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Gelegenheit macht Ladendiebe

Nur die Profis „arbeiten“ mit Hilfsmitteln Gelegenheit macht Ladendiebe

Ladendiebe „arbeiten“ in der Öffentlichkeit und 
suchen doch die Verborgenheit. Die Mehrzahl nutzt nur die Gelegenheit, die wenigen Profis planen ihre Straftat.

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Die klassische Situation für einen Gelegenheitsdiebstahl. In einem unbeobachteten Moment steckt der Täter eine CD ein.

Quelle: Archiv

Marburg. Holger Neubauer, 
Geschäftsführer des Marburger Media-Markts, setzt im Kampf gegen den Ladendiebstahl auf eine Kombination von technischen Mitteln und gut geschultem Personal. „Alle haben ein Auge darauf“, erklärt Neubauer und lobt zugleich die gute Zusammenarbeit mit der Marburger Polizei.

Von einer Zunahme der Ladendiebstähle kann Neubauer nicht berichten, beim Problem, dass „der eine oder andere vergisst, zu bezahlen“ handele es sich um eine konstante Größe. Auch von organisierten Banden ist sein Markt bisher verschont geblieben, was Neubauer auch auf die geografischen Gegebenheiten zurückführt: „Wir liegen in dieser Hinsicht zum Glück nicht in unmittelbarer Nähe zur Autobahn“. Das bestätigt Martin Ahlich, Pressesprecher der Marburger Polizei. Banden träten im Landkreis nur vereinzelt auf, sie seien eher der organisierten 
Kriminalität zuzurechnen.

Das lohnende Diebesgut bleibt unter Verschluss

Während im Media-Markt mit einer Vielzahl von ausgestellten, hochwertigen Artikeln die Begehrlichkeiten entsprechend groß sind, setzt Holger 
Gröb vom Fotofachgeschäft Ringfoto in Marburg auf eine 
andere Strategie: „Wir haben keine Produkte mehr in der 
Auslage, die interessant für einen Ladendieb wären. Und die 
Kameras sind gut verschlossen“. Deshalb spiele das Thema Ladendiebstahl für ihn auch keine 
Rolle mehr, erklärt Gröb.

Dass Ladendiebstahl in erster Linie eine Frage der Gelegenheit ist, sieht auch Oliver Stöhr von der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg so. „Die meisten Ladendiebe sind Erst- und Einzeltäter“, erklärt er und leitet daraus Hinweise ab, wie Geschäftsinhaber sich gegen Diebstahl schützen können.

- Gefährdete Ware sollte gut ausgeleuchtet und nach Möglichkeit in Kassennähe platziert werden, wo sie immer gut im Blick zu haben ist.

- Durch Begrüßung und angebotene Hilfestellung verhindere das Personal, dass ein potenzieller Dieb sich unbeobachtet fühle.

- Besonders groß ist die Gefahr von Ladendiebstählen in den Stoßzeiten, also etwa am späteren Nachmittag. Auch bei Sonderaktionen oder anderen Anlässen, die viele Kunden ins Geschäft ziehen, steigt das Risiko.

- Elektronische Artikelsicherungen sind ein guter Schutz, der von professionellen Ladendieben allerdings mit präparierten Taschen oder Kleidungsstücken ausgehebelt werden kann. Preisetiketten sollten nicht auf austauschbaren Teilen kleben und beim Ablöseversuch zerreißen.

Zahl der Ladendetektive steigt

Diese Hinweise decken sich mit den Empfehlungen der Polizei. Die empfiehlt, Ladendiebstahl grundsätzlich anzuzeigen. Volker König, Sprecher der Polizei Korbach räumt allerdings ein, dass mancher Ladenbesitzer bei Bagatelldelikten auf eine Anzeige und dem damit verbundenen Hausverbot verzichteten, weil sie so auch einen Kunden verlieren würden und der wirtschaftliche Schaden größer werde.

König hat auch festgestellt, dass aus Sorge vor stehlenden Flüchtlingen wieder mehr 
Ladendetektive eingestellt werden. Das lasse die Zahl der bei der Polizei registrierten Fälle steigen, „ohne dass Flüchtlinge dabei als Tatverdächtige besonders auffällig waren“.

Ertappte Ladendiebe dürfen 
von jedermann festgehalten werden, soweit die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt bleibt. Eine Kontrolle der Taschen darf allerdings nur mit Zustimmung der Kunden erfolgen. Wird die verweigert, sollte die Polizei gerufen werden, die die Taschen kontrollieren darf und der auch die Personalien angegeben werden müssen.

Ausgesetzte Fangprämien von bis zu 50 Euro, maximal aber den Warenwert, muss ein überführter Ladendieb erstatten. An den Kosten für Überwachungs- und Sicherungsmaßnahmen kann er aber nicht beteiligt werden.

Das Phänomen Ladendiebstahl stellt sich in den Landkreisen ganz unterschiedlich dar. Während in Gießen mit der 
zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge die Zahl der registrierten Fälle von 1012 (2014) auf 1790 im vergangenen Jahr stark angestiegen ist, sank sie im Schwalm-Eder-Kreis im gleichen Zeitraum sogar leicht von 278 auf 270.

90 Prozent der Täter werden ermittelt

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg war wiederum ein starker Anstieg von 257 auf 343 Fälle zu verzeichnen und im Landkreis Marburg-Biedenkopf wurden nach 621 Fällen in 2014 im vergangenen Jahr 722 Ladendiebstähle polizeilich aufgenommen.

Etwa 90 Prozent der Taten können von der Polizei aufgeklärt werden. 2010 verbuchten die Marburger Ermittler bei 778 Fällen sogar eine Aufklärungsquote von 95,5 Prozent, im vergangenen Jahr wurde in 89,2 Prozent der Fälle ein Täter ermittelt.

Den typischen Ladendieb gibt es nach Auskunft von Martin Ahlich nicht. Die ermittelten Täter kämen aus allen Nationen und Gesellschaftsschichten. In ihren Methoden ließen sich allerdings Ersttäter und professionelle Ladendiebe unterscheiden. Während ersterer „sich umblickt, die Ware einsteckt und dann zusieht, dass er verschwindet“, gehe der Profi gezielt vor und verwende präparierte Taschen oder tarne sich mit Arbeitskleidung.

von Frank Rademacher

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