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Handwerker melden gute Auftragslage

Konjunkturbericht der IHK Kassel Handwerker melden gute Auftragslage

Die Kauflaune beschert dem heimischen Handwerk gute Geschäfte – das besagt die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel.

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Das Geschäft läuft gut im heimischen Handwerk – das zeigt die Konjunkturumfrage, die Handwerkspräsident Heinrich Gringel am Freitag vorstellte.

Quelle: Michael Reichel

Marburg. „Der Motor im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk läuft weiterhin rund“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel, bei der Vorstellung der aktuellen Herbstumfrage für den Kammerbezirk Kassel.

Sowohl die aktuelle als auch die zukünftige Geschäftslage werde vom Großteil der befragten Betriebe positiv eingeschätzt. „Unterstrichen wird die gute Lage auch durch die Entwicklung des Geschäftsklimaindexes, der das Allzeithoch aus dem Jahr 2013 nur knapp verpasste. Damit findet der bemerkenswerte Konjunkturtrend, der nun schon seit fünf Jahren zu beobachten ist, seine Fortsetzung“, so Gringel.

Die aktuelle Geschäftslage bewerten 39,3 Prozent der Handwerksbetriebe mit gut (Vorjahr: 33,8 Prozent), weitere 46,6 Prozent (Vorjahr: 51,7 Prozent) schätzen die Lage befriedigend ein. Auch die Erwartungen für die kommenden drei Monate bleiben optimistisch: Insgesamt 84,5 Prozent erwarten gute oder befriedigende Geschäfte (Vorjahr: 86,7 Prozent), insbesondere bei den „Gut“-Meldungen (39,6 Prozent; Vorjahr: 34,2 Prozent) gab es deutliche Steigerungen gegenüber dem guten Vorjahreswert.

Ausbauhandwerk boomt

Das überaus positive Bild spiegelt sich auch im Geschäftsklimaindex wider, der aus aktueller und zukünftiger Geschäftslage gebildet wird: Im aktuellen Berichtsquartal stieg er auf 124,6 Punkte und übertraf den Herbstwert 2014 um 4,5 Zähler.

Getragen werde diese sehr positive Entwicklung in erster Linie von dem Ausbaugewerbe und den gewerblichen Zulieferern, aber auch von den Lebensmittel- und den Gesundheitshandwerken, teilt die Kammer mit. Insbesondere die Betriebe aus den Ausbauhandwerken boomten weiter. Die Auftragsbücher seien voll und die Erwartungen weiterhin zuversichtlich.

Gedämpfter sei hingegen die Situation im Bauhauptgewerbe, das immer noch auf mehr öffentliche Investitionen hoffe. Das private Dienstleistungsgewerbe schätzt seine Lage als befriedigend ein. Sorgenvoll sehen hingegen die Kfz-Betriebe ihre konjunkturelle Situation – sie sind mit ihren Geschäften alles andere als zufrieden. Sogar die recht schwachen Vorjahreswerte wurden nicht erreicht.

Betriebsauslastung steigt im Vorjahresvergleich

Über alle befragten Branchen hinweg berichtete mehr als jeder fünfte Betriebsinhaber (21,2 Prozent) von einer weiteren Steigerung bei den Auftragseingängen, bei 53 Prozent konnte das Vorquartalsniveau gehalten werden.

Die gute Auftragslage sorgte auch für einen Schub bei der Umsatzentwicklung: 23,4 Prozent der befragten Betriebe verbuchten gegenüber dem Vorquartal weitere Umsatzsteigerungen. Die durchschnittliche Betriebsauslastung lag im Berichtszeitraum bei 79,5 Prozent – im Gegensatz zu 77,2 Prozent im Vorjahr.

Fast jeder dritte Betriebsinhaber sprach sogar von einer annähernden Vollauslastung. Die Auftragsreichweite lag bei 6,8 Wochen, knapp jeder vierte der befragten Betriebe gab an, dass die Auftragsbestände bis Ende des Jahres reichen, was zwölf Wochen entspricht. Insbesondere viele der Baubetriebe sind demnach über den Jahreswechsel hinweg mit Aufträgen versorgt. Die guten Zahlen hatten laut Handwerkskammer auch positive Auswirkungen auf die Beschäftigtenentwicklung im heimischen Handwerk, denn insgesamt 15,9 Prozent der Befragten haben ihr Personal aufgestockt.

Limbacher: „Auftragsbücher sind voll“

Sorgen macht den Betrieben indes die aktuelle Preisentwicklung: 23 Prozent klagten über gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe und Energie, nur 13 Prozent gaben diese gestiegenen Preise an den Endkunden weiter. Präsident Gringel sagte dazu: „Die Umfrageergebnisse stimmen uns sehr zuversichtlich, auch wenn es nicht in allen Handwerksbranchen gleichermaßen floriert.“ Sorgen mache dem Handwerk allerdings der Fachkräftemangel.

Auch Rolph Limbacher, Kreishandwerksmeister in Marburg, sieht die Entwicklung positiv. „Die Auftragsbücher sind immer noch voll – einen Handwerker zu finden, der spontan nichts zu tun hat, ist nahezu ausgeschlossen“, sagt er. Das sei aber leider auch dem Fachkräftemangel geschuldet, denn: „Immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr leisten – das ist ein Problem“, sagt Limbacher im Gespräch mit der OP.

Die Baubranche erhoffe sich indes noch zusätzliche Impulse vom kommunalen Investitionsprogramm. „Da wäre es dann allerdings wünschenswert, wenn die Kommunalen die Aufträge so ausschreiben, dass auch die heimischen Betriebe zum Einsatz kommen können“, sagt der Kreishandwerksmeister.

Sorge bereitet Limbacher indes der Volkswagen-Skandal – und das nicht nur wegen der heimischen Kfz-Händler, „sondern auch wegen den zahlreichen Zulieferern in der Region“. Die Krise werde zudem das Neuwagengeschäft „bestimmt nicht stärken“. „Es ist nicht alles eitel Sonnenschein, aber grundsätzlich herrscht eine positive Stimmung“, fasst Limbacher zusammen.

von Andreas Schmidt

 
Hintergrund
Vierteljährlich befragt die Handwerkskammer Kassel rund 800 Betriebe aus Nord-, Ost- und Mittelhessen zur aktuellen Konjunkturentwicklung. Dabei werden sowohl weiche Indikatoren wie etwa die Geschäftslageeinschätzung als auch harte Indikatoren wie Auftragseingänge, Umsätze, Beschäftigte, Investitionen und mehr abgefragt. Der Geschäftsklimaindex errechnet sich aus dem Mittelwert der Umfrageergebnisse zur Geschäftslage und zu den Erwartungen.
 
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