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Herbstbelebung am heimischen Arbeitsmarkt

Arbeitslosenzahlen Herbstbelebung am heimischen Arbeitsmarkt

Goldener Oktober am Arbeitsmarkt, doch trübe Aussichten fürs kommende Jahr.

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Sie stellten die Arbeitszahlen für den Kreis vor: Walter Horn (von links), Astrid Heydecke, Lena Huth, Agenturchef Volker Breustedt und Pressesprecherin Dr. Heike Beber.Foto: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. 5319 Menschen im Landkreis Marburg-Biedenkopf waren im Oktober arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosigkeit lag damit leicht unter dem Vorjahresmonatniveau. Die rückläufige Arbeitslosigkeit kam vor allem bei jungen Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren an, erklärte gestern Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg.

Bei dieser Personengruppe waren rund zehn Prozent weniger arbeitslos als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Vormonat September waren es sogar 13 Prozent weniger. Anders ausgedrückt bedeutet dies aber auch: „Die Älteren und Schwerbehinderten nehmen an den leicht positiven Veränderungen am Arbeitsmarkt nicht teil. Da müssen wir aufpassen, dass diese vom Marktgeschehen nicht ausgebremst werden“, so Breustedt.

Derzeit herrsche eine vergleichsweise hohe Dynamik am Arbeitsmarkt vor. „Der Herbst holt den Sommer nach“, beschreibt Breustedt das Klima. Der Aufschwung sei nun verspätet da, aber auch nur mäßig. Laut Statistik war die Arbeitslosenquote im Kreis mit 4,1 Prozent so niedrig wie in keinem Oktober seit mehr als elf Jahren. Wie in den Monaten zuvor hat die Agentur für Marburg-Biedenkopf eine vergleichsweise gute Quote: Die Arbeitslosenquote im Bund liegt bei 6,5. Hessenweit ist der Schnitt bei 5,6 Prozent. Im Landkreis haben derzeit große Firmen, nach OP-Informationen zum Beispiel Ferrero in Stadtallendorf, wieder mehr Beschäftigte in der Produktion eingestellt. Dies wirkt sich auf die aktuelle Statistik aus.

Ohne Ausbildung Hartz-IV-Ticket

Derzeit blicken die Experten der Arbeitsagenturen aber nicht nur zurück, sondern auch nach vorne: Für 2014 rechne man mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, sagt Breustedt. Der jungen Generation rät der Agenturchef daher, sich Wissen und Qualifikationen zu erwerben. Denn Fachkräfte werden benötigt. „Wer auf eine Ausbildung verzichtet, hat ein Hartz-IV-Ticket in Aussicht“, so Breustedt, der gestern auch die Statistik für das Ausbildungsjahr 2012/2013 vorstellte. Die Ausbildungsquote im Kreis liegt bei 6,0 (in Hessen 5,2). Im Jahr 2008 lag sie im Landkreis noch bei 7,3 Prozent.

Das Ausbildungsjahr 2012/2013 endete zum 30. September - offiziell. Dennoch haben sich in den vergangenen Wochen weitere Bewerber gemeldet sowie Betriebe, die sich doch noch entschlossen haben, eine Lehrstelle einzurichten. Gestern konnte Walter Horn, der Teamleiter des Arbeitgeberservice, berichten, dass nur noch 24 Azubi-Stellen im Kreis unbesetzt sind. Zum 30. September suchten 90 Jugendliche eine Lehrstelle, das sind 44 mehr als im Vorjahr. Zwei Drittel der Jugendlichen ohne Lehrstelle sind Haupt- oder Realschüler. Viele von den Suchenden haben inzwischen aufgegeben und konzentrieren sich bereits aufs nächste Ausbildungsjahr, bedauern die Berufsberater. Chancen bestehen zum Beispiel noch im Hotel- und Gastronomiegewerbe sowie in Handwerksberufen wie Dachdecker, Maurer oder Zimmerer. Ein Problem sei, dass Jugendlichen oft die Mobilität fehle, um eine Lehrstelle in abgelegenen Hotels oder Gaststätten anzufangen. „Viele nutzen gern ein Jahr, um Geld für die Führerscheinprüfung zu verdienen und bewerben sich dann erst bei Arbeitgebern in der Region“, erklärt Berufsberaterin Lena Huth. Andere Wartende wiederum gehen weiterhin zur Schule oder fangen ein Studium an, statt sich nach anderen freien Lehrstellen umzuschauen, berichtet Astrid Heydecke, Teamchefin der Marburger Berufsberater. Akademiker gibt es reichlich auf dem Arbeitsmarkt, so Breustedt. Daher sei die Lage für Facharbeiter einfacher.

Unzufrieden ist er mit dem Angebot an Lehrstellen. Es müssten mehr sein. Er wisse von großen und mittelständischen Baubetrieben, die für nächstes Jahr noch keine Ausbildungsstellen geplant haben. Bisher sind der Agentur 792 Stellen gemeldet, die ab August frei werden. Jugendlichen rät er, sich so schnell wie möglich zu bewerben und auch flexibel zu sein.

n Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist weiterhin positiv - das belegt die Statistik des Kreisjobcenters (KJC) für den Monat Oktober. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Oktober erneut zurückgegangen. Das Kreisjobcenter Marburg-Biedenkopf weist für den Oktober 3145 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 58 oder 1,8 Prozent weniger als im Vormonat September. Gegenüber dem Oktober 2012 ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 335 Personen oder 9,6 Prozent gesunken. „Wir haben die gute konjunkturelle Lage bislang nutzen können, um viele langzeitarbeitslose Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit diesem bisher erreichten Ergebnis können wir sehr zufrieden sein“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern.von Anna Ntemiris

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