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Ein Neustart für Kim Arnold

Arbeitsagentur Ein Neustart für Kim Arnold

Nach einer Thrombose verlor Kim Arnold im Sommer 2015 ihre linke Hand. Als Fachkraft für Lager­logistik kann sie nicht mehr arbeiten. Im Servicecenter der Arbeitsagentur fand sie einen neue Job.

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Kim Arnold an ihrem neuen Arbeitsplatz im Servicecenter der ­Familienkasse in der Marburger Arbeitsagentur.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. An manchen Tagen klingelt im Servicecenter der Familienkasse in der Marburger Arbeitsagentur bis zu 5000 Mal das Telefon. Marburg ist einer der sechs Standorte in Deutschland, an dem die Fragen rund um Kindergeld und Kinderzuschlag beantwortet werden. Unter den rund 80 Mitarbeitern vor Ort, die die Anrufe entgegennehmen, ist seit September auch Kim Arnold aus Weiershausen.

Als Fachkraft für Lagerlogistik kann die 29-Jährige nicht mehr in ihrem gelernten Beruf arbeiten. Nach einer Thrombose im linken Arm musste ihr im Sommer 2015 die Hand amputiert werden. Im Juni 2017 endete ihre zweijährige Elternzeit. Heike Scheffler, Vertrauensperson für schwerbehinderte Kollegen und Mitarbeiterin im Reha-Team der Arbeitsagentur, vermittelte ihr den Job im Servicecenter.

Daran gewöhnt, alles mit der anderen Hand zu machen

Nach einer zweiwöchigen Schulung konnte Arnold beginnen, die gelernte Theorie in die Praxis umzusetzen. „Da musste ich mir am Anfang sehr viel merken und einprägen, aber es ging gut“, sagte Arnold. Ihr Abteilungsleiter Steffen Rödiger bestätigt, die neue Mitarbeiterin hat sich gut eingearbeitet. Rödiger plädiert für mehr Partizipation von Menschen mit Behinderung. Arnold arbeitet nun wöchentlich 25 Stunden, vormittags, Tochter Lara geht in die Kita. Wenn sie zum Spätdienst eingeteilt ist, übernimmt ihr Mann Holger die Betreuung.

Für ihre Arbeit benötigt die junge Mutter nicht einmal die Handprothese, die sie sich mühsam erstritten hat ( die OP berichtete). „Die Arbeit klappt auch sehr gut ohne die Prothese“, sagt Arnold. Schließlich habe sie in den anderthalb Jahren, die sie auf das Hilfsmittel warten musste, daran gewöhnt, als Linkshänderin alles mit rechts zu erledigen. Weil ihre Tochter zudem Angst vor der Prothese hat, verwendet sie diese nur noch gelegentlich abends, um nicht aus der Übung im Umgang damit zu kommen.

Reha-Teams bieten Beratungen an

Volker Breustedt, Geschäftsführer der Arbeitsagentur, findet, „die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben macht Sinn“. Er wünscht sich, dass Personalentscheider dies häufiger ermöglichen. Derzeit seien 465 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Das heißt, jeder zehnte Arbeitslose ist schwerbehindert. Viele Fördermöglichkeiten seien bei Arbeitgebern sowie Arbeitnehmern nicht bekannt.

Mitarbeiter des Reha-Teams bieten Beratungen etwa zu Probebeschäftigungen und Unterstützung bei der Einarbeitung sowie der Ausbildung an. Aber auch schon bei der Bewerbung können Menschen mit Behinderung Tipps und Unterstützung bekommen. Sollten technische Hilfen oder Umbauten am Arbeitsplatz oder am Fahrzeug nötig sein, bietet die Arbeitsagentur ebenfalls Beratung an. „Wir sind gut vernetzt mit der Rentenversicherung, dem Landeswohlfahrtsverband und dem Fachdienst Integration, sodass wir auch weitervermitteln können, wenn wir nicht zuständig sind“, sagt Scheffler.

von Philipp Lauer

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