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HiFi-Studio "acoustics" gibt auf

Traditions-Geschäft schließt HiFi-Studio "acoustics" gibt auf

Nach 35 Jahren schließt Joachim Thiel seine Firma "acoustics". Das HiFi-Studio gehört zu den alteingesessenen Fachgeschäften in Marburg, die dem Strukturwandel zum Opfer fallen.

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Joachim Thiel (links) – mit Mitarbeiter Karl-Heinz Peter – schließt sein Hifi-Studio zum Ende des Jahres.

Quelle: privat

Marburg. „Acoustics“, das stand für Generationen von Marburgern für hochwertige HiFi-Anlagen und fachkundige Beratung. Zunächst für fünf Jahre am Wehrdaer Weg beheimatet, zog das Unternehmen anschließend an den Steinweg und schließlich im Jahr 2000 ins neu geschaffene Gewerbegebiet „Forum“ im Marburger Nord-end. Inhaber Joachim Thiel hat sich nun entschlossen, sein Geschäft zu schließen. Ende des Jahres ist Schluss, berichtet Thiel - und ergänzt: „Fast jedenfalls“. Für Garantie- und Servicefälle ist Thiel auch im neuen Jahr noch zu erreichen.

Thiel (61) führt zum einen Altersgründe für seine Entscheidung an, zum anderen aber erziele er nicht mehr den notwendigen Umsatz, um sein Geschäft rentabel zu führen. „Bei der Unterhaltungselektronik werden heute die Einstiegsklasse und die untere Preisklasse fast ausschließlich durch Internet und Großmärkte abgedeckt“, sagt Thiel - „ohne Vergleich mit dem Fachhandel.“

In den Großstädten geht es noch besser 

Dieses Segment war über all die Jahre, so berichtet er, „Butter und Brot-Umsatz“ und machte einen hohen Prozentsatz seiner Einnahmen aus. Es sei weggebrochen, ohne dass viele Kunden einen echten Preisvergleich vornehmen. „Es handelt sich um ein reines Vorurteil, dass wir als Fachhändler mit den Angeboten mit der lauteren Konkurrenz nicht mithalten könnten.

Joachim Thiel sieht sich aber nicht allein in dieser Situation, sondern macht einen Trend aus: Außerhalb der großen Ballungszentren habe der Fachhandel, nicht nur in seiner Branche, einen schweren Stand. Seinen Kollegen in Großstädten gehe es nach wie vor gut - „aber in Marburg und Umgebung gibt es so gut wie keinen Radio- und Fernsehtechnikermeister mehr.“

Ein zweiter Grund für die Entwicklung sei, dass vor 35 Jahren eine Stereo-Anlage noch ein Status-Symbol gerade für jüngere Leute gewesen sei. „Heute sind das iPhone oder iPad.“

Eines der Hauptprobleme heißt „Beratungsdiebstahl“

Für das schleichende Aussterben von Fachgeschäften sieht Thiel aber noch einen dritten Grund. Er nennt ihn „Beratungsdiebstahl“ und umschreibt damit ein Phänomen, das in vielen Branchen um sich greife: Kunden kommen zum Fachhandel, lassen sich intensiv beraten, um dann zu gehen und andernorts die gewünschte Ware zu kaufen - oftmals ohne echten Preisvergleich, oftmals ohne die entsprechenden Garantie- und Serviceleistungen. „Der Beratungsdiebstahl ist einer der Hauptgründe, dass es irgendwann Fachgeschäfte nicht mehr geben wird.“

Zum Ende des Jahres schließt Thiel also sein Ladengeschäft. Ab November beginnt er den Totalausverkauf mit Rabatten bis 50 Prozent. Das Ende einer langen Ära - nicht nur für Thiel, sondern für viele Marburger.

von Till Conrad

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