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Hinterland ist „Ausbildungszentrum“

Arbeitsmarkt Hinterland ist „Ausbildungszentrum“

Während bundes- und landesweit die Zahl der Arbeitslosen erneut gesunken ist, stieg sie im Landkreis wiederum leicht an. Sorgen bereitet dies der Arbeitsagentur aber nicht.

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Die Ausbildungsquote im Landkreis liegt deutlich über Bundesschnitt. Die Arbeitslosigkeit ist in der Region leicht angestiegen.

Quelle: Julian Stratenschulte / dpa

Marburg. Im Landkreis waren im Oktober 4758 Menschen arbeitslos gemeldet – zwar 221 weniger, als noch im September, aber 194 oder 4,3 Prozent mehr als im Oktober vergangenen Jahres.

„Der Anstieg ist schlichtweg dem Zuwachs an Ausländern geschuldet“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg. Man habe unter den Kunden 1358 Ausländer – ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von 475 Menschen oder 53,8 Prozent.

„Bei oberflächlicher Betrachtung wäre das ein Punkt, in Panik zu verfallen“, so Breustedt. „Aber wir sind so gut aufgestellt, dass uns die Zahl keinerlei Sorgen macht.“ Um auf die gestiegene Ausländer-Arbeitslosigkeit noch besser reagieren zu können, werde man die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dessen Kreisjobcenter künftig noch ausweiten.

Derzeit betreibe man ja schon gemeinsam das Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge. „Das wird im November deutlich ausgeweitet, indem wir ein halbes Stockwerk bei der Arbeitsagentur belegen werden, um einen Anlaufpunkt zu bieten, der noch breiter aufgestellt ist“, kündigte Breustedt an.

Agentur bietet Beratung bei Johnson Controls an

„Wir sind aber nicht nur räumlich, sondern vor allem auch inhaltlich gut gerüstet, dass wir Herausforderungen meistern können.“ Zwar nicht kurz- oder mittelfristig, „aber langfristig auf jeden Fall. Die Förderstrukturen stehen, wir befinden uns auf einem guten Weg“, versichert der Agenturleiter. Wie schon in den vergangenen Monaten ist die Zahl der arbeitslosen Menschen über 50 rückläufig: Ihre Zahl sank binnen Jahresfrist um 70 auf 1358.

Neu arbeitslos meldeten sich 1312 Personen, 117 oder rund 10 Prozent mehr als vor einem Jahr; gegenüber September meldeten sich 50 Personen oder 3,7 Prozent weniger arbeitslos. Zuvor erwerbstätig waren 503 Personen gewesen, das waren 
9 mehr als vor einem Jahr und 14 mehr als im September. Parallel dazu konnten sich 1532 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 86 mehr als im Vorjahresmonat und 180 weniger als im September. Für 424 Personen endete die Arbeitslosigkeit mit Aufnahme einer Erwerbstätigkeit – 17 weniger als im Oktober vergangenen Jahres und 156 weniger als im September.

Im Hinterland bietet die Agentur mittlerweile vor dem Hintergrund der Werksschließung von Johnson Controls in Friedensdorf einen besonderen Service: „Wir bieten direkt im Betrieb Beratungen an, um den Betroffenen ihre Chancen aufzuzeigen. Und das wird auch immer stärker angenommen“, sagt Breustedt, der im Gegenzug Betriebsrat und Geschäftsleitung für diese Möglichkeit dankte, denn: „Das ist keine Selbstverständlichkeit.“

Breustedt: Betriebe haben geringere Auswahl

Am Mittwoch blickte die Arbeitsagentur auch detailliert auf den Ausbildungsmarkt im Landkreis. „Kurz gesagt war es ein gutes Jahr“, resümiert der Agenturleiter. 1993 Bewerber um einen Ausbildungsplatz habe es gegeben, 76 oder 3,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Diesen standen im abgelaufenen Ausbildungsjahr 1640 Stellen gegenüber – 25 oder 1,5 Prozent weniger, als im Jahr zuvor.

„Das, was wir schon seit Jahren predigen – dass den Betrieben die Bewerber ausgehen werden – lässt sich nun nicht mehr wegdiskutieren“, sagt Breustedt. Die Schulentlassungszahlen gingen zurück, „die Betriebe müssen sich damit abfinden, dass sie nicht mehr die Auswahl aus der breiten Masse haben“, verdeutlicht der Agentur-Chef.

Regional betrachtet fällt dieser Rückgang der Bewerber noch drastischer aus: So sank ihre Zahl in Stadtallendorf um 15,4 Prozent oder 102 junge Menschen auf 562. Und auch in Biedenkopf gab es einen deutlichen Rückgang: 484 Bewerber waren es, 7,1 Prozent oder 37 Personen weniger als im Jahr zuvor. Lediglich in Marburg stieg die Zahl der Ausbildungsstellensuchenden um 63 auf 947.

Bemerkenswert sei im Landkreis die Ausbildungsquote – sie bezeichnet den Anteil der Auszubildenden an der Gesamtzahl der Beschäftigten. Liegt diese im Bund bei 5,1 Prozent und in Hessen bei 4,6 Prozent, so punktet der Landkreis mit einer Quote von 5,4 Prozent. Auch hier gibt es regionale Unterschiede: Spitzenreiter bei der Ausbildung ist das Hinterland mit einer Ausbildungsquote von 6,3 Prozent. „Das Hinterland ist unsere Ausbildungszentrale“, sagt Breustedt. In Marburg liegt die Ausbildungsquote bei 5,5 Prozent, in Stadtallendorf bei 4,2 Prozent.

Kreisjobcenter betreut mehr Langzeitarbeitslose

Von den gemeldeten 1 640 Ausbildungsstellen blieben 48 unbesetzt, das sind 19 oder 28,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Und 117 Bewerber haben im abgelaufenen Jahr keinen Ausbildungsplatz bekommen – 37 Jugendliche oder 24 Prozent weniger, als im Vorjahr. „Die Betriebe müssen künftig flexibler sein, wenn sie ihre Stellen besetzen wollen“, ist sich Breustedt sicher.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die das Kreisjobcenter (KJC) betreut, ist im Oktober im Vergleich zum September um 99 oder 3,4 Prozent auf 2850 gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl indes um 34 Personen oder 1,2 Prozent gestiegen. „In den Herbstmonaten stellen die Unternehmen wieder vermehrt ein“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow.

Auch die Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt belebe sich, unter anderem, weil der Spracherwerb bei einem großen Teil der Menschen angelaufen sei. „Die berufliche Integration der Zuwanderer ist jedoch sehr aufwendig und fordert auch von den Unternehmen ein großes Maß an Flexibilität“, so Zachow. Die Erfahrungen der Betriebe, die dieses Engagement leisteten, seien jedoch in der ganz großen Mehrheit positiv.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Oktober leicht zurückgegangen. Im Vergleich zum Vormonat reduzierte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 14 (minus 0,2 Prozent) auf insgesamt 6350. Verglichen mit dem Vorjahrsmonat bedeutet dies allerdings einen Anstieg um 279 oder 4,6 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sank im Vergleich zum Vormonat um 31 oder 0,4 Prozent auf 8191 Personen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 3,9 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 311 Personen.

von Andreas Schmidt

 
 
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