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Gleichberechtigung ist teuer

Versicherungen Gleichberechtigung ist teuer

Zwischen Mann und Frau soll es keine Unterschiede mehr geben - zumindest nicht bei den Versicherungstarifen. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs hat Auswirkungen auf den Geldbeutel von Verbrauchern.

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Ob Mann oder Frau: Das Geschlecht des Kunden darf beim Abschluss einer privaten Renten- oder Krankenversicherung keine Rolle mehr spielen.Fotomontage: Richter, Grafik: Pavlenko

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wer zum Jahreswechsel seine Finanzangelegenheiten unter die Lupe nehmen möchte, sollte auch seinen Versicherungsschutz überprüfen - und sich dabei sputen. Denn ab dem 21. Dezember gelten für neu abgeschlossene Verträge neue Regeln: Versicherer dürfen nur noch so genannte Unisex-Tarife anbieten, das bedeutet gleiche Tarife für Männer und Frauen.

Diskriminierungsverbot als Argument des Gerichtes

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte im März 2011 eine Regelung für ungültig erklärt, die nach Geschlecht differenzierende Versicherungstarife zulässt. Das Gericht bezog sich dabei auf das Diskriminierungsverbot. Von dem Urteil sind zum Beispiel neu abgeschlossene private Kranken-, Risiko-, private Renten-, Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherungen betroffen. Also Versicherungen, in denen das Geschlecht als Merkmal zur Risikodifferenzierung herangezogen wurde. Da Frauen im Durchschnitt länger leben und somit länger von abgeschlossenen Versicherungen profitieren, galten für Männer bisher günstigere Konditionen.

Verbraucherschützer kritisieren, dass das Urteil vor allem zu teueren Tarifen führt, von Steigerungen in Höhe von 30 bis 40 Prozent ist die Rede - mit dem Argument der Gleichberechtigung. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sieht in der Unisex-Entscheidung keine Verbesserung für die Versicherten. „Bisher hatten die Versicherungsunternehmen die Möglichkeit, für Männer und Frauen die unterschiedlichen Risiken angemessen zu berücksichtigen. Für ein geringeres Risiko konnten sie den Versicherten auch eine niedrigere Prämie in Rechnung stellen. Dies wird für Tarife ab dem 21.12. nicht mehr möglich sein“, erklärt der Verband.

Da das Urteil seit vergangenem Jahr bekannt ist, informieren Versicherer seit Monaten über die anstehenden Unisex-Tarife. Für bereits bestehende Verträge ändert sich nichts, betont Justin Kennard von der HDI-Versicherung in Marburg. Vor allem Männer, die zum Beispiel noch vor hatten, eine private Renten- oder Krankenversicherung abzuschließen, sollten dies vor dem Stichtag machen, weil die Unisex-Tarife für sie teurer werden könnten, erklärt Kennard. „Viele haben schon von den Unisex-Tarifen gehört, aber wissen nicht, was das für sie persönlich bedeutet“, sagt er. Wer noch einen Vertrag unter den alten, günstigeren Bedingungen abschließen will, sollte dies vor dem 21. Dezember machen, rät der Versicherungsfachmann.

„Wer am 21. Dezember kommt, ist schon zu spät“

Denn: Versicherer müssen die Verträge anschauen und durchprüfen, das gehe nicht innerhalb eines Tages. Das sagt auch Klaus Stefan Kaiser, selbstständiger Kundendienstbetreuer der HUK Coburg. „Wer am 21. Dezember kommt, ist schon zu spät“, sagt Kaiser.

„Am 21. Dezember muss der Versicherte die Annahmeerklärung in den Händen haben, ansonsten gelten die neuen Tarife“. Die meisten Kunden, die jetzt noch einen Vertrag abschließen, seien Männer zwischen 25 und 45 Jahren, sagt er. Auch Frauen informieren sich, erzählt Kaiser. Aber der große Ansturm sei nicht da.

„Die Leute sind sensibilisiert, aber vielleicht gibt es auch eine Reizüberflutung durch die Werbung und das Thema geht letztendlich an einigen vorbei“, sagt er.

von Anna Ntemiris

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