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Hände weg vom Meisterbrief

Handwerk Hände weg vom Meisterbrief

„Es gilt der Slogan: Meisterbrief gleich Verbraucherschutz“, sagt Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher. Im Vorfeld der heutigen Meisterfeier erklärt der Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Heck: Das duale System ist in Deutschland alternativlos.

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Bei der Aktionswoche Handwerk lernten Jugendliche den Beruf des Fliesenlegers kennen. Bei diesem Handwerk wurde der Meisterzwang bereits abgeschafft. Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher wird heute Abend im Rathaus 39 Handwerkern, davon 20 Kfz-Mechaniker, ihre Meisterbriefe überreichen. Das Thema ist für die Innungen ein Anlass zum Feiern - aber auch für mahnende Worte. Der Meisterbrief dürfe nicht in Frage gestellt werden, so Limbacher. Seit Wochen sorgen sich Spitzenverbände von Handwerkern um die Zukunft des Meisterbriefs, da die EU-Kommission plant, den Abbau von Zulassungsbeschränkungen im Handwerk voranzutreiben. Wer in Deutschland ausbilden will und einen Betrieb gründen will, benötigt in der Regel den Meisterbrief, das setzt voraus, dass er sich weitergebildet hat und eine weitere Prüfung abgelegt hat. Der neue Marburger Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Heck (CDU) greift das Thema ebenfalls auf: „Der Meisterbrief ist als Qualitätsmerkmal in unserem dualen Ausbildungssystem unverzichtbar. Jeglicher Bestrebung aus Brüssel, die deutsche Handwerksordnung zu untergraben, werde ich mich in Berlin entgegenstellen“, erklärte er gestern. Die deutsche Politik müsse und werde hoffentlich an einem Strang ziehen, um den Brüsseler Vorschlägen entgegenzutreten. Die Einwände der EU-Kommission, ihre Vorschläge seien nicht verbindlich und lediglich als Anregung gedacht, akzeptiert Heck nicht: „Die deutsche Regierung soll begründen, warum für bestimmte Berufe der Meisterbrief Voraussetzung ist. Das ist ein typisches Beispiel für Brüsseler Bürokratie.“

Limbacher erklärt: „Es gilt der Slogan: Meisterbrief gleich Verbraucherschutz“. Der Verbraucher könne sich bei einem Meister sicher sein, dass dies ein hochqualifizierten Handwerker sei. Bei den Fliesenlegern sei der Meisterzwang bereits abgeschafft worden. „Das hat dazu geführt, dass in diesem Beruf weniger ausgebildet wurde und in Großstädten Briefkastenfirmen aus Osteuropa Betriebe aufgemacht haben“, kritisiert er.

Der Marburger Kreishandwerksmeister, der Halbengländer ist, kann das EU-Argument der deutschen Besonderheit nicht nachvollziehen: Er verweist auf Großbritannien: Dort gibt es keinen Meisterbrief, aber für „alles, spezielle Zertifikate. Das ist auch eine Regelung“. Viele Länder Europas loben das deutsche Ausbildungssystem. „Wir dürfen nicht vergessen, dazu gehört auch der Meister, denn er bildet aus“, so Limbacher.

von Anna Ntemiris

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