Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
„Goldener Herbst“ prägt Arbeitsmarkt

Oktober-Bilanz „Goldener Herbst“ prägt Arbeitsmarkt

Der Jobaufschwung hält weiter an: Die Zahl der 
Arbeitslosen ist im Oktober erstmals seit der 
Wiedervereinigung unter die 2,4-Millionen-Marke gerutscht.

Voriger Artikel
Graffiti-Porträts sollen Einheit schaffen
Nächster Artikel
Kaufpark Neustadt hat einen neuen Besitzer

Die Arbeitslosenquote ist im Landkreis auf 3,5 Prozent gesunken – und somit auf den hessenweit zweitbesten Wert.

Quelle: Daniel Bockwoldt

Nürnberg. Im Zuge des Herbstaufschwungs ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Oktober auf 2,389 Millionen gesunken. Erstmals seit der Wiedervereinigung sank die Erwerbslosigkeit damit unter die Marke von 2,4 Millionen.

Im Vergleich zum September nahm die Zahl der Erwerbslosen um 60.000 ab, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Jobsucher um 151.000 zurück. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 5,4 Prozent.

„Die sehr gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hält an“, sagte BA-Chef Detlef Scheele. Durch die kräftige Herbstbelebung sei die Arbeitslosigkeit sogar stärker als üblich gesunken.

Auch in Hessen hält der Aufschwung an: 159.034 Männer und Frauen waren im Oktober arbeitslos gemeldet – nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) der beste Oktober-Wert seit 1992. Von September auf Oktober 2017 sank die Zahl der Erwerbslosen demnach um 2648, verglichen mit dem Vorjahresmonat waren es 6622 weniger. Die Arbeitslosenquote blieb landesweit bei 4,8 Prozent, vor einem Jahr hatte sie noch 5,0 Prozent betragen.

Beber vorsichtig mit Wort Vollbeschäftigung

Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist ebenfalls erneut gesunken: 4535 Menschen waren ohne Job – 223 weniger, als noch im Oktober vergangenen Jahres. Das sind fünf Prozent weniger als im Jahr davor. Im Vergleich zu September dieses 
Jahres waren 104 oder auch 2,2 Prozent weniger Personen arbeitslos. Die Arbeitsagentur spricht von einem anhaltenden Abwärtstrend, „wir haben gute Zahlen zu vermelden, die Konjunktur brummt“, sagte Heike Beber, Pressesprecherin der Marburger Agentur für Arbeit.

Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 3,5 Prozent, das sind 0,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Regional betrachtet liegt die Arbeitslosenquote in Marburg (2551 Arbeitslose) bei 3,8 Prozent, in Stadtallendorf (1036) bei 3,2 Prozent und in Biedenkopf (984) bei 2,9 Prozent. Im Landesvergleich, mit einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent, stehe der Landkreis Marburg-Biedenkopf „sehr gut da – wir haben die zweitgeringste Quote in Hessen“, so Beber. Mit dem Wort Vollbeschäftigung sei sie dennoch vorsichtig, „es sind immer noch einige Menschen betroffen“.

Zahl der neuen Stellen 
ist im Oktober gesunken

Neu arbeitslos meldeten sich im Landkreis 1329 Personen, 17 oder auch 1,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im Vergleich zu letztem September waren es 116 oder auch knapp 10 Prozent mehr. Auf der anderen Seiten meldeten sich 1429 Menschen aus der Arbeitslosigkeit ab – 103 oder 6,7 Prozent weniger als noch vor einem Jahr und 108 oder auch 7 Prozent weniger als im vergangenen Monat. Davon nahmen 413 Personen eine neue Arbeit auf und 539 Personen wechselten in eine Ausbildung oder berufliche Maßnahme.

Im September kamen 663 neue Arbeitsstellen im Landkreis dazu. Das seien 112 oder auch 14,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor – im Vergleich zum September indes 18 oder auch 3 Prozent mehr. „Das ist für Oktober ein guter Wert“, hob Arbeitsvermittler Andreas Wicker hervor. In der Statistik spiegele sich ebenfalls eine sinkende Zahl von arbeitslosen Ausländern wider. Im Oktober waren 1172 Ausländer arbeitslos gemeldet. Da zunehmend mehr Migranten mit anerkanntem Status in der Region leben, sinkt die Zahl der Ausländer in der Versichertengemeinschaft (SGB III). Im Vergleich zu vergangenem Jahr gab es 271 weniger ausländische Arbeitslose – ein Minus von 53 Prozent.

Auf der Gegenseite stieg die Anzahl Ausländer in sozialversicherungspflichtiger Arbeit. 7772 waren es am Stichtag im März dieses Jahres, das sind 8,7 Prozent der insgesamt knapp 90.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis.

Zahl der freien Ausbildungsstellen gestiegen

Von den 4535 arbeitslosen Menschen im Landkreis haben 45 Prozent keine Ausbildung – „das ist ein Problem“, betonte Beber. Ausbildung, Qualifikation und Berufsförderung seien daher aktuell wichtiges Thema.

Die Ausbildungsquote liege mit 5,4 Prozent (Stand: 31. Dezember) höher als der hessische Durchschnitt von 4,5 Prozent. Im aktuellen Ausbildungsjahr waren im Landkreis 2158 Bewerber gemeldet – 165 oder auch 8,3 Prozent mehr als zuvor. Nach regionalen Standorten aufgeteilt bedeutet das: In Marburg meldeten sich 964 Bewerber, in Stadtallendorf 611 Bewerber und in Biedenkopf 351.

Dem gegenüber standen 1786 freie Berufsausbildungsstellen – ein Zuwachs von 146 oder 9 Prozent. In Marburg waren das 1104 Stellen, in Stadtallendorf 331 und in Biedenkopf 351 freie Ausbildungsstellen.

Nicht alle davon wurden besetzt. Auf der anderen Seite 
konnten nicht alle Bewerber vermittelt werden. Insgesamt blieben 133 Ausbildungsplätze 
im Landkreis frei – 85 mehr als im Jahr zuvor. 150 Bewerber fanden dagegen keine Ausbildungsstelle – ein Plus von 33 Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr.

Ausbildungsmarkt 
bleibt weiter in Bewegung

Dass trotz höherer Bewerberzahl nicht alle freien Stellen besetzt werden können, habe vielfältige Gründe: Unter anderem passen mitunter die Kompetenzen nicht zu den „hohen Erwartungen“ mancher Ausbildungsbetriebe.

Daneben haben Bewerber im Vergleich zunehmend mehr Auswahlmöglichkeiten bei potenziellen Lehrstellen. Das bedeute ein „wenn auch kleines Verschieben des Machtgleichgewichts, aber wir sind noch weit entfernt von einem Bewerbermarkt, in der Regel gibt es mehr Bewerber als freie Stellen“, so Wicker. Außerdem habe sich die Zahl der Ausbildungsplätze nicht gleichbedeutend an die wachsende Zahl der Arbeitsstellen angepasst.

Entsprechend sinke seit Jahren der Prozentwert, „es gibt mehr Arbeitsstellen, aber weniger Ausbildungsplätze“, so Wicker. Einen Zuwachs an Ausbildungsstellen sieht er unter anderem in der Friseurbranche, in der Verwaltung und im Handel.

Offiziell endet das Ausbildungsjahr im September. Das bedeute indes nicht, dass gleichzeitig die Vermittlung noch unversorgter Bewerber stagniere. „Bis Ende des Jahres ist Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt“, hob Beber hervor.

von Ina Tannert 
und unserer Agentur

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr