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Handwerkliches Abenteuer in Afrika

Entwicklungshelfer Felix Rabe Handwerkliches Abenteuer in Afrika

Nach seiner Tischler-Lehre ging Felix Rabe für drei Monate nach Ruanda, 
 um sein Wissen dort an ­einer technischen Schule 
weiterzugeben – als 
 Lehrer, Betreuer und Werkstattleiter.

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Moses, der Verwalter des Werkzeug- und Zubehörmagazins, setzt mit Felix Rabe einen Dübelautomaten zum Bohren von Lochreihen in Gang.

Quelle: privat

Simtshausen. Wie kommt man als 22-Jähriger dazu, quasi als Entwicklungshelfer nach Ruanda zu gehen? „Durch die Mutter eines Freundes, die mit dem Marburger Entwicklungshelfer Tim Bluthardt befreundet ist“, erzählt Felix Rabe. Damals habe er sich noch in der Ausbildung befunden und sich über einen solchen Aufenthalt keine Gedanken gemacht. „Doch sie erzählte mir von dem Projekt – und das fand ich spannend“, sagt Rabe.

Er traf sich mit Bluthardt, der den Simtshäuser endgültig für das Projekt begeisterte – „und im Oktober vergangenen Jahres bin ich losgeflogen“. Doch zunächst ärgerte sich der damals 22-Jährige: „Ich sollte eigentlich über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit als Praktikant angestellt werden. Dann hätte ich zumindest Mindestlohn verdient“, erklärt Rabe. Doch: Die Gesellschaft unterstütze nur Akademiker oder zumindest Studierende mit mindestens drei Semestern Erfahrung. „So musste ich mich also selbst krankenversichern, alle Impfungen musste ich selbst bezahlen.“

Aber das schreckte Rabe nicht ab. „Denn ich wusste, ich kann dort meine Fähigkeiten einsetzen, um den Menschen zu helfen – das hat mich fasziniert.“ Denn Hilfe ist in dem Land, das jahrzehntelang vom Genozid geprägt war, nötig. „Ich hatte mich vorher über die Geschichte informiert und auch über die aktuelle Lage – mittlerweile ist Ruanda ein friedliches und sicheres Land“, weiß er.

Sein Ziel war Rubengera, im Westen Ruandas, am Ufer des Lake Kivu. Dort haben Katja und Tim Bluthardt gemeinsam mit den ruandischen Diakonissen „Abaja ba Kristo“ vor vier Jahren die technische Schule gegründet. Und diese Schule hat sich laut Rabe mittlerweile zur „mit Abstand besten technischen Schule mit Schwerpunkt Holzverarbeitung in Ruanda etabliert“. So lasse beispielsweise die Regierung ihre Lehrer dort fortbilden – und für die Verdienste hat sie der Schule einen Wald geschenkt.

Der gute Ruf hat sich auch bei den Unternehmen des Landes herumgesprochen. „So hat beispielsweise eine Firma angefragt, ob wir ihnen 1500 Türen fertigen können“, erzählt Rabe. Und das sei auch das langfristige Ziel der Schule. „Jedes Jahr gehen 123 Millionen Dollar aus dem Land – großteils nach China –, um Möbel zu importieren.“ Würden die Möbel im Land gefertigt, bliebe das Geld im Land – eine nachhaltige Entwicklungshilfe also.

Doch bis dahin gibt es einiges zu lernen, wie Rabe verdeutlicht. „So trocknet Holz in Ruanda sehr schnell. Aber die Handwerker stellen es nur zwei Tage in die Sonne und verarbeiten das Massivholz dann, mit der Folge, dass es sich nach einiger Zeit verzieht oder Risse bildet.“ Mit kleinen Änderungen ließe sich also schon einiges Erreichen.

„Die Schüler haben beispielsweise auch eine Kücheneinrichtung gebaut und dabei das erste Mal mit MDF-Platten gearbeitet – eine ganz neue Erfahrung“, berichtet Rabe. Weitere Aufträge seien etwa Spielekisten mit Holzbauklötzen, Schränke, Regale oder Tische gewesen. „Anfangs wurde die Arbeit erschwert, weil wir immer nur für wenige Stunden Strom hatten“, erinnert sich Felix Rabe. Also habe er mit seinen Schülern alles weitestgehend vorbereitet, „um dann, wenn der Strom da war, loslegen zu können“.

Unpünktlichkeit wird 
mit Fleiß wettgemacht

Doch dabei lernte er eine weitere Seite der afrikanischen Mentalität kennen: „Mit der Pünktlichkeit haben sie es nicht so“, sagt er lachend. Das sei auf keinen Fall böse gemeint, „und mit ihrem Fleiß haben sie alles wieder wettgemacht“. So seien mittlerweile zwei ehemalige Schüler als Lehrer an der Schule angestellt – sie zählten zu den besten Lehrern Ruandas.

Während seiner Zeit in Afrika lebte Felix Rabe im Kloster eines Waisendorfs – und die Kinder hatten den Weißen sofort ins Herz geschlossen, wollten mit ihm Fußball spielen. „Die Herzlichkeit war ergreifend“, sagt Rabe. Auch von der Natur des Landes war der Simtshäuser sehr angetan, besuchte die Nationalparks des Landes.

Im Dezember kehrte er nach Deutschland zurück, „in Ruanda war gerade die Regenzeit zu Ende, das Land war in voller Blüte – und Deutschland kam mir vor, als hätte jemand einen Farbfilm auf schwarz-weiß gestellt“, erinnert er sich.

Mittlerweile hat er sein Architektur-Studium begonnen. Und für ihn steht fest: „Ich hoffe, nächstes Jahr wieder hinzukommen. Denn der Aufenthalt hat meinen Horizont extrem erweitert.“ Was hat Rabe mitgenommen? „Ein Stück weit Gelassenheit – und die Erkenntnis, auch mit wenig glücklich zu sein.“

von Andreas Schmidt

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