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Gesundheits-Campus wirft Fragen auf

Betriebsversammlung 
am Marburger UKGM Gesundheits-Campus wirft Fragen auf

Der geplante Campus-Neubau und der Mitarbeiter-Fragebogen standen im Mittelpunkt der 
Betriebsversammlung 
am Marburger UKGM.

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Am UKGM soll der Gesundheits-Campus entstehen – allerdings ist nun offenbar auch im Gespräch, bestehende Gebäude, wie Technik und Versorgung, einzubeziehen.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Laut Bettina Böttcher, Betriebsratsvorsitzende am UKGM Marburg, habe Dr. Dr. Martin Siebert, Vorstandsvorsitzender der Rhön Klinikum AG, die Planungen zum Gesundheits-Campus erläutert. Ein Campus-Konzept sieht der Konzern als Lösungsweg für das Unternehmen, das auf Spitzenmedizin setze. Rhön will eine engere 
Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung in enger Kooperation mit niedergelassenen Ärzten (die OP berichtete).

Siebert habe betont, dass man mit den Investitionen in Höhe von 67,6 Millionen Euro in der Endstufe den Standort stärken wolle. Björn Borgmann, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats, erläuterte, dass drei Projektstufen geplant seien: „Der Bau eines Ambulanz- und Therapiezentrums, eine Stärkung und der Ausbau des Leistungsportfolios und die Kommunikation sind die Teilbausteine“, erläutert er.

Bisher waren die Planungen, den Campus als Kopfbau vor dem Haupteingang zu realisieren – doch es gebe kein Baurecht. Daher suche man nun nach neuen Ideen. „Eine Option wäre, bestehende Gebäudestrukturen einzubeziehen – etwa dort, wo Technik und Versorgungszentrum sich derzeit befinden“, erläutert Borgmann – also am westlichen Gebäudeteil. „Dann stellt sich aber die Frage, was mit der Küche und dem Rest geschieht. Uns ist nicht daran gelegen, dass die Küche wegfällt“, sagte Bettina Böttcher.

Im Rahmen der Mitbestimmung werde man Informationen dazu heftig einfordern, sagte sie. „Natürlich muss in den Standort investiert werden. Aber das nur in einem Rahmen, der die Arbeitsplätze sichert“, so Böttcher. „Outsourcing muss ausgeschlossen sein.“ Zudem müsse geprüft werden, wie sich der Gesundheits-Campus auf die Situation der Beschäftigten auswirke.

Erste Ergebnisse von Mitarbeiter-Fragebogen

Weiteres großes Thema war die Mitarbeiterbefragung mittels des sogenannten „Copsoq“-Fragebogens – er wurde von einem Freiburger Institut entwickelt und dort auch ausgewertet. Wie gesund und belastet sind und fühlen sich die Mitarbeiter am UKGM – das soll der Fragebogen ermitteln. Zugestellt wurde er im Sommer allen Beschäftigten, die Teilnahme an der Befragung war freiwillig und anonym möglich.

Nun liegen erste Ergebnisse vor – die endgültige Auswertung soll am 9. Mai erfolgt sein. Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Röhrhoff stellte einige Punkte vor. Demnach seien von 9323 Beschäftigten an beiden Standorten 3809 Bögen zurückgegeben worden – eine Quote von 40,9 Prozent.

Die vier wichtigsten Themen seien von dem Freiburger Institut bereits identifiziert: Demnach bestehe bei der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit, bei Führungsqualität und Rollenklarheit, der Arbeitszufriedenheit und der Burn-Out-Problematik der größte Handlungsbedarf.

122.000 Überstunden am UKGM Marburg

„Jetzt muss geschaut werden, was betriebliche Themen sind, die Betriebsrat und Arbeitgeber gemeinsam erarbeiten können – und was sind Themen, die in den Tarifvertrag kommen“, sagte Röhrhoff. Denn Ziel sei weiterhin ein „Tarifvertrag Gesundheitsschutz“, in dem unter anderem bessere Bedingungen für Mitarbeiter im Schichtdienst, zum Beispiel längere Regenerationsphasen nach einer Nachtschicht oder Entlastungen für ältere Arbeitnehmer, festgelegt werden. Verhandlungen mit dem Arbeitgeber sollen am 20. Juni stattfinden, „dann werden wir unsere Forderungen präsentieren“.

Dabei ist das UKGM nicht mehr alleine: Verdi wolle bundesweit Verhandlungen in Kliniken für solche Tarifverträge führen. Denn für Röhrhoff ist klar: Die Belastung an Krankenhäusern – auch vor dem Hintergrund der Überstundenproblematik – sei für die Mitarbeiter enorm. So gebe es am UKGM Marburg derzeit 122.000 Überstunden.

„Es geht darum zu identifizieren, wo es systematische Probleme gibt und wie diese vermindert werden können“, sagte Björn Borgmann. Auch dabei solle der Fragebogen helfen – indem er Korrelationen aufzeige.

von Andreas Schmidt

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