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„Herausragender Gesundheitsbau“

Partikeltherapiezentrum „Herausragender Gesundheitsbau“

Auch wenn die Partikeltherapie zur Krebsbekämpfung am Uniklinikum Gießen-Marburg nicht in Betrieb ist: Das teure Gebäude beeindruckt die Fachwelt.

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Das Partikeltherapiezentrum in Marburg ist in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit. Die Anlage gibt es in vergleichbarer Form weltweit nur in Heidelberg und Japan. Doch bisher wurde in Marburg noch kein einziger Patient bestrahlt. Architekten kürten das Gebäude zum „herausragenden Gesundheitsbau“.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Mit einer fast übergroßen Geste der Offenheit wird der Patient empfangen. Die Gebäudeseite, an der der Haupteingang liegt, ist eine einzige Öffnung, großzügig, weit und verglast“: So beschreibt das Architekturbüro Hammeskrause in Stuttgart das 2009 fertiggestellte Partikeltherapiezentrum auf den Lahnbergen. In dem einladenden und modernen Gebäude, das vom Land einst als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnet wurde, wurde bisher allerdings kein einziger Patient empfangen.

3 Auszeichnungen

Was für die einen daher ein Trauerspiel ist, mag für anderen eine Erfolgsgeschichte sein: Der Architekt Nils Krause erhielt nun für das Gebäude, in dem Krebspatienten bestrahlt werden sollten, die Auszeichnung: „Herausragender Gesundheitsbau 2012“. Der Verein „Architekten für Krankenhausbau und Gesundheitswesen im Bund Deutscher Architekten (AKG)“ lobte diesen Preis erstmals aus. Unter den 34 eingereichten Arbeiten seien drei Gebäude - in Marburg, Ulm und Friedrichshafen - ausgezeichnet worden, erklärt der Verband mit Sitz in Berlin. Auch der Bauherr, die Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, ist Preisträger. Die Auszeichnung ist ein Ehrenpreis - es gibt kein Preisgeld. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung. Sie ist ein Baustein, um dieses Projekt in eine positive Zukunft zu führen“, sagte Natascha von Herz, Sprecherin des Architekturbüros Hammeskrause, auf Anfrage der OP.

Jury schaut sich Gebäude nicht vor Ort an

Auch aus Kreisen des Architekten-Verbands hieß es, vielleicht könne der Preis zu einer schnelleren Inbetriebnahme beitragen. Die fünfköpfige Jury soll sich die Gebäude zumindest nicht vor Ort angeschaut haben, erklärte eine Sprecherin: Die Bilder und das Konzept beeindruckten die Experten. Ob der Jury bekannt war, dass das Partikeltherapiezentrum längst zu einem Politikum in Hessen geworden ist? Dazu gab es gestern keine Stellungnahme, außerdem halte man sich aus der Politik ohnehin heraus. Die prämierten Arbeiten werden vom 20. Juni bis 2. Juli 2013 im Institut für Architektur der TU Berlin ausgestellt. Eine weitere Ausstellung erfolgt im Glashaus im Deutschen Architekturzentrum vom 4. Juli bis 2. August. Die feierliche Preisverleihung findet am 21. November während des 36. Deutschen Krankenhaustages auf der Messe Medica in Düsseldorf statt.

von Anna Ntemiris

HINTERGRUND:

  • Die voll funktionstüchtige Anlage, die es in vergleichbarer Form weltweit nur in Heidelberg und Japan gibt, steht in Marburg auf den Lahnbergen. Das neue Verfahren – die Partikeltherapie mit Kohlenstoffen und Wasserstoffen, eine präzise Strahlenbehandlung von bösartigen Tumoren, – sollte in Marburg eigentlich längst an Patienten angewendet werden. Doch diese finden sich dort ebenso wenig wie Pflegekräfte. Zwischen 2006 und 2011 errichtete die Firma Siemens die Anlage für rund 120 Millionen Euro, die die Rhön-Klinikum AG als Betreiber des privatisierten Uni-Klinikums kaufte. Im Juli 2011 erklärten Rhön sowie Siemens, dass sich eine Partikeltherapie nicht rechne. Siemens nahm die Anlage zurück und erstattete den Kaufpreis. Seitdem arbeiten dort Siemens-Forscher an der technischen Weiterentwicklung, um eine vergleichbare Anlage nach China zu verkaufen. Dass das Zentrum eine beeindruckende Architektur hat, fand auch der Direktor des neu gegründeten Instituts für Strahlenbiologie und Molekulare Radioonkologie, Professor Jochen Dahm-Daphi. Doch  er war über den „Leerstand“ so frustriert, dass er Marburg wieder den Rücken kehrte. Das Land Hessen hat Rhön noch bis Ende des Jahres Zeit gegeben, um die Anlage für Patienten zum Laufen zu bringen – nachdem die Frist Ende 2012 abgelaufen war, hatte das Land dem Konzern Aufschub gegeben (die OP berichtete).
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