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Handwerk geht voll Zuversicht ins neue Jahr

Handwerkskammer Kassel Handwerk geht voll Zuversicht ins neue Jahr

Vor der Vollversammlung der Handwerkskammer Kassel betonte Handwerkspräsident Heinrich 
Gringel, dass die Konjunktur für viele Betriebe im fünften Jahr in Folge sehr gut gelaufen sei.

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Die Nachwuchsgewinnung wird auch im kommenden Jahr im Handwerk eine entscheidende Rolle spielen – denn die Zahl der Auszubildenden wird weiter sinken.

Quelle: Michael Reichel

Kassel. „Deshalb rechnen wir für dieses Jahr auch mit einem Umsatzwachstum von 2 statt von 1,3 Prozent, wie vor Jahresfrist noch angenommen“, sagte Gringel vor der 129. Vollversammlung.

„Vor allem bei den Betrieben der Ausbauhandwerke sind die Auftragsbücher randvoll und die Erwartungen sehr zuversichtlich. Die Menschen investieren ganz offensichtlich, obwohl sich bei der steuerlichen Abschreibung für die energetische Sanierung immer noch nichts getan hat“, bilanzierte Gringel.

Weniger gut sei die Lage hingegen bei den Bau-Betrieben. Sie hofften immer noch auf mehr öffentliche Investitionen. „Die Kommunen investieren so wenig, dass unsere Infrastruktur verfällt. Mittlerweile müssen Straßen sogar gesperrt werden. Das ist nicht im Sinne unserer Betriebe, die eine gute Infrastruktur brauchen“, monierte der Kammerpräsident.

Nachwuchswerbung steht ganz oben auf der Agenda

Anders als bei der Umsatzentwicklung bleibe ein Zuwachs bei den Beschäftigten in diesem Jahr wohl aus – trotz der guten Auslastung. Gringel gehe davon aus, „dass unsere Betriebe die benötigten Fachkräfte nicht finden, weil der Arbeitsmarkt in unserer Region leergefegt ist“.

Deshalb appellierte er an die Betriebe, auch weiterhin alle möglichen Ausbildungsanstrengungen zu unternehmen, um diese Entwicklung aufzuhalten. Zum 30. September habe man bei den neu eingetragenen Lehrverträgen ein Plus von 3,1 Prozent erreicht, die Zahl sei im Jahresvergleich von 2695 auf 2779 gestiegen. Das sei ein erfreuliches Ergebnis.

Die Kammer werde ihre Nachwuchswerbung auch künftig breit aufstellen. Deshalb werde das Handwerk nach wie vor um gute Haupt- und Realschüler werben, zudem wolle man weiter Migranten für eine duale Ausbildung gewinnen. Weiter liege der Fokus auch auf Abiturienten und Studienaussteigern.

Im Landkreis ist die Zahl der Lehrverträge leicht gestiegen

Und bei der Sicherung der Nachwuchs- und Fachkräfte spiele auch die Integration von Flüchtlingen eine Rolle. „Allerdings werden sie nur ein Teil der Lösung sein, mit der wir dieser Herausforderung begegnen. Deshalb müssen wir jetzt dafür sorgen, dass das Handwerk nicht in die Rolle des Alleinverantwortlichen für ihre Integration kommt“, warnte Gringel.

„Und wenn wir die Menschen, die jetzt zu uns kommen, ausbilden und ihnen Arbeit geben, brauchen wir klare, handhabbare Strukturen und die Sicherheit, dass sie hier bei uns eine Zukunft haben“, forderte der Kammerpräsident.

Auch im Landkreis sei die Wirtschaftslage des Handwerks sehr gut, wie Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher erläutert. In puncto Lehrverträge habe der Landkreis ebenfalls leicht zulegen können – mit 2,4 Prozent mehr Abschlüssen. „Wir werden aber auch in Zukunft an allen Fronten kämpfen, um die Zahl der Azubis weiter zu erhöhen.“

Er sei froh, dass es das Handwerk geschafft habe, „den Anteil der Abiturienten in der Ausbildung auf zehn Prozent zu erhöhen. Es scheint mehr Akzeptanz zu finden – aber wir haben ja auch mehr Abiturienten“, so Limbacher. Man wolle so viel wie möglich für das Handwerk werben – wichtig sei dabei etwa die Aktionswoche Handwerk, die in diesem Jahr wieder sehr erfolgreich gewesen sei.

Limbacher: Integration wird ein langer Weg

Für Limbacher ist zudem erfreulich, dass der Bau des Bildungszentrums Kassel, an dem das BBZ Marburg Gesellschafter ist, bald abgeschlossen wird. „Dort entsteht das modernste Bildungszentrum Deutschlands, davon werden auch einige unserer Auszubildenden profitieren“, sagt er.

Limbacher bekräftigte, dass das heimische Handwerk bereitstehe, die Flüchtlinge zu integrieren, das sei – wie er aus eigener Erfahrung wisse – nicht so leicht, beispielsweise, was die Sprachkenntnisse in Verbindung mit dem Verständnis von Schutzvorschriften angehe. „Aber wir stehen mit aller Kraft bereit – auch, wenn es ein langer Weg ist.“

Geschäftsführer Jürgen Hahl stellte die Arbeitsschwerpunkte der Kammer für das kommende Jahr vor. So werde es bei der Nachwuchswerbung weiter um die Unterstützung kleiner und mittlerer Betriebe bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze gehen. Weiter stehe die Erhöhung der Attraktivität und Qualität der dualen Berufsausbildung beispielsweise durch Ermöglichung eines Auslandsaufenthalts für Auszubildende und die Schulungen von Ausbildern und Prüfern an.

Bei der Betriebsberatung werde ein wesentlicher Schwerpunkt die Betriebsnachfolge sein: „Das heißt, wir planen die Nachfolge- und Demografieberatung sowie Fachkräftesicherung noch weiter auszubauen.“ Neben Seminaren sei die Entwicklung eines „Nachfolgegenerators“ geplant, der Betriebsinhabern erste Handlungsmöglichkeiten aufzeige.

Zur Finanzierung der Kammerarbeit berichtete er, dass sich der Haushaltsplan für 2016 auf 14,2 Millionen Euro belaufe. Davon flössen 4,6 Millionen Euro in den Bau des BZ Kassel. Die Versammlung verabschiedete den Haushaltsplan ebenso wie den Beitrag, der unverändert bleibt, einstimmig.

Wahlen

Jürgen Müller (Privatfoto), Geschäftsführer des BZ Kassel, wird als Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Kassel auf Eberhard Bierschenk folgen – allerdings erst zum 1. Januar 2017, beschloss die Vollversammlung einstimmig. Bereits ab dem 
1. September 2016 wird sich Müller als stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer auf seine neue Aufgabe vorbereiten.

Außerdem wurde Diplom-Ingenieur Markus Dörr (Privatfoto) als Sachverständiger für das Maurer- und Betonbauerhandwerk vereidigt und mit Handschlag verpflichtet. Zuvor hatte der Marburger das Bewerbungsverfahren für Sachverständige erfolgreich absolviert.

von Andreas Schmidt

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