fühlen. Daher sei diese Integration auch eine Bereicherung für den Betrieb.

Solche Beispiele hören Bouffier und Landrätin Kirsten Fründt (SPD) gern. Er sei hier, um die Erfahrungen aus diesem Projekt weiterzugeben, so Bouffier. An die Agentur für Arbeit sagte er: Die Behörde müsse auch Spracherwerbs-Kurse finanzieren, denn auch dies sei ein Qualifizierungs-Schritt. Das Thema werde er bundespolitisch weiter diskutieren.

von Anna Ntemiris

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