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Gießener Brauerei meldet Insolvenz an

Pleite Gießener Brauerei meldet Insolvenz an

Am 28. November hat – wie vor drei Jahren das Gießener Brauhaus – nun auch das Nachfolgeunternehmen, die Privatbrauerei Gießen GmbH, Insolvenz anmelden müssen.

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Die Privatbrauerei Gießen GmbH mit Sitz in Wieseck hat Insolvenz angemeldet – schon vor drei Jahren war die Brauerei zahlungsunfähig gewesen.

Quelle: Franz Ewert

Gießen. Seit ein paar Tagen ist nun schon ein Team um den vom Amtsgericht Gießen bestellten Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Jan Markus Plathner aus Frankfurt, vor Ort im Gießener Teichweg dabei, sich einen Überblick über die Lage und über die vorhandenen wirtschaftlichen Eckdaten zu verschaffen, wie Wirtschaftsjurist Philipp Reischel – er ist Mitglied des sechsköpfigen Expertenteams aus Buchhaltern, Anwälten und Steuerberatern – mitteilte.

„Wir befinden uns derzeit noch am Unfallort“, bemühte Reischel einen durchaus griffigen Vergleich mit dem Straßenverkehr. Über mögliche Rehamaßnahmen des verunglückten Patienten zu spekulieren, sei derzeit verfrüht. Betroffen vom Insolvenzfall Privatbrauerei Gießen sind laut Reischel einschließlich aller Teilzeitkräfte und Aushilfen knapp 60 Personen, für die es nun zuvorderst gelte, bei der Arbeitsagentur Insolvenzgeld zu beantragen.

Ebenso wichtig sei der Versuch, den Geschäftsbetrieb und die Bierproduktion aufrechtzuerhalten und so zu stabilisieren, dass für weitergehende ­Untersuchungen des Falles Zeit gewonnen werden kann, ohne dass der Betrieb eingestellt werden müsste.„Das wird gerade auch im Falle der hier vorliegenden Folgeinsolvenz sicher nicht einfach, ist aber auch nicht hoffnungslos. Hätten wir diese Einstellung und diese Hoffnung nicht, dann wären wir hier fehl am Platze“, stellt Reischel am Beginn eines Verfahrens fest, dessen Ausgang realistischerweise dennoch aus heutiger Sicht offen ist.

Mitarbeiter sollen bei Rettung mitwirken

Ziel aller Bemühungen wird laut Reischel sein, den Betrieb des in seiner Gesamtheit sehr traditionsreichen Unternehmens „in irgendeiner Form“ und als längerfristige Lösung sicherzustellen. Dazu sind „neue Investoren mit Bereitschaft zum Engagement oder alte Gesellschafter mit neuen Ideen oder jemand gänzlich anderer“ notwendig. Diesen potenziellen Investoren machte Reischel Mut mit seiner Überzeugung, dass es in einer Region wie in Deutschland einen Markt für lokale Bierspezialitäten gebe.

Wichtig und unabdingbar sei zudem, dass die Mitarbeiter der insolventen Privatbrauerei Gießen bei der Rettungsaktion mitwirken. Im Bereich der Produktion sei dies durch einen erfahrenen Braumeister aus dem Kreis der bisherigen Mitarbeiterschaft sichergestellt.

Das Mitarbeiterteam stehe zwar verständlicherweise unter einem gewissen Schock einschließlich verständlicher Zukunftsängste, habe aber laut Reischel nicht resigniert und packt weiter an. „Aber auch die Lieferanten und Kunden müssen uns helfen.“ Die Insolvenzverwaltung mit Dr. Jan Markus Plathner an der Spitze werde jedenfalls ihre ganze Erfahrung in die Waagschale werfen, versichert Philipp Reischel. „Und dann werden wir sehen, was wir erreichen können.“

von Franz Ewert

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