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„Genug geredet – jetzt gibt‘s Druck“

Warnstreik „Genug geredet – jetzt gibt‘s Druck“

Rund 500 Mitarbeiter der Eisengießerei Fritz Winter und von Federal Mogul Deva beteiligten sich am Dienstag am Warnstreik der IG-Metall.

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Rund 500 Beschäftigte von Fritz Winter und Federal Mogul Deva beteiligten sich am Dienstag am Warnstreik der IG Metall in Stadtallendorf.

Quelle: Andreas Schmidt

Stadtallendorf. Damit wollen die Beschäftigten ihrer Forderung nach 5,5 Prozent mehr Geld sowie Regelungen zur Alters- und Bildungsteilzeit Nachdruck verleihen und gegen das aus ihrer Sicht unzureichende Angebot der Arbeitgeber protestieren. Diese bieten bislang 2,2 Prozent mehr Geld und haben die Warnstreiks als „völlig unnötig“ bezeichnet.

Mit den Warnstreiks will die IG Metall Druck aufbauen bis zur dritten Verhandlungsrunde, die am 6. Februar im Tarifgebiet Nordrhein-Westfalen beginnt. Dann folgen die weiteren möglichen Pilotbezirke Bayern am 9. Februar und Baden-Württemberg am 11. Februar – bis dahin will die Gewerkschaft mit weiteren Warnstreiks für ihre Forderungen kämpfen.

 

In Stadtallendorf bekamen die Streikenden am Dienstag sogar noch Unterstützung von der Jugendorganisation der IG Metall: Die jungen Leute absolvierten ein Seminar in Gladenbach und wurden kurzerhand per Bus nach Stadtallendorf gebracht, um sich am Warnstreik zu beteiligen.

Vor den Werkstoren der Firmen Fritz Winter und Federal Mogul Deva in der Schulstraße versammelten sich die Demonstranten. Mit lauter Musik und kernigen Sprüchen heizt Stefan Sachs, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Mittelhessen, seine Kollegen an. Und auch die jungen Leute haben ein Megafon dabei, skandieren schon am Sammelpunkt: „Wir sind hier, wir sind laut – weil man uns die Zukunft klaut.“

Angebot kommt kurz vor Ende der Friedenspflicht

Dann setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung: Entlang der Weserstraße ging es mit Polizei-Eskorte in die Stadtmitte, durch die Bahnhofsunterführung und in einer Schleife schließlich zum „Aufbauplatz“ in der Niederkleiner Straße, wo auch die Kundgebungen stattfanden.

Immer wieder rufen die Metaller ihre Parolen: „Was wollen wir?“ – „Fünf Komma fünf“ ist die Kernthese. Denn, wie Stefan Sachs erläutert: „Seit 29. Januar sind wir raus aus der Friedenspflicht – und wir haben leider kein Ergebnis vorliegen.“ Einen Tag vor Ende der Friedenspflicht hätten die Arbeitgeber ein Angebot von 2,2 Prozent gemacht, „das ist uns natürlich viel zu wenig“, so Sachs.

Doch die Gehaltserhöhung sei nur „ein Drittel der Veranstaltung: Wir wollen eine verbesserte Altersteilzeit insbesondere für die unteren Entgeltgruppen und eine höhere Quote – damit mehr Kollegen in Zukunft einen gleitenden Übergang in die Altersruhe haben“, sagte er. Das sei vor allem bei Fritz Winter ein großes Thema, weil dort die Kollegen im Dreischichtbetrieb arbeiten müssten.

„Und für die jungen Leute brauchen wir eine Bildungsteilzeit, damit wir eine gute Karrierechance auch im Betrieb gestalten können“, so der Bevollmächtigte. Doch dies würden die Arbeitgeber generell verweigern – mit dem Argument, dass sie diesen Punkt auch zukünftig alleine entscheiden wollten.

Unternehmerseite kritisiert Warnstreiks harsch

Daher reagiere die IG Metall nun mit Warnstreiks, „um Druck in die Verhandlungen zu kriegen“, wie Sachs betont. „Es ist wie immer: Wenn es auf dem ,Gute-Argumente-Weg‘ nicht geht, dann müssen wir halt Druck in die Veranstaltung legen. Und da hilft seit 150 Jahren nur noch eines – wenn wir nicht mehr arbeiten, kommt der Druck.“ Geredet worden sei genug, nun sei die Zeit zum Handeln – immer mit der Hoffnung, möglichst bald ein neues Angebot zu erhalten „und dann auch einen Abschluss zu finden“.

Kritik an den Warnstreiks kommt indes vom Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen. Besonders im Hinblick auf die erhoffte positive Signalwirkung des von der Arbeitgeberseite unterbreiteten Angebots zeigen sich die Unternehmer von der heftigen und unverhältnismäßigen Reaktion der Gewerkschaften enttäuscht.

Dr. Dirk Hohn, Geschäftsführer von Hessenmetall Mittelhessen zieht Bilanz: „Auch hier in der Region wurden Betriebe bestreikt. Die antiquierten Rituale spielen für den Ausgang der Verhandlungen keine Rolle. Wenn aber die IG Metall ihre Begleitmusik mit Trillerpfeifen und roten Fahnen als organisationspolitisches Erfordernis sieht, werden wir wohl damit leben müssen“, so Hohn.

Vielmehr sei wichtig, im Sinne von Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Branche „auch in Zukunft so aufzustellen, dass die Betriebe erfolgreich und vor allem auch international wettbewerbsfähig sind. Dies kann aber nur am Verhandlungstisch gelingen und nicht vor den Werkstoren oder auf der Straße“. Das von den Arbeitgebern vorgelegte Gesamtpaket ziele auf eine schnelle Lösung.

Bundesweit streiken 50 000

„Eine Erhöhung der Entgelte um 2,2 Prozent scheint uns hier richtig. Dass wir in der aktuellen konjunkturellen Lage keine utopischen Entgelterhöhungen an die Belegschaften weiterreichen können, macht alleine der geringe Produktionszuwachs der vergangenen Monate deutlich. Und schließlich hat es vor gerade acht Monaten die letzte Tariferhöhung gegeben“, betonte der Geschäftsführer.

Bundesweit gingen nach Gewerkschaftsangaben am Dienstag rund 50 000 Beschäftigte aus etwa 240 Betrieben auf die Straße, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Damit hätten sich seit Ende der Friedenspflicht bundesweit rund 220 000 Arbeitnehmer an den Warnstreiks beteiligt, teilte die IG Metall am Dienstag in Frankfurt mit.

Der Schwerpunkt der Warnstreiks lag demnach in Nordrhein-Westfalen. Dort legten rund 18 000 Arbeitnehmer aus 133 Betrieben die Arbeit kurzzeitig nieder. Im IG Metall-Bezirk Mitte folgten rund 7000 Beschäftigte aus 29 Betrieben dem Aufruf der IG Metall in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Der Schwerpunkt lag beim Autobauer Adam Opel. In Rüsselsheim traten demnach 4500 und in Kaiserslautern 1500 Opelaner in den Ausstand.

von Andreas Schmidt

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