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Harte Tarifrunde steht bevor

Öffentlicher Dienst Harte Tarifrunde steht bevor

Was die Metall- und Chemieindustrie kann, sollte auch der öffentliche Dienst können, sagt Verdi. Die regionalen Gewerkschaftsvertreter fordern für die 10000 Beschäftigten in Mittelhessen mehr Geld. Über Zahlen wird noch nicht gesprochen.

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Die neue Tarifrunde für den öffentlichen Dienst steht vor der Tür. Ob es wie in den Vorjahren zu Streik- und Protestaktionen kommt, lässt Verdi noch offen.Archivfoto

Marburg. Die nächste Tarifrunde für den öffentlichen Dienst steht bevor. Nachdem die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegenüber den öffentlichen Arbeitgebern die Entgelttabellen fristgerecht gekündigt hat, läuft der Tarifvertrag Ende Februar 2014 aus. Zum Auftakt der neuen Tarifrunde in Mittelhessen trafen sich am Mittwochabend in Linden gewerkschaftliche Vertrauensleute aus Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Krankenhäusern, Sparkassen und Versorgungsbetrieben.

Die Frauen und Männer aus den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Gießen und Lahn-Dill-Kreis ließen sich dabei von Dr. Dierk Hirschel, Bereichsleiter Wirtschaftspolitik beim Verdi-Bundesvorstand über wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen informieren. „Die wirtschaftliche Entwicklung für nächstes Jahr wird nach den Prognosen besser sein als in diesem Jahr“, sagte Hirschel bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Gewerkschaftssitzung. Bei einem zu erwartetendem Wirtschaftswachstum von 1,2 bis 1,8 Prozent und einer stabilen Lage auf dem Arbeitsmarkt sei die Ausgangslage an sich eher besser als schlechter.

Aber der Verdi-Chefökonom aus Berlin weiß auch: „Der Konsolidierungsdruck für Bund und Land wird enorm sein.“ Die Schuldenbremse verschaffe den Kommunen daher „denkbar ungünstige Rahmenbedingungen“. Um die Finanzausstattung der Kommunen zu verbessern, müsste sich die künftige Koalition im Bund auf Steuererhöhungen einigen. Verdi fordert etwa die Reichensteuer. „Unter dem Diktat der Schuldenbremse werden die Arbeitgeber auf leere Kassen verweisen“, sagt Hirschel. „Harte Tarifauseinandersetzungen stehen also bevor“.

Konkrete Lohnforderungen wurden am Mittwoch noch nicht bekannt gegeben. Hirschel hat ausgerechnet, dass bei einer Lohnerhöhung von 3,5 Prozent sich nichts ändern würde - denn diese Zahl ergeben schon Inflationsausgleich und Produktivitätssteigerung zusammengerechnet. Verdi wird also vermutlich mit deutlich mehr als 3,5 Prozent in die Verhandlungen einsteigen. Die Dienstleistungsgewerkschaft orientiert sich dabei an Tarifabschlüssen in der Metall- und Chemieindustrie.

Zum 1. Juli stiegen bei den Metallern die Löhne um 3,4 Prozent, zum 1. Mai 2014 dann noch einmal um 2,2 Prozent.

„Wer qualifizierte Kräfte im öffentlichen Dienst haben will, muss mit der Privatwirtschaft mitziehen“, sagte Verdi-Sekretär Jürgen Lauer. Er erklärte, dass die konkreten Forderungen in den Betrieben und Verwaltungen in den nächsten Monaten diskutiert würden, bevor sie letztlich am 6. Februar in einen gemeinsamen Beschluss der Bundestarifkommission einmündeten.

Laut Verdi sind in Mittelhessen rund 10000 Beschäftigte von der Tarifrunde öffentlicher Dienst betroffen. Noch sei unklar, welche Form einer Lohnerhöhung Verdi fordern werde.

Soll ein Sockel- oder Festbetrag auf der Liste stehen und wie sollen die Forderungen letztendlich durchgesetzt werden? Darüber müssten die Mitglieder noch beraten. „Wir wehren uns gegen die Angst vor leeren Kassen“, so Lauer. Beschäftigte in untersten Lohngruppen, die 1440 Euro brutto verdienen, müssten schließlich mit ihrer persönlichen Haushaltskasse über die Runden kommen, erklärte Julian Jaedicke, ebenfalls Verdi-Sekretär: Die Tarifrunde hat begonnen.

von Anna Ntemiris

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