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Helmut Rabe ist der „Joker im Rückraum“

50-jähriges Betriebsjubiläum Helmut Rabe ist der „Joker im Rückraum“

60 Mark bekam er in seinem ersten Ausbildungsjahr als Gehalt, und ausgezahlt wurde nur, „wenn das Berichtsheft geführt war“ – daran erinnert sich Helmut Rabe noch genau, der jüngst sein 50-jähriges Berufsjubiläum feierte.

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Von Farb-Spritzpistole und Helm kann Helmut Rabe (von links) auch nach 50 Jahren im Beruf und nach seiner Pensionierung nicht lassen – sehr zur Freude der Firmen-Inhaber Silke Rabe und Fritz Wolf.

Quelle: Andreas Schmidt

Simtshausen. 1966 war es, als Helmut Rabe im damaligen Schreinerbetrieb Rabe in Simtshausen seine Ausbildung als Bau- und Möbelschreiner begann. „Jeden Morgen bin ich mit dem Fahrrad von Oberasphe gekommen – zwei Jahre 
lang, danach war ich motorisiert“, erinnert sich der 65-Jährige zurück. Der gleiche Nachname führt auf eine weitläufige Verwandtschaft zurück: 
Firmengründer Wilhelm Rabe und der Vater von Helmut Rabe waren Cousins.

Vielleicht war das auch der Grund, dass Wilhelm Rabe „später nicht nur mein Lehrmeister und Chef war, sondern auch ein Stück weit eine Vaterfigur. Denn mein eigener Vater ist früh verstorben“, sagt Helmut Rabe. Mit allen Angelegenheiten habe er zu ihm gehen können. „Das Betriebsklima stimmt. Daher hält man es auch 50 Jahre in einer Firma aus“, sagt der Jubilar.

Das Gesellenstück steht noch zuhause

Dazu beigetragen habe aber auch, dass Rabe – vierter Lehrling im Betrieb – nach seiner Ausbildung früh Verantwortung übertragen wurde. Und das hieß damals: Raus auf die Baustelle. „Meine erste Baustelle war bei der Firma Balzer in Marburg – da haben wir die Bäder-Ausstellung gemacht“, weiß Rabe.

Auch an sein Gesellenstück erinnert er sich noch – denn das steht noch zuhause: „Eine Anrichte aus Nussbaum mit vier Türen und vier innenliegenden Schubkästen.“ Stück für Stück sei die Schreinerei gewachsen, „dementsprechend waren die Aufträge auch nicht nur in Marburg, sondern wir mussten auch nach außerhalb“.

Frankfurt, Bad Homburg waren die Ziele, 
 ebenso wie Mainz oder auch Hamburg und Berlin – „man kam viel rum und war die 
ganze Woche weg“, erinnert sich 
Helmut Rabe. An diese spannende Zeit denkt er gerne zurück, „das habe ich bis zu meinem 50. Lebensjahr gemacht. Danach habe ich 
gesagt, dass ich das als ältester Geselle nicht mehr möchte“.

Generationswechsel hautnah miterlebt

Mit 50 Jahren noch Geselle? „Ja, den Meister wollte ich nicht machen – das hätte ich nervlich nicht durchgestanden“, sagt Rabe lachend. Denn in jungen Jahren hatte er noch nebenberuflich Landwirtschaft – da blieb für Fortbildung wenig Zeit.

Damals hatten Silke Rabe und Fritz Wolf das Unternehmen 
bereits übernommen, „den Generationswechsel habe ich also miterlebt – so, wie alle Höhen und Tiefen des Unternehmens“, sagt Rabe. Mit dem Wechsel in der Geschäftsleitung einher ging auch der Weg hin zum 
 Innenausbau und weg von der reinen Schreinerei.

Durch den Verzicht auf die Montage „habe ich meinen Schreinerberuf quasi an den Nagel gehängt und bin in die Oberflächenbearbeitung eingestiegen“, sagt Helmut Rabe. Fortan war die Lackiererei sein Reich – und ist es zum Teil auch heute noch. Denn obwohl Rabe mittlerweile in Rente ist, hilft er immer noch im Unternehmen aus. „Nach so langer Zeit kann man doch nicht einfach aufhören“, sagt er, „ich muss immer was machen.“

Und so greift er gerne ein. „Jeder hat hier Achtung voreinander, das macht den großen Unterschied aus“, sagt Rabe. Einmal, in den Frühen 80ern, habe er ein Angebot einer anderen Firma gehabt – „ich habe zwei Nächte nicht geschlafen, alles abgewogen – und mich dann entschieden, hierzubleiben“.

Helmut Rabe ist immer da, wenn Not am Mann ist

Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat: „In den 50 Jahren habe ich nicht einen Tag Kurzarbeit gemacht und nicht einen Tag gestempelt. Und aufs Geld haben wir nie warten müssen“ – ein Lob, das man nicht allen Unternehmen machen kann.

Der Beruf macht ihm immer noch Spaß, „Fritz weiß, dass er mich immer anrufen kann, wenn Not am Mann ist. Weshalb sollte ich mich zur Ruhe setzen? Das ist doch für die Gesundheit gar nicht gut“, sagt er lachend.

Hat er denn keine Hobbys, denen er sich widmen möchte? „Doch klar, schon seit 1972 übe ich den Brieftaubensport aktiv 
aus. Tauben hatte ich sogar schon vorher.“ Im Gesangverein singt er, arbeitet auch beim TSV Asphe im Fußballverein mit. „Und meine Frau ist auch ganz zufrieden, dass ich immer noch arbeite. Jeder muss auch seinen Freiraum haben“, sagt Rabe.

Silke Rabe und Fritz Wolf sind überglücklich, dass sie auf einen solch erfahrenen Mitarbeiter zurückgreifen können, um beispielsweise Spitzen abfangen zu können. „Helmut Rabe ist der Joker im Rückraum – so jemanden zu haben, das ist ein Traum“, sagt Silke Rabe.

von Andreas Schmidt

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