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Goßfeldener Tüftler entwickeln Paketkasten

„Anytime-Box“ Goßfeldener Tüftler entwickeln Paketkasten

Um einen sicheren Ort für Pakete zu bieten, wenn niemand zu Hause ist, arbeiteten Martin Buder und Sebastian Cempulik jahrelang an einem 
Paketkasten – nun hat 
die „Anytime-Box“ Marktreife erreicht.

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Martin Buder (links) und Sebastian Cempulik zeigen, wie ihre „Anytime-Box“ funktioniert.

Quelle: Andreas Schmidt

Goßfelden. Gerade in der Vorweihnachtszeit werden mehr Pakete versendet als zu jeder anderen Zeit des Jahres. Und dann steigt auch der Ärger der Kunden.

Denn auf dem Beschwerdeportal „Paket-Ärger“ der Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen gibt fast jeder zweite Kunde an, dass sein Paket trotz Benachrichtigung per E-Mail oder App nicht zum avisierten Zeitpunkt geliefert worden sei. Stattdessen landete es in einer Filiale oder einem benachbarten Geschäft.

Auch Martin Buder und Sebastian Cempulik haben dies schon oft genug erlebt. Und sie wollen mit ihrer „Anytime-Box“ Abhilfe schaffen. Die Idee hinter einem Paketkasten ist nicht neu: Wenn der Kunde eine Lieferung erwartet und selbst nicht zu Hause ist, kann der Zusteller das Paket in den Paketkasten werfen, ihn sicher verschließen – und der Empfänger kann direkt darauf zugreifen, wenn er heimkommt.

„Ich hatte die Idee zu einem Paketkasten schon 2014. Denn die vorhandenen Lösungen sind entweder recht groß, weil sie als Kasten fest installiert werden. Oder sie sind nicht sehr sicher, wie bei Säcken, die über die Eingangstür gehängt werden“, sagt Buder. Also musste etwas anderes her: „Ich wollte die Größe nicht haben, wenn der Kasten nicht gebraucht wird“, sagt er. Also ­tüftelte er gemeinsam mit seinem Freund Sebastian Cempulik an einer zusammenklappbaren Lösung. Die beiden hatten sich während ihres Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens, Fachrichtung Maschinenbau, kennengelernt, und auch Cempulik war direkt begeistert.

Für beide war klar: Der Paketkasten sollte hochwertig verarbeitet sein, keinesfalls rosten. „Also kam kein pulverbeschichtetes Blech infrage“, sagt Cempulik. Somit setzen die Entwickler komplett auf Edelstahl – auch 
aus optischen Gründen. Und so sieht das zusammengefaltet ­aus ( Foto: Schmidt):

Das Resultat kann sich sehen lassen: Wenn die „Anytime-Box“ nicht benötigt wird, hängt sie zusammengefaltet an der Hauswand, trägt mit dem Korpus nur wenige Zentimeter dick auf. Lediglich der Griff steht etwas vor. Kommt nun der Paketbote, muss er nur an dem Griff des Deckels ziehen: Die Box entfaltet sich, Gasdruckfedern halten den Deckel in Position. Der Bote kann das Paket in den Kasten stecken, dann schließt er den Deckel. Dieser rastet ins Schloss ein, das nur vom Besitzer geöffnet werden kann. Und wenn der sein Paket entnommen hat, reichen wenige, unkomplizierte Handgriffe, damit die Box wieder zusammengefaltet wird.

Bis die „Anytime-Box“ diese Serienreife hatte, gingen jedoch unzählige Arbeitsstunden ins Land. „Angefangen habe ich mit einem Modell aus einem Schuhkarton“, sagt Martin Buder – „um das Prinzip des Faltens zu testen“. Es folgte ein Prototyp aus Holz. Und dann ging es an die Umsetzung in Metall. „Wir haben einige Prototypen gebaut – und wieder verworfen“, sagt Sebastian Cempulik. So sei der erste Kasten aus Metall noch aus zwei Millimeter dickem Edelstahl geschweißt gewesen – und habe dementsprechend ausgesehen. Mittlerweile werden alle Teile gekantet und lasergeschnitten, dann setzen die Tüftler die Boxen von Hand zusammen – alles „made in Germany“ und patentiert. Das hat seinen Preis: Gut 300 Euro kostet die „Anytime-Box“, die Entwickler wollen auch durch sechs Jahre Garantie punkten.

Mittlerweile beweist sie sich im Praxis-Einsatz an Buders Haus, kann Pakete bis zur mittleren Größe und bis zu 31,5 Kilo Gewicht aufnehmen. Die ersten Kästen sind auch schon verkauft. „Der Kunde muss nur bei den Paketdiensten eine Abstellgenehmigung erteilen, dann kann unsere Box von jedem Dienst genutzt werden.“ Die Entwicklung soll noch weitergehen: Buder und Cempulik arbeiten an Ideen für eine Mehrfachnutzung, denn derzeit gilt noch: Wenn der erste Paketdienst die Ware eingeworfen hat, ist der Deckel zu. Ebenso tüfteln die Entwickler noch am Einsatz der Box an Mehrfamilienhäusern. „Es gibt noch Potenzial, wir ­bleiben dran“, sagt Martin ­Buder lachend.

von Andreas Schmidt

 
 
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