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Gesundheitsreport schaut auf „kleinen Unterschied“

DAK Gesundheitsreport schaut auf „kleinen Unterschied“

Der DAK-Gesundheitsreport für den Landkreis bestätigt ein Vorurteil: Männer gehen seltener zum Arzt. Doch sie gehen nicht häufiger krank zur Arbeit – das machen indes Frauen.

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Professor Uwe Wagner, Direktor Klinik für Frauenheilkunde am UKGM (von links), Gesundheitsamts-Leiterin Dr. Birgit Wollenberg, Marburgs DAK-Leiter Manuel Höres und Apothekerin Dr. Claudia Baniahmad bewerteten im Pressegespräch den aktuellen DAK-Gesundheitsreport.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Laut DAK-Gesundheitsreport waren an jedem Tag des vergangenen Jahres von 1000 Arbeitnehmern in Hessen 42 krankgeschrieben. Damit hat sich der Krankenstand im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte erhöht.

Im Landkreis haben sich die Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr indes nicht verändert: Der Krankenstand betrug weiterhin 4,5 Prozent. Für die repräsentative Studie wertete ein Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen DAK-Mitglieder in Hessen aus. Manuel Höres, Leiter der DAK in Marburg, stellte die regionalen Zahlen am Donnerstag in einem Pressegespräch vor.

Für die meisten Ausfalltage waren mit 22 Prozent die sogenannten Muskel-Skelett-Erkrankungen wie etwa Rückenleiden verantwortlich. Auf Platz zwei folgten die Atemwegserkrankungen mit 17,9 Prozent. Hier gab es durch eine starke Erkältungswelle einen Anstieg um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Auf Rang drei der Krankheiten liegen psychische Erkrankungen mit einem Anteil von 15,6 Prozent an allen Fehltagen. Mit allen Werten liegt der Landkreis über dem Landesdurchschnitt.

Einen besonderen Blick wirft der Gesundheitsreport auf den Unterschied von Frauen und Männern bezüglich Krankheiten. Mit Blick auf die Fehlzeiten von Frauen und Männern zeigt der Report: Im Landkreis sind Frauen öfter und auch geringfügig länger krankgeschrieben, als die männlichen Kollegen.

Frauen erleiden häufiger psychische Krankheiten

Ein Erkrankungsfall dauert bei ihnen im Durchschnitt 11,9 Tage, bei den Männern 11,3 Tage. Insgesamt ist der Krankenstand von Frauen neun Prozent höher: Von 1000 erwerbstätigen Frauen fehlten 2015 im Durchschnitt pro Tag 48 bei der Arbeit, bei Männern waren es nur 44.

Frauen im Landkreis haben dagegen 49 Prozent mehr Fehltage wegen psychischen Erkrankungen. Diese Zahl würde durch andere Studien bestätigt, sagte Dr. Birgit Wollenberg, Leiterin des Gesundheitsamts. „Das hängt auch mit dem subjektiven Gefühl von chronischem Stress zusammen“, erläutert sie. „Das hängt auch mit mangelnder sozialer Unterstützung zusammen – dort könnte man mit Prävention für mehr seelische Gesundheit ansetzen“, sagt sie.

Auch Apothekerin Dr. Claudia Baniahmad sieht darin einen entscheidenden Punkt: „Neben dem Beruf haben Frauen auch immer noch die Arbeit in der Familie zusätzlich – das ist eine Doppelbelastung“, erläutert sie. Außerdem könnten hormonelle Schwankungen dazu beitragen. Zudem haben Frauen deutlich mehr Ausfall wegen Krebsleiden (plus 157 Prozent) – was durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt ist.

Deutliche Unterschiede beim Umgang mit Krankheit

Das erläutert Professor Uwe Wagner, Direktor am Uniklinikum Marburg für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: „Gerade Brustkrebs hat seinen Peak – also die Spitzenzahl – im Alter zwischen 50 und 69 Jahren. Vor allem durch die Früherkennung werden die Neubildungen zum Glück in einem sehr frühen Stadium erkannt“, sagt Wagner.

Dadurch stünden Frauen in dieser Statistik, die lediglich ­Erwerbstätige betrachte, an der Spitze. Prostatakrebs indes, die häufigste Krebserkrankung bei Männern, trete meist erst ab etwa 60 Jahren auf. „Würde man das gesamte Lebensalter betrachten, sähe die Statistik anders aus“, so Wagner, denn Männer erkrankten statistisch häufiger an Krebs – nur eben später.

Erwerbstätige hessische Männer erleiden deutlich häufiger als Frauen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (plus 106 Prozent mehr Fehltage). Das führt Wollenberg auf Rauchen und Bluthochdruck zurück.

Ein Teil des Unterschieds bei den Fehltagen lässt sich wohl durch den unterschiedlichen Umgang von Männern und Frauen mit Krankheit erklären. Berufstätige Männer in Hessen besuchen im Durchschnitt nur 4,4 Mal pro Jahr einen Arzt. Berufstätige Frauen hingegen sind 7,3 Mal in ärztlicher Behandlung.

Birgit Wollenberg hat noch weitere Zahlen parat: Demnach gehen Deutsche durchschnittlich 17 Mal im Jahr zum Arzt – in Skandinavien nur zwischen zwei- und dreimal. „Und an einem Montag sind acht Prozent der deutschen Bevölkerung beim Arzt – wenn der Montag auf einen Quartalsbeginn fällt, sind es sogar elf Prozent.“

Frauen engagieren sich beruflich sehr und gaben bei der Befragung im Rahmen des DAK-Reports an, häufig auch krank zur Arbeit zu gehen. Experten sprechen von Präsentismus: 67 Prozent der Frauen in Hessen gaben an, mindestens einmal im Jahr krank zur Arbeit gegangen zu sein. Bei den Männern waren es mit 64 Prozent etwas weniger. Als Hauptgrund wurde von Frauen und Männern gleichermaßen genannt, dass sie Kollegen nicht hängen lassen wollten.

von Andreas Schmidt

 
 
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