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„Gier und Panik sind die Antreiber“

Der Gelduntergang „Gier und Panik sind die Antreiber“

Wie kann man Geld langfristig „haltbar“ machen – also Vermögen sichern? Dazu stellte der unabhängige Berater und Publizist Dirk Herrmann in Stadtallendorf einige Strategien vor.

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Dirk Herrmann verdeutlichte am Mittwochabend in Stadtallendorf, dass sich durch breit gefächerte Investitionen auch in Niedrigzinsphasen Gewinne realisieren lassen.

Quelle: Andreas Schmidt

Stadtallendorf. Es ist schon ein Schwergewicht, das die VR Bank Hessenland für ihre Mitgliederveranstaltung engagiert hat: Dirk Herrmann gilt als einer der besten Redner zum Thema Finanzmarkt, mit mehr als 1500 Vorträgen. Er hat sich auf den Finanzsektor spezialisiert und beschäftigt sich vor allem mit der Börse und den Finanzmarktkrisen. Dabei greift er auch auf Zeitungsmaterial zurück – und zwar der letzten rund 150 Jahre.

Vor diesem Hintergrund referierte er zum Thema „Der Gelduntergang – Hilfe, die Zinsen sind weg“ – und verdeutlichte: „Es ist nicht mehr die Frage, ob Sie eine private Altersvorsorge brauchen – sondern die Frage, welche.“ Denn das soziale Netz heiße nur deshalb so, „weil es zu 90 Prozent aus Löchern besteht – sonst würde es soziale Wanne heißen“. Diese Löcher seien zu groß, sodass immer mehr Menschen hindurchfielen – „wenn wir Altersarmut sagen, müssen wir auch Rente in den Mund nehmen. Und wenn wir das tun, müssen wir auch Investment sagen“, so Herrmanns These.

Das Problem: Der Zinsmarkt „ist trocken. Früher konnten Sie jegliche Form von Sparen realisieren – und Sie hatten immer einen risikolosen Zins. Heute haben Sie nur noch zinsloses Risiko“, verdeutlichte er.
Alle Altersvorsorgesysteme und alle Kapitalansammlungssysteme basierten allerdings auf Zins und Zinseszins. „Wenn aber kein Zins mehr da ist, müssen wir umdenken“, propagierte Herrmann. Wer in den vergangenen 20 Jahren keine Bankberatung gebraucht habe, benötige sie jetzt, denn „das, was da draußen passiert, funktioniert nicht mehr ohne Beratung“.

Masse der Anleger kauft zu spät und verkauft zu früh

Herrmann hat es sich mit seinem Team zur Aufgabe gemacht, das Anlegerverhalten in den vergangenen Jahrzehnten auszuwerten, „um zu sehen, ob Sie, die Generation Ihrer Eltern und Großeltern sich ähnlich verhalten haben in den vergangenen 100 Jahren“. Dutzende Krisen habe man analysiert, die Anleger seien dabei immer „von Schlagzeilen getrieben“, so die Erkenntnis. Am „Schwarzen Montag“, dem 19. Oktober 1987, war der Dow Jones in New York um 23 Prozent gefallen – an einem Tag.

„Wenn ich an diesem Tag als Investor alles verkauft habe, dann hatten Sie am nächsten Tag einen schlechten Tag – denn nur kurze Zeit später meldeten die Börsen den größten Anstieg in ihrer Geschichte.“ Die Masse der Anleger kaufe Finanztitel häufig zu spät und verkaufe diese zu früh – „Gier und Panik sind die Antreiber“, so Herrmann. Wer seine Anlageentscheidungen von diesem „Herdentrieb“ entkoppele,
stehe häufig auf der Gewinnerseite.

Credo: Abschied von der „Vollkaskomentalität“

„Wenn Sie rausgehen und ein Schild sehen – alle Schuhe um 70 Prozent reduziert – dann greifen Sie zu“, so Herrmann. Ähnlich sei es bei Aktien, deren Kurs gerutscht sei. „Da steht quasi Sonderangebot – und Sie kaufen nicht, das verstehe ich nicht.“ Und das, obwohl der Aktienmarkt in den vergangenen 80 Jahren durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr erwirtschaftet habe.

Aber: „Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit“, so Herrmann. Man müsse sich ein Stück weit von der „Vollkaskomentalität mit absoluter Sicherheit“ verabschieden. Die beste Absicherung vor Fehlinvestitionen sieht Herrmann in einer breiten ­Streuung nach möglichst unterschiedlichen Anlageklassen und Regionen und im „Cost Average“, dem regelmäßigen Zukaufen von Positionen in kleinen Tranchen über die Zeit. So ließen sich bei langfristiger Investition gute Gewinne realisieren.

von Andreas Schmidt

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