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Gute Aussichten: Gesellen sind gesuchte Kräfte

Freisprechungsfeier Kreishand­werkerschaft Gute Aussichten: Gesellen sind gesuchte Kräfte

Genau 106 Ex-Azubis nahmen bei der traditionellen Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Marburg ihre Gesellenbriefe entgegen.

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Auszubildende des Handwerks wurden im Cineplex frei- gesprochen.

Quelle: Jochen Lübke / dpa

Marburg. Handwerk hat goldenen Boden – dieses alte Sprichwort stimmt laut Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher heute mehr denn je. Denn die Gesellen seien nun gesuchte Fachkräfte. „Dass Sie heute nach guter Tradition freigesprochen werden beweist, dass Sie in der Lage sind, gute handwerkliche Arbeit zu leisten“, sagte Lim­bacher in seiner Ansprache. Das Handwerk „ist und bleibt in unserer sozialen Marktwirtschaft ein starker und leistungsfähiger Faktor. Es ist die Wirtschaftsmacht von nebenan“, verdeutlichte Limbacher.

Man benötige Unternehmen, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst seien. Und diese mache sich auch daran fest, „wie mit den vorhandenen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen umgegangen wird. Handwerksbetriebe können ihre Arbeiter selbst im Zeitalter der Globalisierung nicht ins Ausland verlagern – weil sie regional und lokal angebunden sind“, so der Kreishandwerksmeister. Und auch in puncto Ausbildung nehme das Handwerk seine gesellschaftliche Aufgabe wahr.

Bei der Freisprechungsfeier der Kreishand­werkerschaft Marburg nahmen Auszubildende aus der Region im Cineplex ihren Gesellenbrief entgegen. Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher betonte, dass die Junggesellen beste Chancen für die Zukunft hätten.

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Limbacher verdeutlichte zudem, dass der demografische Wandel auch im Handwerk zu spüren sei: Es fehlten nicht nur Facharbeiter, sondern auch Lehrlinge. Vor diesem Hintergrund sei es „eine soziale Verpflichtung“, für Flüchtlinge mit Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen bereitzustehen. Schlüssel dafür sei jedoch die Sprache – daher forderte Limbacher „Sprachunterricht von Anfang an“.

Marburgs Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) verdeutlichte, dass die Junggesellen nun vollwertige Mitglieder der Handwerksgesellschaft seien – und somit auch Teil „einer wichtigen Stütze unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft“. Auch Kahle sieht in der Zuwanderung durch Flüchtlinge eine Chance, von der auch Handwerksbetriebe profitieren könnten.

Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) sagte, die Junggesellen hätten mit einer Ausbildung im Handwerk eine richtige Entscheidung getroffen. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele meinen, der einzige Weg zur Seligkeit im Beruf sei eine möglichst verkopfte, idealerweise akademische Ausbildung.“ Doch das sei nicht der Fall – denn „wir brauchen die Kompetenz aus dem Handwerk viel dringender“.

Branche benötigt dringend Nachwuchs

Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit, versicherte den Junggesellen indes: „Wir werden uns in Ihrem Arbeitsleben wahrscheinlich nicht so oft oder gar nicht sehen – denn Sie machen etwas, was die Leute brauchen.“ Es ­gebe vielleicht eine Ausnahme: „Wenn Sie den Meister gemacht haben und dann Auszubildende brauchen, melden Sie sich einfach bei uns – wir helfen Ihnen dann.“

Hans-Jürgen Heck, Obermeister der gastgebenden Dachdecker-Innung, verdeutlichte ebenfalls die Folgen des demografischen Wandels: „So schön es für die Auszubildenden ist, sich eine Lehrstelle aussuchen zu können – so schwer ist die Situation freier Stellen für die Betriebe.“

Denn es gebe genug zu tun: Am Beispiel der Dachdecker zeigte er auf, dass es alleine im Gebiet der Marburger Innung gut 35.000 Dächer gebe, die „gepflegt, gewartet und saniert werden müssen“. Es gebe also auch in Zukunft viel zu tun – „wir können den jungen Leuten also eine Zukunft bieten“.

von Andreas Schmidt

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